750 wahlpruefstein eu teaser

Warum die EU wichtig für Angler auch in Deutschland ist

Wer Netzwerk Angeln regelmäßig liest, der weiss wie sehr das Angeln und die Angler in Deutschland auch vom Bund und von der EU, teilweise von beiden gemeinsam, reglementiert und reguliert werden.

An folgenden Beispielen und Punkten will ich kurz darstellen, wie sich europäische Vorgaben und deren Umsetzung in Deutschland sich für Angler auswirken können.

Denn diese sind der Grund, warum wir 8 Parteien, die im Bund und Ländern in Deutschland vertreten sind, unsere Fragen zu den EU-relevanten Themen um Angler, Angeln und Anglerschutz geschickt haben

  • Angelverbote wie im Fehmarnbelt

    Es gibt Angelverbote in den AWZ (z. B. Fehmarnbelt), wo sich die Umweltministerin Hendricks beim verhängen auf EU-Vorgaben beruft, um ein Angelverbot auszusprechen und die aktuelle Bundesumweltministerin Schulze das weiterhin beibehält. Und das obwohl die EU bei der Ausgestaltung der Schutzzonen keinerlei Angelverbot verlangt.
    Weiterführende Infos siehe Angelverbot Fehmarnbelt: ANGLERDEMO organisiert Klage gegen Bundesregierung

 

  • Angelverbote wegen Natura 2000 und Wasserrahmenrichtlinie

    Es gibt Angel- und Betretungsverbote im Namen der Natura2000 Vorgaben der EU (es werden keine Angelverbote von der EU verlangt, das ist die überbordende deutsche Bürokratie, die das will) speziell Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sind da stark betroffen, aber auch weitere Länder. Wo dann die EU einmal sinnvolle Maßnahmen für Gewässer will mit der Wasserrahmenrichtlinie, werden diese aber von der Bundesregierung dann nicht umgesetzt, weil diese auf die zwar ökologisch genannte, aber nachhaltig die Gewässer schädigende Wasserkraft setzt.

 

  • Einbindung der Angler ins EU-Management der Berufsfischerei mit Baglimit und Anlandepflicht bzw. Rückwurfverbot

    Konkret wird die Einmischung der EU ins Angeln bei Einbindung der Meeresangler zu den Berufsfischern beim Management der gewerblich genutzten Fischarten in EU Meeren.
    Woraus dann wiederum das Baglimit für Wolfsbarschangler sowie die Dorschangler in der westlichen Ostsee resultieren.
    Weiterführende Infos siehe Baglimit Dorsch 2019 für die Ostsee und EU und BRD im Clinch wegen töten untermaßiger Dorsche. Die Antworten sind da.

    Wobei hier dann Angler gegenüber der Fischerei aber noch von der EU benachteiligt werden. Denn weil der Dorschbestand sich erholt hatte, wurde zwar die Schonzeit für Berufsfischerei aufgehoben, nicht aber für die nachhaltigen Angler das Baglimit! Und das obwohl beides Sondermaßnahmen bei gefährdeten Beständen sind. Weder vom Bundeslandwirtschaftsministerium noch von den zuständigen Landesministerien in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern wurde gegen diese offensichtliche Benachteiligung ihre Angler und damit des Angeltourismus etwas unternommen.Aber auch die (laut EU) Pflicht auch für Angler, untermaßige Fische zu töten und diese auf das Baglimit anzurechnen, resultiert aus dieser Einbindung der Angler zur Gemeinsamen Fischereipolitik der EU mit den Berufsfischern.

 

Der Schritt der EU in Regulierungen der Angler auch im Süßwasser?

Dazu kommt noch, dass Fischarten wie der Aal, der Lachs, der Maifisch und andere, welche in den EU-Meeren UND im Süßwasser leben, von der EU genutzt werden, um direkte Eingriffe der EU mit Beschränkungen für Angler und das Angeln bei diesen Arten auch im Süßwasser einführen zu können.

Ob und was da kommen wird, muss man beobachten. Zumal ja sowohl der deutsche Naturschutzverband der organisierten Sport- und Angelfischerei wie auch der europäische Dachverband, die EAA, beide die Einbindung der Angler beim EU-Management der Fischerei in den EU-Meeren begrüßt und unterstützt. Und genau darauf beruht ja diese Möglichkeit der EU dann.
Weiterführende Infos siehe [Anhang Infos zum Thema Aale]

 

Die Auswahl der befragten Parteien

Wie immer wenn es bei Netzwerk Angeln um Politik geht, geht es NICHT um allgemeine oder Parteipolitik. Da hat auch jeder Angler seine eigene Meinung und Vorliebe. Netzwerk Angeln stellt da parteipolitisch neutral angelpolitische Fragen und beurteilt Parteien alleine nach deren Beantwortung.

