01 zander angeln winter

Den Zander im Winter finden

Während die Zander im Sommer sehr aktiv sind, und weite Strecke zurücklegen schränken sie im Winter ihren Aktionsradius doch deutlich ein. Deshalb ist es jetzt im Winter noch entscheidender die Zander zu finden. Denn: Wo keine Zander sind kann man auch keine fangen.

Winterstandplätze der Zander im See

Im Winter stehen die Zander im See tief! Doch warum ist das so und stimmt das überhaupt?

Die Theorie dahinter, lässt sich leicht erklären wenn man sich die physikalischen Eigenschaften von Wasser ansieht und dessen Auswirkungen auf einen See.

 

Stehende Gewässer bilden im Winter eine stabile Temperaturschichtung. Das bedeutet dass sich die Wassertemperatur von der Wasseroberfläche bis zum Grund in einzelne, stabile Wasserschichten aufteilt. Aufgrund der sogenannten Dichteanomalie des Wassers gibt es bei Wasser die Besonderheit, dass es bei 4°C das höchste spezifische Gewicht hat – oder einfacher gesagt, Wasser ist bei 4°C am schwersten. Das hat zur Folge das das wärmste Wasser im Winter (nämlich das mit 4 Grad) zum Gewassergrund sinkt. Der Zander und auch andere Fische ziehen sich dann in diese Bereiche am Gewässergrund zurück. Selbst wenn Gewässer zufrieren sind die Fische im 4 Grad „warmen“ Wasser in Sicherheit.

Temperaturschichtung Winter im SeeTemperaturschichtung im stehenden Gewässern im Winter

Praktische Erfahrungen beim Zanderangeln im Winter in stehenden Gewässern

Das klingt soweit erstmal alles einleuchtend, doch ist es in der Praxis tatsächlich so?

Nach meiner Erfahrung stimmt der Richtwert dass die Zander im Winter in stehenden Gewässern tiefer stehen durchaus – es ist aber keineswegs so, dass man alle Zander des Gewässers an der tiefsten Stelle des Sees findet. Das wäre auch zu einfach. Bei einer Gewässertiefe von beispielsweise 10 Metern können es die Bereiche zwischen 5 und 10 Metern sein, die interessant sind.

kapitaler Zander Stausee WinterDiesen starken Winterzander aus einer Talsperre fing ich auf einer Wassertiefe von 6 Metern, die tiefsten Bereiche des Gewässers liegen bei 12 Meter.

Man muss also immernoch suchen, kann sich aber tatsächlich auf die tieferen Bereiche konzentrieren. Wenn ich ein Gewässer noch nicht so gut kenne, richte ich meinen Blick auch immer auf die Uferstruktur und suche nach steil abfallenden Kanten. Hier ist tieferes Wasser meist in Wurfweite erreichbar. Ideal sind natürlich Angelstellen an denen sich ein Übergang von flacherem Wasser in tiefes Wasser abzeichnet. Man hat dort dann die Möglichkeit verschiedene Gewässertiefen abzuangeln.

Steil abfallende Uferkante - interessant für ZanderSteil abfallende Ufer - hier ist man im Winter für Zander genau richtig!

Randeis am ZanderseeDer See hat über weite Flächen schon eine Eisschicht. Aber keine Sorge, solange man noch offene Bereiche findet kann man auch angeln. Zander fressen das ganze Jahr hindurch.

 

Barotrauma bzw. Trommelsucht bei Zandern aus großer Tiefe:

Zander haben wie andere Barschartige eine geschlossene Schwimmblase ohne Verbindung (Luftgang) zum Darmsystem. Das bedeutet, sie können Druckunterschiede nur sehr langsam ausgleichen. Ein Drill aus größerer Tiefe verursacht bei Zandern daher mitunter ein sogenanntes Barotrauma. Neben den hervortretenden Augen (Glubschaugen) ist für den Zander vorallem die sich beim hochholen vergrößernde Schwimmblase problematisch. Der Zander kann mitunter nichtmehr abtauchen und würde zur leichten Beute für Wasservögel. Ein Zurücksetzen von sehr tief gefangenen Zandern ist daher problematisch. Bis zu welcher Tiefe man angelt muss jeder Angler für sich entscheiden. Als Richtwert sei angemerkt, dass viele Vertikalangler ihre Zanderköder nicht tiefer als 10m anbieten.

