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Der Angler Jan Korte

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Das Angeln auf Meerforelle mit der Fliegenrute ist die anglerische Passion von Jan Korte. Dabei weiss er zu schätzen, dass Angeln eben viel mehr ist, als sich einfach eine Fischmahlzeit zusammen zu fangen. Das “herunter kommen“, das “geerdet werden“, den “realen, praktischen Einblick in sonst gerne in vielen Redaktionen oft einseitig behandelte Themen um Natur- und Tierschutz“ empfiehlt er sogar seinen direkten Kollegen, den parlamentarischen Geschäftsführern der anderen Bundestagsfraktionen. Auch dazu gibt es einen Artikel auf Netzwerk Angeln.

 

Der Angelpolitiker Jan Korte

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Als Politiker, gerade als parlamentarischer Geschäftsführer seiner Bundestagsfraktion, muss Jan Korte natürlich viele Politfelder bearbeiten. Für die allgemeine Politik sind andere Medien und Plattformen besser geeignet, bei Netzwerk Angeln geht es da natürlich zuerst und alleine um Angelpolitik. Schon seit vielen Jahren spreche ich immer wieder mit Jan Korte zu Thema Angelpolitik.

Auch Jan Korte ist nicht gerade zufrieden, wie das in Deutschland sowohl von Politik, Behörden wie auch von den Verbänden der organisierten Sport- und Angelfischerei gehandhabt wird. Spannend auch, dass er den wohl bekanntesten Politiker der LINKEN, Gregor Gysi, auch von einem gemeinsamen Angelausflug überzeugen konnte – peinlich für die BRD, wenn dann Gregor Gysi im dazu geführten Videointerview fest stellen musste, dass Angeln in Dänemark deutlich unbürokratischer und entspannter als in Deutschland ist. Dazu der Artikel und Video mit Gregor Gysi und Jan Korte.

Ebenfalls hat sich Jan Korte bereits eingemischt bei der Diskussion darum, ob Angler ab 2019 untermaßige Dorsche töten müssen, wie es die EU fordert. Auch hier stellt er sich klar auf die Seite der Angler und ordert die Bundesregierung zum Handeln auf: EU und BRD im Clinch wegen töten untermaßiger Dorsche. Die Antworten sind da


Das angelpolitische Interview mit Jan Korte

Nachfolgend das Interview rund um angelpolitische Themen, in dem Jan Korte Stellung bezieht.

Jan Korte und ich kennen uns schon seit über einem Jahrzehnt und sind als Angler auch per Du. Daher ist das Interview auch im persönlichen Stil geführt.

 

1.:
Jan, weil Du mit Gregor Gysi angeln warst, haben wir ein Videointerview mit Gregor und Dir in Berlin im Bundestag gemacht. Das war am 15.09.2015. Du hattest damals im Interview bemängelt, dass der DAFV als Naturschutzverband der Angel- und Sportfischervereine in den Landesverbänden im Bundestag kaum wahrnehmbar sei für Bundestagsabgeordnete. Konntest Du seit 2015 hier eine konkrete und zielführende Verbesserung feststellen in der Arbeit des DAFV?

Jan Korte:
Ich habe bemerkt, dass sie in der Fachpresse häufiger auftauchen, bei uns im Bundestag aber weniger. Aber sie haben zur Bundestagwahl Wahlprüfsteine abgefragt und mich auch für ein Grußwort zur Mitgliederversammlung 2018 eingeladen. Das ist in Ordnung.

2.:
Du warst einer der wenigen aktiven Angler, die da gesprochen haben. Gibt es reelle Anzeichen für Dich, dass der DAFV zukünftig auch angelpolitisch arbeiten, sich mehr in den Bundestag einbringen und mit Bundestagsabgeordneten sprechen will?

Jan Korte:
Sie haben mich ja eingeladen, obwohl ich mich in der Vergangenheit nicht immer positiv über den DAFV geäußert habe. Davor habe ich zunächst einmal Respekt.