Für allgemein- oder parteipolitische Fragen sind andere Medien kompetenter und daher geeigneter.

Als Adressaten für die Fragen haben wir die in Deutschland in Bund oder mehreren Ländern in den Parlamenten vertretenen Parteien ausgesucht.

Bevor wir die eigentlichen Fragen los schickten, haben wir bei den jeweiligen Pressesprecher/innen der Bundesorganisationen nach den richtigen Adressaten für Spezialfragen um Angler, Angeln und Anglerschutz im Zusammenhang mit der EU-Politik gefragt.

Daher gingen unsere Fragen an die folgenden Parteien:

  • CDU
  • CSU
  • SPD
  • AFD
  • FDP
  • LINKE
  • GRÜNE
  • FREIE WÄHLER

 

Die Fragen um Angler, Angeln und Anglerschutz in der EU-Politik der Parteien

Die folgende Mail schickten wir an die von den Pressestellen der Parteien genannnten Ansprechpartner oder an die Pressestellen zum weiterleiten.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

wir würden uns freuen, wenn sie unseren Lesern von Netzwerk Angeln - dem relevanten Presseorgan für Angler, Angeln und Anglerschutz - vor der Wahl zum EU-Parlament Fragen beantworten könnten, wie sich ihre Partei zu Problemen der angelnden Bürger im Zusammenhang mit der EU Fischereipolitik verhält. Laut Allensbach Institut (Werbeträgerstudie) angeln alleine knappe 6 Millionen Bürger einmal oder mehr pro Jahr, die in Deutschland wohnen.

 

Die EU will, dass Angler gemeinsam mit der Fischerei beim Management der kommerziell genutzten Arten in den Meeren der EU gemanaged werden, und setzt dies bereits um.

Laut EU soll die Grundlage für das gemeinsame Management von Fischen und Anglern die VERORDNUNG (EU) Nr. 1380/2013 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 11. Dezember 2013 sein. Auch wenn es dazu bisher unseres Wissens keinen Rechtsakt gab und die Verordnung eigentlich kein gemeinsames Management zulässt (bei Grund 3 der Verordnung wird sogar die Verantwortung der Mitgliedsstaaten für die Freizeitfischerei betont statt direkter Einmischung der EU).

 

Obwohl gerade das Angeln und der Angeltourismus eine sehr nachhaltige Form der Nutzung natürlicher Ressourcen mit hohem volkswirtschaftlichem Umsatz (und noch höheren Potential) darstellt, bei vergleichsweise gleichzeitig sehr geringer Entnahme an Fisch (teilweise sogar Angeln ohne jede Entnahme), werden Angler und der Angeltourismus gegenüber der Berufsfischerei deutlich benachteiligt. Beispiele im Anhang.

 

Und all dies resultiert einzig aus der Anmaßung der EU, Angler gemeinsam mit den Berufsfischern nach deren Regeln zu managen.

 

 

Dazu unsere Fragen:
Uns ist keine Rechtsgrundlage und kein Rechtsakt des EU-Parlamentes oder eines anderen gewählten Gremiums bekannt, das dem gemeinsame Management von Anglern und Fischerei zu Grunde liegt.
1.:
Können Sie uns Rechtgrundlage und Rechtsakt dazu nennen?

 

2.:
Sieht es ihre Partei als gerechtfertigt und gerecht an, Angeln als sinnvolle Freizeitbetätigung der Bürger den gleichen Regeln wie denen der kommerziellen Berufsfischerei zu unterwerfen?
2.1.:
Wenn nein, was wird ihre Partei im EU-Parlament konkret unternehmen, um das Angeln privater Bürger wieder von der gewerblichen Fischerei beim Management  der kommerziell genutzten Arten in den Meeren der EU zu trennen?

 

3.:
Schreibt die EU bei der Umsetzung von Natura2000 in den Mitgliedsstaaten irgendwo Angelverbote vor?
3.1:
Wenn nein, was wird ihre Partei konkret unternehmen um in den Mitgliedstaaten, gerade auch in Deutschland, zu verhindern, dass mit dem Argument Umsetzung Natura2000 Betretungs- oder Durch/Anfahrtsverbote für Angler und Angelverbote ausgesprochen und/oder umgesetzt werden?