Zander Echolot BarotraumaFischanzeige bei 24 Meter Tiefe. Zander die man so tief fängt, kann man meistens nicht mehr zurücksetzen.

 

Winterstandplätze der Zander im Fluss

Lassen sich die Erfahrungen aus dem See nun auch einfach auf das Zanderangeln im Fluss übertragen? Ja und Nein.

Grundsätzlich ist man im Winter auch im Fluss in tieferen Bereichen oft nicht falsch, wenn man es auf Zander probieren möchte und dennoch verhalten sich Zander in Flüssen anders als in Seen.

In Flüssen herrscht Strömung, dadurch wird der Wasserkörper ständig durchgemischt – eine stabile Temperaturschichtung wie im See findet man hier nicht vor. Es gibt also hier im Fluss nicht so einen ausgeprägten Temperaturunterschied zwischen Wasseroberfläche und Gewässergrund wie an einem See. Es sind hier andere Faktoren an denen sich der Zander orientiert – die ihn aber dennoch öfter in die tieferen Bereich locken.

 

  1. Lichteinfall

Zander mögens schummrig und suchen bevorzugt Bereiche mit wenig Lichteinfall auf. Da im Winter meist weniger Schwebestoffe im Wasser vorhanden sind, sind viele Flüsse im Winter klarer. Das hat zur Folge, dass die Zander tagsüber oft ein Stockwerk tiefer stehen.

Winter Zander vom RheinNetzwerker Dr. Stefan Weigelt mit einem herrlichen Winterzander vom Rhein 

  1. Strömung & Sauerstoff

Der zweite Faktor der die Einstände der Zander beinflusst ist der Sauerstoffgehalt des Wassers und daraus resultierend die Strömung. Bei kalten Wassertemperaturen sind im Fluss in der Regel alle Bereiche ausreichend mit Sauerstoff versorgt, die Zander ziehen deshalb häufig aus der harten Strömung in strömungsruhigere Bereiche wie etwa Rückströmungen in tiefen Außenkurven, Hafeneinfahrten, tiefe Buhnen, Altwässer und dergleichen. (Ähnliches gilt übrigens auch bei Hochwasser). Neben dem geringeren Stömungsdruck sind solche Stellen meist auch recht tief und bietem dem Zander einen Unterstand genau nach seinem Geschmack. Zum Abend hin oder an sehr trüben Tagen kann man die Zander dann aber auch wieder deutlich flacher finden.

Zander auf Wobbler im WinterRichtige Entscheidung: Mit Einbruch der Dämmerung tauschte Felicitas Gerth den Gummifisch gegen einen Wobbler und wurde mit einem traumhaften Rheinzander belohnt.

Zander Hafeinfahrt WinterEine Hafeneinfahrt an der Donau. Gerade im Winter können solche Stellen absolute Hotspots sein.

  1. Dem Futter hinterher

Natürlich müssen Zander auch im Winter fressen und sind daher zwangsläufig auch immerwieder dort zu finden wo sich die jeweils typischen Beutefische aufhalten. Gerade wenn es schon richtig kalt ist, ziehen Weissfische häufig in Häfen um dort in dichten Schwärmen zu stehen. Wer solche Stellen findet hat einen absoluten Hotspot zum Zanderangeln im Winter entdeckt.

Wasservögel als Indikator für ZanderWer an Kanälen unterwegs ist, und vor monotoner Gewässerkulisse steht sollte auch mal einen Blick auf die Wasservögel riskieren. Nicht selten zeigen sie einem den Weg zum Fisch.

 

Den Zander im Winter beangeln

Wenn man sich also Gedanken über mögliche Standplätze von Zandern gemacht hat, kann es jetzt endlich an das gezielte Beangeln der Stachelritter gehen.

