Um es vorwegzunehmen: Wer im Sommer an einem typischen Vereinssee, also einer ehemaligen Sand- oder Kiesgrube, mit Kunstködern auf Zander angeln möchte, muss hart im Nehmen sein.
Kaum eine Angelei verlangt dem Angler mehr Ausdauer und Frusttoleranz ab als das Zanderangeln im Sommer. Dennoch ist es möglich, auch im Sommer regelmäßig erfolgreich auf Zander zu sein.


Nachfolgend möchte ich euch einmal meine Erfahrungen aus 15 Sommern, die ich mit dem Zanderangeln an typischen Vereinsseen verbracht habe, erläutern.

Kiesgruben und Sandgruben als Zandergewässer

10 zanderangeln kiesgrube

Sommerliches Zanderangeln auf einer typischen Kiesgrube

Viele typische Vereinsseen in meiner Heimat der Oberpfalz sind ehemalige Sand- oder Kiesgruben mit einer Größe zwischen ca. 10 und 30 Hektar mit einer durchschnittlichen Tiefe von etwa 3-4 Metern.
Die Seen sind häufig relativ strukturlos (Badewannen-Struktur), haben gerade im Sommer recht klares Wasser und werden von Grundwasser gespeist.
Diese Bedingungen machen es uns als Kunstköderangler nicht gerade einfacher, aufgrund fehlender Strukturen hat man wenig richtig heiße Stellen, und falls es doch welche gibt, sind diese natürlich relativ schnell auch recht stark beangelt.

Warum ist das Zanderangeln gerade im Sommer so schwierig?

Direkt nach der Laichzeit, wenn sich die Zander nach dem kräftezehrenden Laichgeschäft wieder die Bäuche vollschlagen haben wir als Zanderangler oft gute Fänge, mit voranschreiten des Sommers wird es jedoch oftmals immer schwieriger regelmäßig Zander zu fangen.

Warmes Wasser schreckt den Zander nicht!

Oftmals wird vermutet, dass der Hauptgrund warum wir uns im Sommer oft schwer tun beim Zanderangeln mit Kunstködern, in den hohen Wassertemperaturen im Sommer zu suchen ist.
Mich mag dieses Argument ehrlich gesagt nicht recht überzeugen. Denn der Zander ist was hohe Wassertemperaturen angeht eigentlich relativ robust, sehr gute Zanderbestände in tendenziell wärmeren Ländern wie Ungarn, Rumänien oder auch Spanien belegen das recht deutlich.


Spannend ist in diesem Zusammenhang auch ein Blick in die Fischzuchten. Zandern die Kreislaufbecken heranwachsen sollen, versucht man natürlich ideale Bedingungen zum raschen Abwachsen bereitzustellen. Dazu gehört z.B. eine konstante Wassertemperatur von ca. 22°C.
Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch, dass die Zander im Sommer durchaus fressen, und das nicht gerade wenig!

Zander mögen keine Sonne!

Meiner Meinung nach sind es eher die langen Tagphasen und der damit verbundene starke Lichteinfall in die recht klaren und zeitgleich flachen Gewässer der die Zander in den Sommermonaten häufig etwas lustlos erscheinen lässt.
In sehr trüben Gewässern stört das meiner Erfahrung nach den Zander übrigens nicht übermäßig und auch in Gewässern mit ausgeprägten Tiefenbereichen können die Stachelritter reagieren, in dem sie sich tagsüber dann einfach eine Etage tiefer aufhalten.
An flachen und sommerklaren Gewässern, wie den beschriebenen Kiesgruben, vermute ich, dass die Zander sich tagsüber in sehr geschützte, schattige Bereich zurückziehen und dort relativ lethargisch darauf warten bis die Dämmerung heranbricht um sich dann wieder der Jagd von Beutefischen zu widmen.

Beißfenster der Zander finden und fangen

Morgendämmerung am See

Morgendämmerung auf dem Zandersee

Genau zweimal am Tag, nämlich in den Dämmerungsphasen gibt es im gesamten Gewässer ein "Erwachen". Man kann das an vielen Gewässern sehr schön beobachten, plötzlich steigen kleine Fische auf um Insekten oder andere Anflugnahrung von der Wasseroberfläche aufzunehmen,
hier und da steigen auch Blasenteppiche vom Grund auf, die gründelnde Karpfen oder Brassen verraten und ab und zu sorgen auch die Barsche für auseinanderspritzende Jungfische. Unter Wasser ist jetzt mächtig was los. Das lässt auch die Zander nicht kalt, und sie mischen beim bunten Treiben nun kräftig mit und machen Jagd auf unvorsichtige Beutefische.


