Der Erfolg beim Gummifisch-Angeln auf Forelle, Zander, Barsch, Hecht im Süßwasser oder auch Dorsch, Köhler, Plattfisch (!!!) undundund im Salzwasser hängt von vielen Faktoren ab. Ein wichtiger, meiner Meinung nach der wichtigste, ist die Führung des Köders im Wasser.

Man nimmt Einfluss auf den Lauf des Köders, nicht aber direkt auf die "Bewegungen", die er währenddessen ausführt. Diese sind abhängig von Form und Steife des Materials, aber auch das Gewicht des Bleikopfes entscheidet mit. Die einzige Möglichkeit, eine gewisse Beeinflussung vorzunehmen, ohne den Köder zu "bearbeiten", wäre die Art und weise, wie man ihn auf den Haken aufzieht. gummifischtuning01

Müssen Gummiköder - wie diese Sandra hier - immer schnurgerade auf dem Haken sitzen? Oder finden Räuber, als "Wasserschutzpolizei" im Einsatz, kranke oder verletzte Beute vielleicht sogar attraktiver?

Nicht immer muss es ein "Fehler" sein, wenn der Gummifisch ein wenig schief und krumm auf dem Schenkel sitzt.

Bewährte Köder besser machen

Der Markt ist, was Form und Farbe von Gummiködern angeht, mittlerweile nahezu unüberschaubar. Jeder Angler könnte so bestimmt einen Köder finden, der ihn anspricht und der für ihn einen gewissen Erfolg verspricht. Doch selbst wenn man seine Köderauswahl genau an die zu erwarteten Fische und die Gewässereigenschaften (Trübung/Fließgeschwindigkeit etc.) anpasst, hat man immer noch eine riesige Auswahl und sieht den Baum vor lauter Wald nicht mehr. Oft genug, greift man dann doch wieder zu den altbewährten Ködern.

Diese "Dauerbrenner" wie Kopytos, Sandras und wie sie alle heißen, haben ihre Fängigkeit über Jahrzehnte bewiesen. Man kann sie aber unter Umständen immernoch etwas modifizieren und somit optimaler an die Eigenschaften von Gewässern und Zielfischen anpassen. Ich möchte nachfolgend ein paar Anregungen geben, die sich bei mir in der Praxis gut bewährt haben.

Standard-Shads in perfekte Flussköder verwandeln

Viele Gummifische verfügen über eine hervorragende Bewegung, haben aber zum Teil für zügig fließende Gewässer eine zu große Schwanzschaufel, die zu heftig arbeitet. Eine kleinere Schaufel wäre in diesem Fall oftmals besser und weniger "scheuchend". Natürlich könnte man einfach den Schwanzteller entsprechend zuschneiden - aber warum sollte man die hochwertigen, für Stillwasser super geeigneten Gummifische zuschneiden , wenn man genauso gut, günstige weniger beliebte Modelle ganz einfacher beweglicher machen kann?

Nachfolgend seht ihr die "Urform" des Gummifischs. So Anfang der 1990er Jahre, waren diese Gumifische das Standard-Modell. Irgendwann landeten sie in großen Paketen im Ausverkauf und bei vielen Anglern liegen erhebliche Mengen dieser "Standard-Shads" ungenutzt ganz unten in den Köderbox. Damit ist jetzt Schluss - blitzschnell lassen sich aus diesen einfachen Modellen absolut erstklassige Gummifische für den Fluss basteln. Es ist wirklich sehr einfach, man benötigt dazu lediglich:

  • Wasserkocher
  • Becher
  • Storchenschnabelzange
  • Gummifisch

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Im Wasserkocher eine kleine Menge Wasser zum Sieden bringen und dann in den Becher füllen. Den Gummifisch für ca. 3 Minuten im heißen Wasser ziehen lassen. Vorsichtig herausnehmen, z. B. mit einem Löffel. Jetzt mit der Storchenschnabelzange vorsichtig im "Heckbereich" des Gummifisches Kerben eindrücken - wichtig hierbei: von "oben", also vom Rücken her, müssen die Kerben gesetzt werden, um maximales Spiel herauszuholen. Herausschneiden oder mit Lötkolben "einbrennen" sind ebenfalls Möglichkeiten, die Bewegungsfreudigkeit zu erhöhen, die aber gleichzeitig die Stabilität des Fisches vermindern. Durch das Eindrücken geht kein Material verloren, die Stabilität bleibt fast komplett erhalten.