 

Zanderangeln im Winter vom Ufer

Faulenzen auf ZanderVolle Konzentration: Für Winterzander greift selbst ein Feederprofi wie Helmut Wölker mal zur Spinnrute.

Gummifische und Faulenzer-Technik: Der Klassiker beim Zanderangeln im Winter!

In den letzten Jahren hat sich bei Uferanglern gerade in der kalten Jahreszeit das sogenannte Faulenzen durchgesetzt. Dabei wir der Gummifisch durch gemäßigtes ankurbeln vom Grund gestartet und taumelt dann wieder langsam in Richtung Grund. Da wir meist in tieferem Wasser unterwegs sind, reicht hier oft schon eine Kurbelumdrehung um eine Absinkphase von etwa 2 Sekunden zu erzeugen. Nach meiner Erfahrung ist man damit an den meisten Wintertagen ganz gut beraten. Je leichter man die Jigköpfe wählt desto besser gelingt das langsame Faulenzen. Dem entgegen steht, dass man gerade vom Ufer aus öfter auf weite Würfe angewiesen ist, um überhaupt die tieferen Bereiche zu erreichen. Hier muss man einen passenden Kompromiss finden. In den Stauseen die ich im Winter gerne vom Ufer aus beangle komme ich mit 5-10g Jigköpfen meistens sehr gut zurecht.

Uferangeln auf Zander im WinterFaulenzen vom Ufer: Hier hat alles gepasst und ich wurde mit einem schönen Winterzander belohnt.

Passende Gummifische für den Zander im Winter

Was die Größe der Gummifische angeht, lassen sich Zander eigentlich ganzjährig recht gut mit Ködern zwischen 10cm und 14cm fangen. Meistens entscheide ich mich für Köder um die 12cm, diese haben den Vorteil, dass man damit evtl. auch mal einen guten Barsch, genausogut aber auch einen schönen Hecht erwischen kann. Auffällig ist im Winter, dass selbst kleine Zander ziemlich rücksichtslos auf die eigentlich zu großen Köder einsteigen. Das macht es daher schwer, über die Ködergröße gezielt die großen Zander auszuselektieren. Ich persönlich erspare mir daher das etwas schwerfällige angeln mit 20cm-Gummilatschen.

Bei der Köderform von Gummifischen für Zander unterscheidet man Gummifische nach ihrem Laufverhalten und den Druckwellen die sie aussenden. Bei Zanderanglern sind schlankere Gummifische mit etwas kleineren Schwanztellern recht beliebt. Ich benutze sie auch gerne, aber auch typische Hechtgummifische mit einem flankenden Lauf bringen mir im Winter regelmäßig Zander. Es funktioiert also beides. Die dritte Kategorie, die No-Action Shads können im Winter manchmal auch eine sehr gute Alternative sein. Gerade an Tagen an denen sich die Zander nicht sehr beissfreudig zeigen kann man auch damit sein Glück versuchen.

Gummifische für Zander im WinterKöder aus meiner "Winterzanderbox".

Da ich oft nach konkreten Modellen gefragt werde, hier einfach einige Gummifischmodelle die man zum Zanderangeln im verwenden könnte:

Hersteller Modell(e)
Quantum

Q-Paddler

25 zanderkoeder quantum qpaddler

Balzer Shirasu

Waggle Shad

27 zanderkoeder balzer shirasu waggleshad

Royber

Abroymer, GAU-Shad

31 royyber gau shad

Melody Fishing

Double Bass

26 zanderkoeder melody fishing doublebass

Seika Pro

Frequency Shad, Speed Shad

29 seika pro frequency shad

Lunker City

Shaker

28 zanderkoeder lunkercity shaker

T.E. Tackle

Sniper Shad

32 raubfischspezi snipershad

Lucky John

Joco Shaker

30 lucky john joco shaker

 

Welche Köderfarben fangen im Winter?

Das ist dann meistens die nächste Frage, und meine Antwort fällt da ehrlich gesagt sehr kurz aus: Alle!

Köderfarben Gummifisch ZanderWinterzander im Doppeldrill: Die Köderfarben sind völlig verschieden - den Zandern war es scheinbar egal.