Dieses Spektakel ist von überschaubarer Dauer - aber genau jetzt sind die Zander aktiv am Jagen und wir können sie fangen. Es lässt sich schwer verallgemeinern wie lange die abendliche "Party" dauert, in den Gewässern in denen ich unterwegs bin würde ich das mach meinen Erfahrungen mit ungefähr einer halben Stunde benennen.
Man angelt also hier auch ein bisschen "gegen die Zeit", deshalb sollte man gut vorbereitet sein. In der heißen Phase sollte man keine Köder suchen müssen und auch um komplexe Schnurverbindungsknoten zu üben, ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.
Die Taktik jetzt ist im Prinzip ganz einfach: Werfen, Werfen, Werfen! Mit etwas Glück trifft man irgendwann auf einen Trupp von Zandern die auf Beutezug sind.

Zander im letzten Tageslicht

Zander im letzten Tageslicht

Zander sind Wiederholungstäter - Beißphasen lassen sich abschätzen!

Wenn es, tatsächlich mit dem Sommerzander geklappt hat sollte man sich sowohl den Platz als auch die Uhrzeit ganz genau merken. Solange eine stabile Wetterlage herrscht, sind die Zander ziemlich gut ausrechenbar.
Wer es schafft in den Folgetagen zur gleichen Zeit wieder am gleichen Ort zu sein hat hervorragende Chancen erneut einen Zander zu überlisten. Sobald sich jedoch die äußeren Bedingungen ändern, z.B. sich die Wetterlage deutlich ändert, sind die gewonnen Erkenntnisse wieder nutzlos und die Suche nach der richtigen Zeit und dem richtigen Fangplatz beginnt aufs Neue.

Bei recht strukturlosen Gewässern ist es schwierig besonders ergiebige Stellen zu finden, die Zander sind einfach viel unterwegs und können "überall und nirgends" sein. Generell sind aber die Uferkanten, also der Bereich in dem es von der flachen Uferzone in den teiferen Bereich abfällt, immer für Fische gut. Die meisten Zander habe ich in diesem Bereich gefangen - ganz praktisch: Man braucht dazu auch kein Boot und kann die "erste Kante" meistens recht bequem vom Ufer aus beangeln. 

Zanderangeln im Sommer besser in der Morgendämmerung oder in der Abenddämmerung?

Interessante Erfahrungen habe ich auch bei der Frage ob die Abenddämmerung oder die Morgendämmerung der bessere Zeitpunkt für einen Angelausflug auf Zander ist gemacht.
Es gibt an den Sand- und Kiesgruben hier eine recht klare Tendenz die sich jedes Jahr aufs neue bestätigt. Im ersten Teil des Sommers also etwa im Juni ist die Abenddämmerung meistens erfolgsversprechender, je weiter der Sommer jedoch voranschreitet desto interessanter wird die Morgendämmerung.


Wenn es mir möglich ist, bin ich ab ca. Mitte Juli eher in der Morgendämmerung unterwegs. Warum die Zander hier in der zweiten Sommerhälfte in der Morgendämmerung besser beißen? Ganz ehrlich, ich habe absolut keine Ahnung weshalb das so ist - aber es ist so.

Zander vor Sonnenaufgang

Zander vor Sonnenaufgang in der Morgendämmerung

Zander im Mondschein - Erfahrungen in der Nacht

9 zander bei vollmond

Wie sieht es eigentlich in der Nacht mit dem Spinnfischen auf Zander am See aus? Kurz gesagt: Es geht, aber es geht nicht sehr gut.
Das Kuriose ist, bei vollständiger Dunkelheit lassen sich Zander recht gut mit Köderfisch überlisten. Sehr oft habe ich es an den gleichen Stellen dann auch nachts mit Kunstködern probiert. Und ja, ich habe auch nachts schon Zander auf Gummifische und auch auf Wobbler gefangen. Aber generell sind meine Erfahrungen beim Spinnfischen in der Nacht auf Zander am See eher nicht so überzeugend.


Ich habe auch mehrfach bei Vollmond auf Zander geschleppt - ebenfalls mit sehr überschaubaren Fängen. Eine hieb- und stichfeste Erklärung kann ich dafür nicht liefern, denke aber, es liegt daran, dass die Beutefische nachts wesentlich passiver sind und die Zander dementsprechend auch etwas weniger explosiv jagen. Möglicherweise ist da ein Kunstköder einfach nicht die beste Wahl.