Ich habe aber den Eindruck, dass wir als angelnde Bundestagsabgeordnete eher selber in unseren Fraktionen Werbung für unser Hobby machen müssen und verfolge deshalb die Idee, eine überfraktionelle Interessengruppe aufzubauen.

3.:
Unmittelbare Mitglieder sind im DAFV laut deren Veröffentlichung ja nur noch die restlichen 29 Landes- und Spezialverbände, von denen aktuell schon wieder weitere 3 gekündigt haben. Die Zahl der mittelbaren Mitglieder (also die zahlenden Sport- und Angelfischer in den Vereinen der Mitgliedsverbände) hat sich seit der Fusion von knapp unter 900.000 auf jetzt noch knapp über 500.000 fast halbiert, mit den weiteren Kündigungen rutscht der DAFV wohl unter 500.000. Bei laut Allensbach ca. 5. Mio. Menschen in Deutschland die angeln, kann man da überhaupt von einer repräsentativen Vertretung der Angler durch den Naturschutzverband DAFV sprechen?

Jan Korte:
Nicht jeder und jede angelt im Verein, das ist ebenso klar, wie dass der DAFV bislang nicht nur eine Erfolgsgeschichte ist. Aber über kurz oder lang muss es eine schlagfertige Organisation geben, dazu gibt es keine Alternative.

4.:
Auf der DAFV-Versammlung sprach auch der Bundestagsabgeordnete Gero Hocker von der FDP. Er brachte mit der FDP – Fraktion einen Antrag in den Bundestag ein, um gemeinnützigen Organisationen leichter die Gemeinnützigkeit aberkennen zu können. Von einigen Seiten wurde dies sogar als „Anti-PETA-Antrag“ formuliert.

Siehst Du den Antrag auch als reinen „Anti-Peta-Antrag“ oder siehst Du da auch Gefahren für die im DAFV organisierten, gemeinnützigen Landesverbände und Angelvereine?

Jan Korte:
Der Antrag der FDP mag gut gemeint sein, aber ist tatsächlich für die Vereine eher gefährlich. Er hat einen langen Feststellungsteil, in dem viel Richtiges zu bzw. gegen PETA festgestellt wird.

Wenn man sich aber den Beschlussteil ansieht – und der ist es, der am Ende zählt – dann sollen zukünftig Rechtsverstöße aller als gemeinnützig anerkannten Körperschaften zusätzlich mit dem Verlust der Steuerbegünstigung sanktioniert.
So ein Verfahren würde alle gemeinnützigen Verbände treffen, die, so der Antrag:
„gegen geltende Strafgesetze verstoßen, zu einem Rechtsbruch aufrufen oder einen Rechtsbruch nachträglich zu rechtfertigen versuchen“.

Ich erinnere mal dran, dass es viel zu oft tatsächlich schon zu Verurteilungen von Anglervereinen gekommen ist, weil der Richter das Tierschutzgesetz anders ausgelegt hat, als wir es täten.
Und als aktiver Angler würde ich – ganz hypothetisch gesehen – im Falle einer Verurteilung, weil ich einen maßigen, aber zu schönen oder großen Fisch zurückgesetzt habe, von einem Verband erwarten, dass er sich hinter mich stellt oder mich öffentlich verteidigt, meine „Tat“ also rechtfertigt.

Wenn der Antrag der FDP durchkäme, könnte beides den Verlust der Gemeinnützigkeit für Anglervereine bedeuten.

 5.:
Wieso bekommen Organisationen wie zum Beispiel oben genannte PETA, die sich selbst ja als Tierrechtler auf Grundlage des Antispeziesismus und gar nicht als Tierschützer sehen, dennoch die Gemeinnützigkeit als Tierschützer zuerkannt?

Jan Korte:
Ich glaube, in ihrer Satzung bezeichnen sie sich als Tierschützer. Das ist, glaube ich, ausschlaggebend.

5.1.:
Statt auf alle gemeinnützigen Vereine abzuzielen, wie es der Antrag von Gero Hocker macht, wäre es da nicht sinnvoller, auf die Möglichkeiten hinzuweisen, die sich aus der Überprüfung der praktischen Geschäftsführung ergeben z. B. in Hinsicht auf die Höhe der Verwaltungskosten oder den Einsatz der Gelder für Tierschutzzwecke?