Wer unter Anglern ein abendfüllendes Thema braucht, der sollte nach Erfahrungen mit Köderfarben beim Zanderanglern fragen. Zehn Angler, elf Meinungen trifft es da ganz gut.

Natürlich wurde auch schon versucht sich dem Thema Köderfarben wissenschaftlich zu nähern. Mit einem für uns Angler allerdings durchaus etwas ernüchternden Ergebnis. Sowohl eine Studie mit Barschen, als auch ein recht komplex aufgezogener Versuch von Walleye-Anglern in den USA zeigten, dass die Köderfarbe keinen so eklatanten Einfluss auf die Fänge hat, wie wir als Angler uns das oft ausmalen. In Zahlen ausgedrückt, lag der Unterschied zwischen der besten Köderfarbe und der schlechtesten bei den Walleye-Experimenten bei gerade einmal sieben Prozent.

Wer das im Detail mal nachlesen möchte, findet einen entsprechenden Artikel dazu im Angelmazin in-fisherman.com

Nichtsdestotrotz gibt es recht komplexe Theorien zu Köderfarben. Hier einmal zwei ganz simple Ansätze:

  • Maximaler Kontrast:

Eine relativ einfach Theorie geht davon aus, dass man dem Zander einfach einen Köder mit maximalen Kontrast zur Umgebung anbieten muss. Bei hellen Gewässergrund wie etwa Sand oder Kies, setzt man auf dunkle Köder. Bei trüben Wasser setzt man hingegen Schockfarben ein damit der Köder möglichst gut gesehen werden kann.

  • Naturgetreue Kopie:

Ein ebenfalls sehr pragmatischer Ansatz basiert darauf, dass echte Beutefische ihre Farben nicht wechseln – und der Zander sie immer fressen muss. Egal ob Frühjahr oder Herbst, egal ob Tag oder Nacht. Wenn man einen Köder anbietet der möglichst detailgetreu so aussieht, wie die natürliche Nahrung in einem Gewässer kann man nach dieser Theorie nicht viel falsch machen.

Die Frage nach der besten Köderfarbe für Zander im Winter kann ich also auch nicht abschließend beantworten – das Problem ist, dass man nie weiß ob ein Fisch den man gerade gefangen hat, nicht auch auf einen anderen Köder gebissen hätte. Aber eines ist gewiss: In der Zeit, in der man in der Köderkiste kramt, kann man schonmal keine Zander fangen.

Dennoch schleppe ich, wie fast alle anderen Zanderangler auch, Unmengen von verschiedenen Gummiködern mit ans Wasser. Ich wechsle den Köder vor allem für mich selbst – d.h. wenn ich 40 oder 50 Würfe gemacht habe, und keinen Kontakt hatte wechsel ich mal den Köder um wieder neue Hoffnung und Motivation zum „weitermachen“ zu schöpfen.

Köderbox ZanderEinmal quer durchs Farbspektrum: Man kann gar nicht genug Gummifische haben.

Ein weiterer Grund, warum zumindest ich hunderte Gummifische im Angelkeller liegen habe ist die Tatsache, dass Gummifische einfach schön sind und ich mir gerne welche kaufe.

Gummifische mit Geschmack - Sinn und Unsinn von Lockstoffen bei Gummiködern

Ein einigermaßen neuer Trend ist der Gummifisch mit Geschmack. Viele Köder werden mittlerweile bereits aromatisiert ausgeliefert. Dabei gibt es die verschiedensten Flavours die zum Einsatz kommen. Einige Gummiköder werden mit "salted" beworben, sprich sie sind gesalzen. Andere sind in Fischöl eingelegt oder werden mit Knoblauch aromatisiert.  Selbstverständlich werden auch entsprechende Lockstoffe in Form von Gels oder Sprays verkauft, die man nachträglich auftragen kann. Wer jetzt seine Hoffnungen darauf setzt, dass der Zander den "Duft" wahrnimmt und dann sofort zum Köder schwimmt und ihn fressen möchte, den muss ich leider enttäuschen. Das passiert eher nicht. Es geht dabei eher darum, vielleicht durch diese Extranote einen wankelmütigen Zander doch zum zupacken zu bewegen und vor allem geht es darum, mehr Bisse zu verwerten. Die Mehrzahl an Bissen die man erfolgreich verwerten kann ist ein sehr interessanter Aspekt, den ich kurz ausführen möchte. Um die Theorie dahinter zu verstehen, muss man zunächst einmal wissen, dass Zander auf unsere Köder ganz genaugenommen nicht "beißen". Vielmehr saugt der Zander (wie viele andere barschartige Fische auch) den Köder an. Diesen Ansaug-Vorgang des Zanders bemerken wir als Angler in Form des berühmten "Tock" in der Angelrute.