Zander im Sommernacht

Bei mir eher die Ausnahme: Zander in der Nacht

Fänge sind immer möglich!

Die oben geschilderten Erfahrungen sind mein Versuch, die Zanderangelei im Sommer in irgendein nachvollziehbares Muster zu pressen. In der lebendigen Natur passt aber eben nicht alles in ein definiertes Raster.
Oft genug halten sich die Zander nicht an die Regeln. Wir ärgern uns, wenn sie sich zur besten Beißzeit nicht blicken lassen - und freuen uns wenn wir in aussichtslosen Situationen einen Zufallstreffer landen.
Auch das gehört zum Angeln.

Zander bei Sonnenschein

Zander am Nachmittag

Zufallstreffer? - zwei schöne Zander bei strahlendem Sonnenschein!

Köder zum Zanderangeln im Sommer

Der richtige Köder wird erst entscheidend, wenn wir unsere anderen Hausaufgaben erledigt haben - und wir den Köder auch dort präsentieren, wo sich ein beißwilliger Zander herumtreibt.
Einen Wunderköder gibt es nicht - es macht aber durchaus Sinn sich etwas mit dem Zielfisch zu beschäftigen. Beim Zander gibt es 2 Faktoren die zu berücksichtigen sind.

  1. Der Zander ist ein barschartiger Fisch, daher "beißt" er häufig nicht in den Köder, stattdessen versucht er den Köder sprichwörtlich "anzusaugen".
  2.  Der Zander ist aufgrund seiner Maulspalte etwas eingeschränkt was die Größe der Beute angeht - er ist daher nicht ganz so "größenwahnsinnig" wie der Hecht.

Als bewährt gelten beim Zanderangeln im Sommer eher kleine Gummifische von etwa 8 bis ca. 12cm, die idealerweise relativ schlank sind.

Man muss dabei aber keine Wissenschaft aus der Köderwahl machen. Nachfolgend einfach mal ein paar Beispiele von Ködern, die ich so einsetze.

7 koeder zanderangeln sommer

Meine Zanderköder im Überblick

Dabei unterscheide ich grundsätzlich in 2 Kategorien, aufgeteilt nach dem Laufverhalten der Köder. Einmal Köder die eher flanken, also einen V-förmigen Bauch haben, und einmal Köder die weniger flanken und dafür eine eher dezente, dafür recht hochfrequente Schwanzaktion haben. Sogenannte No-Action Shads ohne Eigenaktion setze ich im Sommer beim Zanderangeln eher nicht ein.

Besser und schlechter gibt es hierbei nicht - manchmal sind die flankenden erfolgreicher, manchmal die etwas dezenter laufenden. Ab und zu ist es auch komplett egal. Es hilft nur ausprobieren.

Gummifischmodelle die eher flanken:

  • Balzer Waggle Shad
  • Lunker City Shaker
  • Relax King Shad
  • Quantum Paddle Shad
  • Fox Zander Pro Shad
  • Relax Kopyto

Gummifischmodelle mit eher hochfrequenter Schwanzaktion:

  • Iron Claw Slim Jim
  • Zanderkant Kauli
  • Keitech Easy Shiner
  • MB Fishing Aido
  • Bass Assassin Sea Shad
  • Jenzi River Shad


Natürlich gibt es noch zig andere Modelle und diverse Mischformen.

Köderfarben

Ein sehr beliebtes Thema unter Zanderanglern sind auch die Köderfarben. Im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen zu Barschen kam man zu der Erkenntnis, dass Köderfarben nahezu keinen Einfluss auf die Fangausbeute haben.
Angler aus den USA die sich einmal intensiv mit den Köderfarben beim Angeln auf Walleye (einem Artverwandten des Zanders) beschäftigt haben, kamen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Köderfarben keinen allzugroßen Einfluss haben.