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Wie man sieht, ist der Bewegungsspielraum des Köders um einiges gesteigert worden - und das mit relativ wenig Aufwand.

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Unters Messer: Umbaumaßnahmen für Gummiköder

Etwas aufwändiger sind da chirurgische "Umbauten". Um beispielsweise Farbvariationen aller Art zu erreichen, kann man Gummiköder gleicher Art aber verschiedener Farbe zunächst zerteilen, um sie dann wieder zusammenzuschweißen.
Wichtiger Hinweis: Durch das "Verschweißen" mittels Feuerzeug und Cutterklinge (hat sich als Hitzeträger bewährt) entstehen Dämpfe weshalb man diese Arbeit, wie z.B. auch das Bleigießen, besser im Freien durchführen sollte.

Ob Shad oder Twister, ist von der Bearbeitung her vollkommen egal. Es lassen sich "neue" Farbkombinationen erstellen (vorne grün, hinten rot, vorne schwarz, hinten weiss…), Formänderungen durchführen (Verlängern, Verkürzen etc.) oder was auch immer. Der Phantasie ist hier keine Grenze gesetzt.

Man muss nur auf eines achten: Um die Stabilität der neu enstandenen Köder auch langfristig zu erhalten, muss die verschweisste Schnittkante geglättet werden (mit der heissen Klinge), damit keine Risse/Schnitte mehr offen sind.

 

Werkzeug und Material zum Gummifisch-Umbau

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2 Cuttermesser (am besten eines mit Metallschaft), Feuerzeug (o. Brenner) und "Werkstoffe". Mehr ist erst einmal nicht nötig.

 

Schritt 1: Gummiköder zerteilen

 Mit scharfer Klinge möglichst einen sauberen und graden Schnitt setzen. Bei allen Probanten möglichst gleiche Stelle und gleicher Winkel, damit das beim Zusammenfügen besser passt.

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Schritt 2: Gummiköder zusammenschweissen

 Die Kutterklinge mit dem Feuerzeug/Brenner erhitzen, auf die Schnittflächen halten und beide Teile zusammenfügen

 

Schritt 3: Schnittkanten glätten

 Wieder die Klinge erhitzen und über die Naht führen, so dass eine halbwegs glatte Oberfläche entsteht.

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Jeder Angler hat auch reichlich "kaputte" Shads und Twister in den Kisten herumliegen. Mit dieser Schweisstechnik lassen sie sich oft wieder reparieren oder zu neuen Ködern zusammenbauen. Kaputtes Kopfteil des einen und kaputter Schwanz des anderen Gummifischleins ergeben glatt wieder einen ganzen Gummifsch. Doch auch heile, neuwertige Shads lassen sich noch verbessern. Ein Beispiel: Delalandes Sandra gehört zu meinen Lieblingsgummis zum Hechtangeln. Wie oft habe ich mich aber bei diesem Köder schon über einen verhedderten Schwanz im Haken geärgert! Damit ist jetzt Schluss - Abschneiden und umgedreht wieder anbauen - fertig!

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Natürlich kann man unpassende Gummifische auch einfach entsorgen und sich neue Modelle holen, wie schon eingangs erwähnt ist der Markt unüberschaubar - das schöne Gefühl, einen Fisch auf einen Köder zu fangen an dem man selber Hand angelegt hat gibt es im Laden aber nicht zu kaufen.

Ich wünsche euch Petri Heil und viel Erfolg mit den getunten Gummifischen.

Frank Völkle

www.weserstrand-bremen.de

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