 33 zanderkoeder voll inhaliertVoll inhaliert! - Je heftiger der Zander den Köder einsaugt, desto leichter können wir ihn haken.

Der Zander bemerkt dann jedoch recht schnell, dass es sich nicht um einen echten Fisch handelt und spuckt den Köder wieder aus. Dieser Vorgang dauert maximal 2 Sekunden - und genau diese 2 Sekunden haben wir Zeit, um einen kräftigen Anhieb zu setzen und den Zander sicher zu haken. Die Theorie hinter aromatisierten Ködern besagt nun, dass der Zander bei Ködern mit Geschmack nicht so schnell bemerkt dass es sich nicht um einen Fisch handelt und den Köder nicht so schnell wieder ausspuckt. Dadurch verlängert sich theoretisch die Zeit in der man einen erfolgreichen Anhieb setzen kann. Persönlich achte ich bei Ködern ncht darauf ob sie aromatisiert sind oder nicht. Einige in meiner Box sind es, einige nicht. Einen wirklichen Unterschied konnte ich bislang nicht feststellen. Allerdings, und das gibt mir schon etwas zu denken, haben mir mittlerweile 3 befreundete Angler die viele Streetfishing-Turniere in den Niederlanden angeln, unabhängig  voneinander berichtet, dass aromatisierte Köder durchaus entscheidend sein können. Es ist wie so oft beim Angeln, wahr und falsch gibt es wohl nicht. Das einzige was dann bleibt: Selber ausprobieren und eine eigene Meinung dazu bilden.

 

Angsthaken: Ja oder Nein?

Zusatzdrilling Stinger für ZanderEin Stinger oder Zusatzdrilling kann im Winter manchmal der Schlüssel zum Erfolg sein. Bringt aber auch Nachteile mit sich.

Zusatzdrillinge oder Stinger, wie der Angsthaken auch genannt wird sind ein beliebtes Diskussionsthema unter Zanderanglern. Im Winter setze ich ab einer Ködergröße von ca. 12cm meistens einen Zusatzdrilling ein. Es gibt einfach immerwieder Fische, die nur am Zusatzdrilling hängen und die man ohne den Angsthaken wohl nicht erwischt hätte. Auf der anderen Seite muss man aber auch mehr Hänger, und mitunter auch mehr Köderverluste hinnehmen. Gerade wenn man sehr leichte Jigköpfe angelt, kann sich ein Angsthaken auch negativ auf den Köderlauf auswirken.

 

Wer noch mehr zum Angeln auf Stillwasser-Zander im Winter erfahren möchte, kann sich auch unseren Film zum Thema ansehen:

 

Alles Gummi? Fängt im Winter nur der Gummifisch Zander?

Zugegeben, das Zanderangeln ist heutzutage untrennbar mit dem Gummifisch als Köder verbunden. Das liegt vor allem daran, dass wir den Zander in der Regel am Grund beangeln möchten und der Gummifisch die idealen Voraussetzungen dazu mitbringt. Es zeigt sich aber auch, dass nicht immer und überall der Gummifisch die erste Wahl sein muss. In flachen Buhnen oder vor Steinpackungen ist gerade Nachts ein Wobbler oft der erfolgreichere Köder. In flachen, trüben Gewässern sind es oft auch die Druckwellen die ein Spinner verursacht die einen Zander unvorsichtig werden lassen.