 

4.:
Wie wird ihre Partei in der EU gemäß der Regeln der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie gegen die Wasserkraftwerke an vielen Flüssen und Bächen vorgehen, welche nicht nur zu zig Tonnen teilweise geschützte Fische in Turbinen töten, sondern vor allem auch die natürliche Wanderung von Geschiebe und Kies verhindern und so vor allem Kieslaichern schwerste Schäden zufügen?

 

Ich würde mich freuen, wenn Sie aus redaktionellen Gründen bis zum 01.03. 2019 antworten könnten.

 

Fragen wie Antworten sind zur Veröffentlichung gedacht.

 

(Hintergrund)Informationen oder sonstige nicht zur Veröffentlichung vorgesehen Punkte bitte genau kennzeichnen.

 

Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

 

 

Mit freundlichen Grüßen Thomas Finkbeiner

 

Anhang
> Schonzeit Berufsfischerei beim Dorsch in den Gebieten ICES 22 – 24 als Sondermaßnahme wird abgeschafft, Baglimit Angler als Sondermaßnahme für den gleichen Bestand wird beibehalten
> Anlandepflicht untermaßiger Fische für Berufsfischerei soll laut DG-Mare Direktorin Helen Clark auch für Angler gelten (Quelle: EU: Angler müssen untermaßige Dorsche töten - dürfen sie aber nicht essen! https://www.netzwerk-angeln.de/angelpolitik/162-eu-angler-muessen-untermassige-dorsche-toeten-duerfen-sie-aber-nicht-essen.html).
Selbst die Koalitionsfraktionen haben das erkannt, aber seitens der Regierung wurde noch nichts konkret unternommen (Quelle: Koalitionsfraktionen wollen Rückwurfverbot für untermaßige Meeresfische in der EU verhindern, https://www.netzwerk-angeln.de/angelpolitik/230-koalitionsfraktionen-wollen-rueckwurfverbot-fuer-untermassige-meeresfische-in-der-eu-verhindern.html)
> Ebenso gilt das für das Baglimit beim Wolfsbarsch oder bei der Schonzeit für Angler beim Aal in den Meeren der EU.

 

Die Antworten  und deren Bewertung

Als Termin zur Bewantwortung der Fragen hatten wir den 01. 03. 2019 gesetzt. So haben wir genügend Zeit,  die Antworten auszuwerten und auf ihren angelpolitischen Gehalt hin zu bewerten.

Selbstverständlich wird auch kein Angler eine Partei alleine wegen angelpolitischer Gesichtspunkte wählen oder nicht.

Aber so kann jeder Angler, der noch keine Präferenz für eine Partei hat oder mehrere Parteien in Betracht zieht, an Hand der Antworten dann evtl. leichter eine Wahl treffen. Ebenso kann erkennbar werden, wenn eine Partei gegen Anglerinteressen handelt und Angler können dies in ihre Wahlentscheidung mit einbeziehen.

Thomas Finkbeiner

 

Anhänge

[Infos zum Thema Aale]

Aalangelverbot gefordert durch “Angler"verbände

Der Kampf um den Aal - Fakten, Meinungen, Stellungnahmen

DAFV: Keine EU-Fangverbote für den Aal in Binnengewässern

 


Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, teile ihn mit Deinen Freunden:

Kommentar schreiben

Details zu im Rahmen der Kommentarfunktion gespeicherten Daten finden Sie unter Datenschutz

Kommentare  

Gerade das Beispiel Fehmarnbelt zeigt doch, das man sich im dafür zuständigen Ministerium anscheinend jeden Morgen mit einem Kantholz kämmt und darauf auch noch stolz ist..egal ob der Friseur nun Hendricks oder Schulze heisst:-)

Die Schutzkonditionierten Teutonen, meinens mit der Umsetzung von EU Vorgaben halt immer besonders gut..Hauptsache irgendwas Öffentlichkeitswirksames hingepfuscht.

Ich tippe auch mal darauf, das unter diesem Aspekt :

https://www.netzwerk-angeln.de/angelpolitik/245-angelverbot-fehmarnbelt-anglerdemo-organisiert-klage-gegen-bundesregierung.html
die Antworten selbst auf Europaebene etwas sparsam verhalten bis nichtssagend wischiwaschi ausfallen könnten.

Eine Krähe hackt der anderen...