Jan Korte:
Jedes Finanzamt tickt bei der Gemeinnützigkeit anders. Aber natürlich ist die Frage berechtigt, ob eine Organisation, deren Spenden hauptsächlich für die Gehälter der Spendensammler draufgehen, gemeinnützig ist. Ich meine aber, dass es auf die politische Auseinandersetzung ankommt, die wir führen müssen.

5.2.:
Siehst Du die Möglichkeit das Tierschutzgesetz wie z. B. in Großbritannien so zu ändern, dass auf Grundlage des Tierschutzgesetzes keine Grundlage mehr besteht für die fast immer erfolglosen, aber massenhaft erfolgende Anzeigen seitens PETA gegen Angler und Angelvereine?
&
5.3.:
Die allermeisten Verfahren aus Anzeigen gegen Angler (aber auch gegen andere Naturnutzer, wie z.B. Landwirte) werden eingestellt, wie zuvor schon gesagt. Dies ist PETA bekannt & bewusst, trotzdem fahren sie aus reinen PR-Gründen eine Anzeigenkampagne nach der Anderen. Dies belastet die Justiz und somit natürlich auch den Steuerzahler massiv.
Was könnte der Bundestag dagegen tun, bzw. kann er das überhaupt wirksam?

Jan Korte:
Ich halte das sogar für die beste Möglichkeit, rechtlich klarzustellen, dass waidgerechtes Angeln nicht gegen den Tierschutz verstößt.
Ganz ehrlich muss ich aber auch sagen: Ich bin kein Jurist oder Experte für das Tierschutz- oder das Jagdgesetz und habe nicht die Musterlösung, wie wir das jetzt konkret umsetzen können.

Aber wenn ich die Intention der FDP erkenne und es vielleicht den einen oder die andere in den anderen Fraktionen gibt, die selber auch angeln oder in ihren Wahlkreisen für dieses Problem sensibilisiert wurden, dann könnten wir in einer überfraktionellen Gruppe an einer Lösung arbeiten.

5.4.:
PETA wird ja auch von vielen GRÜNEN gefördert. Einer Partei, deren Anhänger eher aus den wohlhabenden Teilen der Städte kommen und die weniger die kleinen Leute wie die Angler im Blick haben. Die LINKE als Stimme der „kleinen Leute“ sieht dennoch ja die GRÜNEN als möglichen Koalitionspartner.

Werden wir Angler dann in einer solchen Koalition noch mehr Regulierung, Verbote und bürokratische Drangsalierung der Angler zu erwarten haben als jetzt schon, oder könnt (und wollt) ihr das verhindern?

Jan Korte:
Koalitionen bilden sich aus Parteien, die verschiedene Ansätze haben. Sonst könnten sie ja gleich gemeinsam antreten.
Damit aber eine Regierung, egal unter welcher Beteiligung, anglerfreundliche Politik macht, ist vor allem der Druck der Angler notwendig. Selbst innerhalb der Parteien gibt es verschiedene Auffassungen zu bestimmten Punkten – das sieht man ja auch ab und an bei uns.

Aber meine Partei DIE LINKE ist ja für die sogenannten kleinen Leute, für die mit wenig Einkommen, gegründet worden. Daran sollten wir uns auch orientieren und natürlich für diejenigen Politik machen, die sich das ganze Jahr über auf den Ostseeurlaub auf dem Campingplatz oder aufs Nachtangeln am Baggersee freuen – soweit noch nicht verboten wurde.
Und eher nicht für diejenigen, die Businessclass um die halbe Welt zur ökologischen Safari-Tour fliegen.


Das Fazit

Bundesverband für Angler dringend nötig

Dass ein praktischer Angler als Politiker die Defizite der Arbeit in den Naturschutzverbänden der organisierten Sport- und Angelfischerei wie beim DAFV und seinen Landesverbänden schmerzlich wahrnimmt und konkrete, kompetente und zielgerichtete Arbeit für Angler vermisst, wird für mich persönlich deutlich.