24 winter zander polderDiesen strammen Winterzander fing Netzwerker Dennis Knoll in einem Poldergraben auf Spinner.

 

Zanderangeln im Winter vom Boot

Zanderangeln im Winter vom BootDavid Häuser angelt an den großen Naturseen in Mecklenburg-Vorpommern vom Boot aus auf Zander. Auch er ist im Winter regelmäßig auf dem Wasser und fängt ordentliche Zander.

Grundsätzliches zum Zanderangeln in Mecklenburg-Vorpommern hat David übrigens in einem tollen Artikel hier bei Netzwerk Angeln zusammengefasst.

Vertikalangeln

Wer ein Boot zur Verfügung hat, hat es im Winter manchmal leichter an die interessanten, tiefen Bereiche zu kommen und hat außerdem den Vorteil, dass er direkt über dem vermuteten Hotspot stehen kann. Man kann somit den Köder ganz gezielt und sehr präzise im fängigen Bereich anbieten und Meter für Meter nach Fischen absuchen. Wer noch dazu ein hochauflösendes Echolot an Bord hat, kann dem Glück schon deutlich nachhelfen. Die Angeltechnik an sich, ist beim Vertikalangeln relativ einfach. Man lässt den Köder zum Grund ab, hebt ihn ca. 20cm an, hält den Köder für einige Sekunden in dieser Position und lässt ihn dann wieder ab. Den Rest, nämlich die Bewegung auf dem Wasser übernimmt dann das driftende oder vom E-Motor gezogene Boot.

18 noaction vertikalkoederKlassischer Vertikalköder: Der Freddy Shad von Quantum an einem schweren Football-Jig

Da man keine langen Absinkphasen hat, verden beim Vertikalangeln gerne Köder verwendet die ihre Aktion bereits bei geringster Geschwindigkeit entfalten. Häufig sind das Fransenköder oder eben auch No-Action Shads.

Angeln mit dem Fireball Jig

Fireball Jig mit GrundelDer Fireball-Jig hat seinen Ursprung in den Niederlanden und wurde hier mit einer Grundel montiert.

Eine besondere Form des Vertikalangelns ist das Angeln mit dem sogenannten Fireball-Jig. Diese ursprünglich in den Niederlanden entwickelte Methode erlaubt es, beim Vertikalangeln einen echten Köderfisch zentimetergenau anzubieten.

Faulenzen vom Boot im Winter

Selbstverständlich kann man beim Zanderangeln im Winter vom Boot aus auch werfen und die Köder ähnlich wie beim Uferangeln faulenzen. Insbesondere wenn man nicht genau weiß wo sich die Zander aufhalten kann man so deutlich größere Strecken absuchen als beim Vertikalangeln.

Zander vom Boot  im WinterNetzwerker Jean Fertig mit einem strammen Flusszander den er im Winter beim Faulenzen vom Boot aus fing.

Herausforderungen beim Zanderangeln im Winter

Wer im Winter am Wasser unterwegs ist um Zander zu fangen wird vielerorts auf verhältnismäßig wenig andere Angler treffen. Das hat natürlich einen Grund, es gibt durchaus gemütlichere Angelegenheiten, als sich im Winter auf Zanderjagd zu begeben.

 

Kälte & Einfrierende Ringe

Grundlage für einen erfolgreichen Angeltag im Winter ist, dass man auch ausdauernd angeln kann. Das gelingt garantiert nicht, wenn man nach 20 Minuten bereits friert. Genauso wichtig wie Ruten, Rollen und Köder ist im Winter ordentliche Kleidung. Mehrere Schichten (nach dem Zwiebelschalenprinzip) helfen dass man auch an kalten Tagen nicht „einfriert“. Besondere Vorsicht ist beim Angeln vom Boot geboten, da man sich hier kaum bewegt friert man deutlich schneller als beim Angeln vom Ufer. Beim Bootsangeln im Winter sollte man sich so anziehen, als wäre es noch 5 Grad kälter als es ohnehin schon ist.

Bootsangeln auf Zander im Winter klamottenBootsangeln auf Zander im Winter ist vorallem eines: KALT! Mehrere Kleidungsschichten nach dem Zwiebelschalenprinzip helfen vor dem Auskühlen.