Ansonsten lassen wir uns mal von den Antworten überraschen:-)

Ist bisher aber bei jedem Wahlprüfstein ähnlich abgelaufen ..bis auf überschaubare Ausnahmen, wird man den Eindruck nicht los, das die Befragten von der ihnen anvertrauen Materie deutlich weniger verstehen als sie sollten.
Antworten
ich glaube auch, dass es allenfalls Lippenbekenntnisse geben wird.
Wir müssen zusammenstehen und wie Anglerdemo klagen.
Und die Verbände müssten arbeiten wie der AVN
Antworten
Die Wahlprüfsteine zu Wahlen in Bund & EU haben eine lange Tradition.
Mittlerweile kupfern Verbände sie auch schon mal ab, kommen aber nie qualitativ an das Original heran, weil sie nicht mal die Knackpunkte erkennen. Und müssen sich trotz dieser halbherzigen Versuche immer noch den Vorwurf machen lassen, dass so etwas seit Jahrzehnten ihre Aufgabe gewesen wäre.

Neben der Information von Anglern, erfüllen diese Wahlprüfsteine noch mindestens einen genauso wichtigen Zweck: sie zwingen die Politik sich endlich mit Anglerthemen zu beschäftigen.
Dazu geben sie Anhaltspunkte nach der Wahl nach zu haken & Druck zu machen.

Man kann den Wert diese Arbeit gar nicht hoch genug schätzen.
Antworten
Ich sehe es auch so, dass diese Arbeit von hohem Nutzen ist.

Am geschreibenen Wort lässt es sich zu dem besser messen und festhalten, als an bloßem Schall und Rauch!
Antworten
Jetzt ist schon Mai.
Hat denn irgendeine der angeschriebenen Parteien geantwortet?
Antworten
Artikel schon fast fertig, klar wurde geantwortet (alle, konkrete Antwort dann bis auf 2 Parteien) ..

Kommt rechtzeitig, keine Panik ;-)

Es freut mich aber, dass ihr Interesse habt und dran bleibt!!
Antworten

Verwandte Artikel

Antworten zum Wahlprüfstein zur EU-Wahl zu Anglern, Angeln und Anglerschutz

Antworten zum Wahlprüfstein zur EU-Wahl zu Anglern, Angeln und Anglerschutz

Wir haben Parteien zu angelpolitisch relevanten Punkten bei der EU-Wahl im Mai 2019 befragt.
Netzwerk Angeln veröffentlicht nun die Antworten und Chefredakteur Thomas Finkbeiner ordnet sie aus angelpolitischer Sicht ein.

Parlamentskreis Angler und Angeln - Netzwerk Angeln hakt im Bundestag nach

Antworten zum Wahlprüfstein zur EU-Wahl zu Anglern, Angeln und Anglerschutz

Parlamentskreise gibt es für “Mittelstand“ über “Automobiles Kulturgut“, für “Fluglärm“ oder “Radverkehr“. Aktuell hat die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles einen neuen Parlamentskreis für Reiter mit initiiert. Daher wird es dringend Zeit für einen Parlamentskreis “Angler und Angeln“. Netzwerk Angeln hakte bei den Fraktionen im Bundestag nach, ob sie einen "Parlamentskreis Angeln" unterstützen.

Parlamentskreis Angler und Angeln im Bundestag – geht es jetzt los?

Parlamentskreis Angler und Angeln im Bundestag – geht es jetzt los?

Nach ersten Gesprächen zu einem Parlamentskreis Angler und Angeln im Bundestag 2015 hat Netzwerk Angeln 2018 die Fraktionsführungen der im Bundestag vertretenen Parteien angeschrieben um zu erfahren, ob ein Parlamentskreis Angler und Angeln endlich möglich wäre. Die Antworten sind nun da und es bleibt eigentlich nur die Frage: Wann geht es los?

Neues zum Nachtangelverbot Baden-Württemberg – Württembergischer Anglerverein wird aktiv

Parlamentskreis Angler und Angeln im Bundestag – geht es jetzt los?

Bereits 2003 wurde ein Antrag gestellt, im Zuge des Bürokratieabbaus, das Nachtangelverbot in Baden-Württemberg abzuschaffen. Die Fischereiverbände widersprachen damals der Abschaffung in einem Brief an den Ministerpräsidenten Teufel. Der Württembergische Anglerverein schrieb jetzt Abgeordnete des Landtages an, um eine Aufhebung erneut anzustoßen.

Bullinger: Hauk soll Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen in B-W nicht verkomplizieren, sondern abschaffen

Parlamentskreis Angler und Angeln im Bundestag – geht es jetzt los?

Diverse Verbände missbrauchen das Tierschutzrecht, um auch Angler mit Klagen zu überziehen. In Baden-Württemberg gibts es für solche Organsiationen sogar ein Verbandsklagerecht. Die FDP stellte einen Antrag auf Abschaffung dieses Verbandsklagerechts. Aber auch der Fischereiverbands-Präsident von Eyb (CDU) stimmte GEGEN den Antrag!