zocker fluss

 
Zocken statt Gummi, klassisch statt modern

Zocker und Pilker sowie kleine, eigenschwere Blinker,  um im Süßwasser Barsche, Döbel, Rapfen und Zander zu fangen, mögen nicht "stylisch" sein oder einne Hype auslösen. Fängig sind und bleiben diese Köder allemal.
Ich war schon immer ein Freund klassischer Spinnmethoden, auch in Zeiten von „no – action – lures“ und jerken, von Finesse-Rigs und Dropshot. Neben den auch von immer gerne eingesetzten Gummiködern habe ich daher nie Blinker und Spinner aus meiner Köderbox verbannt.  Gerade zum Zanderangeln in der Strömung verwende ich sowohl zum Teil vorgebleite Spinner, wie auch eigenschwere Blinker wie den Effzett. Läuft an vielen Tagen besser, an anderen nicht ganz so gut wie Gummi, ist aber immer ein „angenehmes“ angeln, weil wesentlich kontrollierter als mit Gufis – gerade in der Strömung.

Nachdem mir nicht so angenehme Leute einen ganzen Teil meines Angelkrams geklaut hatten, musste ich mich ja wieder eindecken. Als Schwabe habe ich immer gerne Gerät gekauft, das nicht auf einen ganz speziellen Zweck zugeschnitten war, sondern sich möglichst vielfältig einsetzen lässt. Nun habe ich mich hinreißen lassen und speziell fürs ganz leichte spinnen eine Berkley Skeletor in 2,10m mit 2 – 12 Gramm WG zugelegt, dazu die passende ABU Cardinal 301.

 

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Leichtes Gerät, kleine Köder

 


Leicht angeln mit Metall macht Laune

Damit konnte ich (rein zufällig!) gleich beim ersten Angeln einen Zander mit 85 cm erwischen. Da „schmeckt“ natürlich nach mehr. Nachdem dann endlich das Hochwasser etwas zurückging und sich die Wasserfärbung von „Milchkaffee“ auf „starken Schwarztee“ verbesserte, dachte ich es wäre die Zeit gekommen um mal den Barschen nachzustellen.

Am Neckar muss ich teilweise vor meinen Füssen angeln, teilweise auch sehr weit werfen. Dazu kommen sehr unterschiedliche Strömungsverhältnisse, welche zum einen schöne Standplätze für die Fische ergeben, zum anderen aber auch Probleme bei der Auswahl des Köders machen. Kann ich den vorgebleiten Minispinner noch gut mit der Strömung angeln, kriege ich beim anwerfen der ruhigen Bucht auf der Gegenseite Schwierigkeiten:
Ich brauche das Gewicht für die Wurfweit und in der Strömung, für die relativ flache Bucht ist es dann aber zu schwer.

Das gleiche gilt für ein von mir immer wieder gerne beangeltes kleines Kehrwasser hinter einem „Strombrecher“ an einer Brücke:
Dort wo das Wasser drüberschießt, brauche ich relativ schwere Köder, sobald man damit dann aus der Strömung rauskommt ist ein Hänger fast schon vorprogrammiert.

Beim Angeln auf Zander nie so das Problem, da diese meist in der Strömung zu finden sind. Bei den Barschen, die gerne direkt an der Steinschüttung oder eben in Kehrwassern oder ruhigeren Bereichen stehen, wird das schon problematischer.


Köder und Fische?

Der Blick in die Köderbox – die wie wohl bei jedem Spinnangler aus einem Teil viel benutzter Köder und einem Teil, „Seltsames, Gelegenheitskäufe und „noch nicht gefischtes““ bestehen, fand ich kleine 6 – Gramm Effzetts, einen 12 Gramm Mefoblinker und einen kleinen, ebenfalls um die 10 Gramm schweren Barschzocker.

Ideale Ködergewichte für mein leichtes Gerät. Nur, wie soll man das bei den oben beschriebenen Strömungs- und Tiefenverhältnissen optimal führen. Zum einen grundnah, zum anderen auch mit möglichst wenig Hänger???

Wenn es in der Strömung auf Zander gut mit dem „gepilkten“ 40 – Gramm Effzett klappte, warum soll das nicht auf Barsch gehen? Zumal ja gerade beim Eisangeln in Skandinavien sogar richtige Pilker und Zocker zum Hecht- und Barschangeln eingesetzt werden – und das ja bekanntlich auch mit großem Erfolg.

Also auf Grund sinken lassen, hochreißen und kontrolliert wiederabsinken lassen. Diese Führungsart scheint „Augenräubern“ wie Hecht und Barsch zu liegen. Sie können den Köder wohl schon auf größere Entfernung wahrnehmen, als wenn er „nur am Grund entlang taumelt“. Allerdings hatte ich auch einige Fehlattacken. Ähnlich angle ich ja auch auf Zander, nur den Blinker in der Strömung nicht ganz so "hoch gerissen/gepilkt“ wie im Stillwasser.

