angler fernsehen saarland teaser

 


Praktischer Angler zeigt Grundelinvasion

Der erfolgreiche Browning-Teamangler Heiko Schmidt (u.a. mit dem LAV Saarland 2016 Gewinn des DSAV – Anglertreff der Länder) spricht sachlich, sympathisch und unaufgeregt gleich zu Beginn der Sendung über seine Erfahrung aus der Praxis mit den Schwarzmundgrundeln in der Saar.


Aal- und Zanderbesatz gegen Grundeln?

Dann kommt der Fischereiverband Saar ins Spiel, der im Film Aalbesatz nun als Kampf gegen Schwarzmundgrundeln verkauft. Da Aalbesatz in verbauten Flüssen kritisch gesehen wird (auch von der EU, wir berichteten: Der Kampf um den Aal - Fakten, Meinungen, Stellungnahmen), soll das vielleicht zukünftig den Aalbesatz des Verbandes oder seiner Vereine in nicht durchgängigen Gewässern rechtfertigen?

Dass der Fischzüchter meint, Aale würden wohl eher selten andere Fische als Grundeln fressen, ist interessant. Schon lange bevor Grundeln kamen, waren ja kleine Köderfische und Fischfetzen für praktische Angler erstklassige Köder für große Raubaale. Wie jeder Fisch ist der Aal ein Opportunist und nimmt eben das als Nahrung, was er am leichtesten erwischen kann. Wenn viele Grundeln da sind, also Grundeln. Hätte er die „erfolgreich bekämpft“ und es wären weniger, würden Aale (wie alle Raubfische) genauso jeden anderen schnell und einfach zu erbeutenden Fisch als Nahrung nehmen.

Und die eingesetzten kleinen Satzaale brauchen sowieso noch Jahre, bis ein Teil von ihnen überhaupt  die Größe erreicht, dass sie Fische als Nahrung nehmen, statt Kleinkrebse, Würmer, Larven etc..

Auch der Zanderbesatz im Herbst wird nun mit der Schwarzmundgrundel erklärt. Dass Angelvereine und -verbände schon immer Fische besetzten (darunter auch Aale und Zander), selbst als es noch gar keine Schwarzmundgrundeln in deutschen Gewässern gab, ist aber auch allgemein bekannt. Warum sich hier ein Verbandsvizepräsident genötigt sieht, das jahrzehntelange Geschehen in der Praxis des Besatzes in den Kulturgewässern, wie z. B. der Saar, nun mit der Schwarzmundgrundel zu erklären, erschliesst sich mir nicht.

Dass eine Komplettschonung für dann so wertvolle Fische wie die „Grundelvernichter“ Aal und Zander auch die Folge sein könnten, darüber sollte man sich klar sein.


Wie wurden Grundeln eingeschleppt?

Es wurde dann in der Sendung noch erwähnt, wie die Grundeln sie Saar erreicht hätten. Sie wären eingeschleppt worden, indem sie sich an „Schiffsrümpfen angeklebt“ hätten und beim entladen dann „gelöst hätten“.

Durch viele Veröffentlichungen und Forschungen um die invasorischen Schwarzmundgrundeln weiss man ja aber, dass die hauptsächlich über das Ballastwasser von Frachtschiffen kamen. Sie kommen ja ursprünglich aus dem Schwarzen Meer. Und seit es den Rhein-Main-Donau-Kanal gibt, fahren Frachter eben diese Strecke. Und bringen im Ballastwasser dann die im Donaubereich bzw. vom Schwarzen Meer aufgenommene Fische oder deren Brut mit. Die dann beim ablassen des Ballastwassers eben auch in den Flusssystemen des Rheins und seiner Nebengewässer gelangt, und nicht im Schwarzen Meer oder Donaugebiet verblieben sind.

Diese Fakten sind nicht nur Fach-Wissenschaftlern bekannt, sondern schon solches Allgemeingut, dass das sogar in Wikipedia nachzulesen steht:
Zum Wikipedia-Artikel
Daraus:

Hauptsächlich gelangte sie als blinder Passagier in den Ballasttanks großer Frachtschiffe in diese neuen Lebensräume

 

Der Biologe aus dem Umweltministerium – alles regelt sich schon irgendwie

Was dann der Biologe Andreas Bettinger vom saarländischen Umweltministerium alles in der Sendung erzählte, erschien mir persönlich etwas durcheinander und wirr. Es kann natürlich auch sein, dass mir hier Hintergründe fehlen, über welche der Wissenschaftler verfügt.

  • Man sehe Invasoren wie Grundel und amerikanische Krebse etwas zu dramatisch
  • Grundel ein Beispiel für seit Kolumbus in Europa abertausende eingewanderte Arten, von denen sich nur wenig etablieren konnten
  • Erst bei drohender wirtschaftliche Gefahr oder Gesundheitsschäden würden Leute aufmerksam
  • Mit (z. B.) Aalbesatz kann man gaanz geringfügig beitragen, dass Population nicht überhand nimmt
  • Sowieso kein natürlicher Besatz in Fließgewässern mehr, weil Angler angeln und Vereine und Verbände besetzen
  • Das Ökosystem wird das selbst irgendwann regulieren

Persönliche Anmerkung:
Solche Aussagen von einem Biologen des Umweltministeriums, der einen wirtschaftlich genutzten Fluss (Schiffsverkehr) wie die Saar, mit Befischung durch Angler (anderswo auch durch Berufsfischer), als „Ökosystem“ sieht, wo sich alles selbst wie in unberührten Naturgewässern reguliert, ist mir persönlich so unheimlich wie ein Verbandsvize, der meint, Schwarzmundgrundeln kämen an Schiffen angeheftet und Aal- und Zanderbesatz wäre die Lösung des Grundelproblemes.

 


Zum Abschluss zum Video

Meinen Dank nochmal an den im Film vorkommenden praktischen Angler, Heiko Schmidt vom Browning Team im Saarland.
Unaufgeregt, sympathisch und kompetent erklärte und zeigte er, wie das an der Saar mit den Grundeln läuft.
Ebenso macht er klar, dass er nicht glaubt, dass das Grundelproblem wieder aus der Welt geschafft werden kann.

Und sehen und selber beurteilen könnt ihr das hier nachfolgend im Video in der Mediathek des saarländischen Rundfunks:

ab min 5.43

angler fernsehen saarland video

Zur Mediathek

 

Thomas Finkbeiner


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Kommentare  

Immer wieder spannend, was Verbandsfunktionäre so an "Wissen" öffentlich ablassen. Kein Wunder, dass die Verbände der organisierten Sport- und Angelfischerei auf der politischen Bühne so wenig wahrgenommen werden (ausser zum brav abnicken)
Antworten
Da hat einer vom Nabu eine Stelle beim Umweltministerium.
Für die Presse ist er automatisch Biologe und wenn er sich auch noch auf Wasservögel spezialisiert hat, dann ist er Gewässerbiologe oder zumindest Gewässerspezialist.
Punkt
Antworten

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