Zu Beginn der Zanderangelei mit dem Gummifisch waren es vor allem Gelbtöne auf die Zanderangler gesetzt haben, mittlerweile weiß man dass einige Fischarten, darunter auch der Zander, Farben aus dem gelben und grünen Spektrum wohl ganz gut wahrnehmen können. Das erklärt vielleicht warum ich auch gerne Gummifische in Gelb oder Chartreuse verwende, vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass MIR diese Modelle besonders gut gefallen. Eine etwas pragmatischere Theorie zielt darauf ab, dem Zander einen Köder anzubieten, der einen maximalen Kontrast  zur Umgebung bietet. Also bei einem hellen Untergrund wie etwa Kies, wählt man dabei einen eher dunkleren Köder. Manche Zanderangler richten sich auch nach der Farbe des Himmels und argumentieren, dass der Zander nach oben blickt. Man versucht dann einen starken Kontrast zum Himmel anzubieten. Wenn der Himmel also sehr hell ist, verwendet man einen eher dunklen Köder. Wenn der Himmel dunkel ist, einen eher auffälligen Köder. Eine weitere Theorie ist recht einfach: Naturnahe Farben fangen immer, weil der Zander auch immer echte Köderfische fangen muss.
Das war nun mal ein ganz kleiner Einblick in verschiedenste Farbtheorien beim Zanderangeln. Am Ende ist es so, dass man immer eine Begründung finden kann, warum ausgerechnet jetzt eine Farbe gefangen hat - aber eben nie weiß, ob der Fisch nicht vielleicht auf eine andere Farbe ebenfalls gebissen hätte. Meiner Meinung nach schadet es nichts, sich einmal mit den verschiedensten Farbtheorien zu beschäftigen. Man darf sich davon aber nicht verrückt machen lassen.    

UV-aktive Köder

8 zander uvkoeder

Links: Zanderköder unter der UV-Lampe, rechts bei normalem Licht.

Zeitweise war auch die UV-Aktivität von Gummiködern ein rießiger Hype. Angler liefen mit Schwarzlicht-Lampen durch die Angelgeschäfte und beleuchteten die Köder.
Und ja, ich habe auch festgestellt dass viele Zanderköder auf die ich gefangen habe uv-aktiv sind.
Das Problem an der Sache - der Zanderköder mit dem ich die meisten Zander in meinem Leben gefangen habe, übrigens ein Lunker City Shaker in der Farbe mahi mahi, ist kein Stück uv-aktiv.
Welche Schlüsse man daraus nun ziehen kann oder soll: Ich weiß es auch nicht.

Jiggen oder Faulenzen auf Zander im Sommer?

Auch das ist fast schon eine Glaubensfrage. Da mit beiden Methoden seit vielen Jahren zuverlässig Zander gefangen werden, können beide Methoden so schlecht nicht sein.
Persönlich halte ich das Jiggen im Sommer für die vielleicht etwas erfolgreichere Methode, gerade bei langen Angelausflügen ist aber das Faulenzen die Methode die ich bei ausdauernder Angelei als etwas angenehmer empfinde und länger konzentriert "durchhalten" kann.

Am Ende gilt es auch hier, seinen eigenen Stil zu finden.

Ich hoffe, der ein oder andere Angler konnte aus den Einblicken in meine Sommerangelei auf Zander etwas Motivation für die nächsten Zandertouren mitnehmen.

Petri Heil und viel Erfolg beim Zanderangeln im Sommer

netzwerkerfranzklein

Franz Hollweck

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Kommentare  

Wow, ein sehr gelungener Artikel und auch ein hilfreiches Video. Kann bestätigen, dass Baggerseen oft richtig zäh sind was die Zander angeht. Man muss sich die Fische erarbeiten, aber wenn man dranbleibt klappt es schon irgendwann.
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Hallo Jan, Danke fürs Lob! Recht hast du, beim Zanderangeln im Sommer in Stillgewässern gilft oft: "Ohne Fleiß, kein Preis". Umsomehr freut man sich, wenn es dann doch mal wieder klappt!
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"Das hat Spaß gemacht" - beste Stelle :D
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Wenns beißt machts immer Spaß ;) Aber vorsicht, das unter Zanderanglern berüchtigte "Tock" während der Absinkphase kann echt süchtig machen. ;)
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Ein ganz toller Bericht - Danke! Ich komme nächste Woche nach Berlin und suche noch erfahrene Angler, die mich Anfängerin unterstützen. Hat jemand Zeit und Lust? Da ich aus NRW komme und normalerweise in Bächen unterwegs bin, stelle ich auch keine 'Gefahr' dar.
Viele Grüße
Patricia
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Hallo Patricia,
vielen Dank fürs Lob. Wenn du kurzfristig Angler suchst mit denen du mal los kannst, schau gerne einmal in unserer FB-Gruppe:
https://www.facebook.com/groups/175451776612445/
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Vielen Dank für den Tipp! Ich schaue sofort nach,
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