Wenn angelnde Politiker meinen, besser selber im Bundestag mit anderen Kollegen zusammen eine Anglergruppe anschieben zu müssen, weil der DAFV es augenscheinlich nicht schafft, Angeln in die Politik zu bringen, ist das so vielsagend wie die „schonenden“ Ausführungen von Jan Korte, der meinte, dass der DAFV ja „nicht nur eine Erfolgsgeschichte sei“, dass es aber „Aber über kurz oder lang muss es eine schlagfertige Organisation“ für Angler geben müsse und dass es schon bemerkenswert sei und „in Ordnung“, wenn er als jemand, der sich „in der Vergangenheit nicht immer positiv“ zum DAFV äußerte mal eingeladen wird zu einem Grußwort, das spricht Bände.

Es zeigt für mich auch die prekäre Situation, in der sich die Angler befinden, die zur bundesweiten Vertretung nur den Naturschutzverband der organisierten Sport- und Angelfischer haben und eben keinen “Anglerschutzverband“.


Tierrechte, Tierschutz – Angeln verstösst nicht gegen Tierschutz

Zum Thema PETA und Anwürfe durch Tierrechtler und Tierschützer sieht er auch die Notwendigkeit, hier eine rechtliche Klarstellung zu erwirken, dass Angeln nicht gegen das Tierschutzgesetz verstösst.

Das ist natürlich schon deutlich näher am praktischen Angeln als ein „Anti-PETA-Antrag“ der FDP, der auch laut Jan Korte in letzter Konsequenz Anglervereine in ihrer Gemeinnützigkeit gefährden könnte.


DIE LINKE und mögliche Koalitionspartner BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

Dass Jan hier nicht das Blaue vom Himmel verspricht (man erinnere sich an die letzte Landtagswahl in Baden-Württemberg, wo die CDU die Abschaffung des Nachtangelverbotes öffentlich versprochen hatte und nach der Wahl als Juniorpartner der GRÜNEN schnell die Angler verraten hatte diesbezüglich), sondern die Realitäten klar legt, ist lobenswert!

Dass er „Druck von den Anglern“ fordert (wohl auch angesichts dessen, dass er das dem DAFV und seinen Mitgliedsverbänden nicht unbedingt zutraut), um berechtigte angelpolitische Forderungen durchzusetzen und er nicht „verspricht“, die LINKE würde das schon regeln, ist selten genug für Politiker und lobenswert.

Und seinen Schlusssatz zu würde ich direkt so unterschreiben:

Aber meine Partei DIE LINKE ist ja für die sogenannten kleinen Leute, für die mit wenig Einkommen, gegründet worden. Daran sollten wir uns auch orientieren und natürlich für diejenigen Politik machen, die sich das ganze Jahr über auf den Ostseeurlaub auf dem Campingplatz oder aufs Nachtangeln am Baggersee freuen – soweit noch nicht verboten wurde.

Und eher nicht für diejenigen, die Businessclass um die halbe Welt zur ökologischen Safari-Tour fliegen.

 

Mehr Politiker, die auch PRAKTISCH Angeln gehen und das nicht aus der Theorie kennen oder die mal irgendwann den Fischereischein gemacht haben, wären also in allen Parteien wünschenswert, wie man am Interview mit Jan Korte sehen kann.

In diesem Sinne wünsche ich ihm weiterhin viel "Erdung, Spannung und Entspannung“ beim möglichst erfolgreichen Meerforellenangeln an der Ostsee und bedanke mich für das Interview.

jan korte mefo

 

 netzwerkerFinkbeinerklein

Thomas Finkbeiner

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Kommentare  

Tolles Interview,
klare, anglerfreundliche & sinnvolle Aussagen,
guter Mann &
schöne MeFo.
Antworten
klare, Angler freundliche Aussagen so kennen wir Jan.
Antworten
Einer der Wenigen (oder gar der Einzigste) Politiker, der sich mit gesundem Menschenverstand für das Angeln in BRD einsetzt.
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