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Ködersortiment

 

 

Wie umsetzen?

Die Frage war nun, lässt sich das umsetzen aufs ganz leichte Angeln mit 3 - 5 Gramm bis max. 12 - 15 Gramm schweren Ködern? Und bringt es auch was??

Beide Fragen kann ich bis jetzt erst mal mit ja beantworten!

Zuerst probierte ich es „klassisch“ mit Spinnern, sowohl mit der Strömung gefischt wie auch „halbquer/stromab“. Normalerweise mögen das die Barsche, sofern sie vor Ort sind. Fakt war, dass ich bei meiner unschwäbisch riskanten Führungsweise dicht am Grund zwar 2 Spinner verlor, aber keinen Biss bekam.

Also ummontieren auf den 6 –Gramm Effzett. Stromauf einwerfen, auf Grund sinken lassen und mit der Strömung pilken – fast wie „Andriftpilken“ auf dem Angelkutter. Mit dem Unterschied dass man mit dem leichten Köder bei weitem nicht so hoch pilkt und der Neckar eine deftige Strömung hat. Mit etwas ausprobieren kann man aber schnell kontrolliert angeln. Und schon beim ersten Wurf hatte ich kurzen Fischkontakt. Allerdings waren die 6 – Gramm Effzettblinker wohl auch auf Grund zum im Verhältnis zum Gewicht großen Oberfläche bei der Strömung die Untergrenze für kontrolliertes Angeln.

Also auf den 12- Gramm Mefoblinker, ein ziemlich kompaktes „Selbstbaumodell“ umsteigen. Die 4 Gramm mehr bei schlankerer Form machten ein deutliches mehr an Köderkontrolle aus. Und dies wurde auch gleich mit 3 Barschen – leider alle nur um die 15 cm – belohnt. Aber immerhin: Die Sache funzt!


Und noch besser: Es macht richtig Spass!!

Während beim „normalen angeln“ mit Spinner und Blinker der Fisch halt mehr oder weniger heftig auf den gezogenen Köder „knallt“, fühlt man hier wie beim pilken auf Dorsche in der Andrift ganz unterschiedliche Bissvarianten. Vom leichten „Zupfer“ bis hin zum energischen wegziehen war alles vertreten. Und muss – auch wie beim Ostseepilken – sofort angeschlagen werden.

Und man kann den Köder bei dieser Führungsvariante sowohl im flacheren oder strömungsärmeren Wasser gut führen, wie auch in der Strömung (stromabwärts!). Dazu gehört dann aber das richtige Gerät, also auch keine zu dicke Schnur (max. 3 - 4 Kilo Tragkraft reichen dicke).

Und je nachdem ob man den Köder direkt mit der Strömung führt, oder bei seitlichen Würfen die Strömung irgendwann in den Köder zu „drücken“ beginnt kann man ganz unterschiedliche Varianten ausspielen. Von kurzen „über den Boden Hüpfern“ bis hin zu „langen Pilkzügen“. Und am Ende einer „Drift“, wenn also die Strömung richtig in die Schnur greift, könnte es durchaus was bringen, wenn man den Köder einfach „hält“. Hatte ich zumindest früher bei Spinnern oft erlebt. Bis dato beim „Süßwasserpilken“ zwar noch nicht, aber ich war ja auch nur ne gute Stunde unterwegs.

Das schönste war dann der Fang eines Döbels (leider auch nur 25 cm) direkt aus der Hauptströmung. Diesen mit dem 8 – Gramm Effzett. Das Schönste deswegen, weil es ein „klassischer“ Pilkbiss war. Man merkte richtig wie der Fisch beim absinkend den Köder nahm und wegziehen wollte – und schon kam der Anhieb.

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Funktioniert!

 

 

Fazit

Nicht weil’s die „tolle neue Methode“ ist (das gibt’s ja schließlich schon lange), sondern einfach weil mir diese Art der Angelei Spaß macht, kann ich das Angeln mit kleinen Zockern, und kleinen, eigenschweren Blinkern  absolit empfehlen – und weil man für den nächsten Törn an die Ostsee zum „richtigen Pilken“ auch schön trainieren kann.

Dass man dazu auch noch Fische fängt, macht das Ganze noch angenehmer und das Angeln dann nicht nur Spaß, sondern zielführend

 

Thomas Finkbeiner

 


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Kommentare  

Finde ich Klasse, was Du tust. Man findet ja diese Tage m.E. nach fast nur noch Info-Mercials und Titten zum Thema Angeln (dies ist eine Meinung!).
Antworten
DANKE, wir bemühen uns eben alle Facetten des Angelns zu zeigen.
Antworten

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