Sobald man bei Minusgraden unterwegs ist, hat man es beim praktischen Angeln außerdem mit einfrierenden Rutenringen zu tun. Die Geflochtene Schnur transportiert stetig geringe Mengen Wasser durch die Ringe, dort bilden sich dann Eiskristalle. Das ist nicht nur nervig, sondern auch nicht gerade schonend für die Schnur.
Um dem entgegen zu wirken, sollte man möglichst glatte Schnüre verwenden. Je glatter die Schnur, desto weniger Wasser transportiert sie. Ideal wäre da eigentlich eine Monofilschnur, diese kommt aber aufgrund ihrer Dehnung beim Spinnfischen auf Zander nicht infrage. Die mittlerweile erhältlichen, modernen 8-fach geflochtenen Schnüre sind mittlerweile aber auch sehr glatt und nehmen bei weitem nicht mehr so viel Wasser auf wie geflochtene Schnüre aus früheren Zeiten. Wenn man dann die Rutenringe während des Angelns gelegentlich noch mit etwas Glycerin benetzt (eine kleine Sprühfasche ist dafür sehr praktisch) kann man auch bei Minusgraden einigermaßen praktikabel Spinnfischen.

eingefrorene RutenringeExtrem nervig und tödlich für dünne Geflechtschmüre: Eingefrorene Rutenringe!

Beisszeiten

Wer im Winter auf Zander unterwegs ist, muss sich auf eine recht zähe Angelei einstellen. Da es sich bei Fischen um wechselwarme Tiere handelt, fahren sie bei niedrigen Wassertemperaturen ihren Stoffwechsel zurück und sind daher nicht so aktiv wie im Sommer. Das bedeutet auch dass die Beissphasen häufig relativ kurz ausfallen – dafür aber umso heftiger. Während beim Zanderangeln im Sommer vor allem die Dämmerungsphasen heiße Zeiten sind, kann man besonders an trüben Wintertagen auch tagsüber ganz gut auf Zander angeln. Gerade die Mittagszeit zwischen 11.00 und 14.00 Uhr ist an vielen Gewässern eine heisse Phase.

Zanderangeln ist keine Mathematik!

Wenn du bis hierher gelesen hast, weißt du jetzt wie das mit dem Zanderangeln im Winter an verschiedensten Gewässern funktioniert. Dennoch hat man als Winterangler auch immerwieder Erlebnisse die scheinbar die Regeln auf den Kopf stellen. Einen meiner besten Winterangeltage auf Zander hatte ich mit meinem Netzwerker Kollegen Jean Fertig. Wir waren vom Boot aus auf einem Fluss unterwegs. Während die ruhigen, tiefen Bereiche keinerlei Bisse brachten waren die Zander an diesem Tag genau dort unterwegs, wo man sie eher nicht vermuten würde: Sie standen in sehr starker Strömung im Flachwasser - und sie hatten richtig Hunger!

An diesem Tag hatte sich wieder einmal gezeigt: Jedes Gewässer und letzlich auch jeder Angeltag sind anders. Sich als Angler an jedem Angeltag aufs Neue der Herausforderung zu stellen und die Fische zu finden und sie zum beißen zu animieren ist letztlich das was das Angeln niemals langweilig werden lässt und uns auch nach einem Schneidertag doch wieder hinaustreibt ans Wasser. Wer sich durchbeißt, dranbleibt und ausdauernd angelt wird früher oder später mit einem tollen Winterzander belohnt. Versprochen.

Viel Durchaltevermögen und tolle Fänge beim Zanderangeln wünscht

Franz Hollweck


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Kommentare  

Respekt! Ein sehr interessanter Artikel, der auch mal auf die Hintergründe eingeht warum man Zander in bestimmten Tiefen findet oder auch nicht. Echt gut erklärt. Die Filme habe ich mir auch angeschaut - ebenfalls sehr sympathisch! Bitte mehr solche Top-Beiträge!
Antworten
Danke für das Lob! Wir versuchen das Niveau zu halten!
Antworten

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