01 aalte toeten und ausnehmen

Man hört immerwieder von den abenteuerlichsten Methoden, wie man Aale zu Tode bringen kann.
Den Aal in einem Gefäß Mineralwasser einsetzen, den Aal in Sand oder Salz "totlaufen lassen", den Aal mehrmals kräftig zu Boden schleudern - solcher Blödsinn wird nicht nur im Internet sondern auch in "Survival-Ratgebern" verbreitet.
Diese Methoden sind meist nicht nur uneffektiv, sondern schlicht und einfach nicht erlaubt.

Angler wissen wie man Aale richtig tötet

Das zeigt, dass auch beim Töten von Aalen einmal mehr gilt:
Wenn es um das Töten, Schlachten und die Verwertung von Fischen geht sollte man am besten jemanden fragen der sich damit auskennt: Angler.
Angler wissen, dass es im nicht gewerblichen Bereich genau eine Methode gibt einen Aal schnell und zuverlässig zu töten:
Den Genickstich.

Die Zulässigkeit ergibt sich klar und eindeutig aus der Tierschutz-Schlachtverordnung (TierSchlV)

10) Wer einen Fisch schlachtet oder tötet, muss diesen unmittelbar vor dem Schlachten oder Töten nach Maßgabe der Anlage 1 Nummer 9 betäuben. Abweichend von Satz 1 dürfen:

  1. Plattfische durch einen schnellen Schnitt, der die Kehle und die Wirbelsäule durchtrennt, und
  2. Aale, wenn sie höchstens bis zu einer Zahl von 30 Tieren pro Tag gefangen und verarbeitet werden, durch einen die Wirbelsäule durchtrennenden Stich dicht hinter dem Kopf und sofortiges Herausnehmen der Eingeweide einschließlich des Herzens.

ohne vorherige Betäubung geschlachtet oder getötet werden.

Den Aal per Genickstich zu töten ist in der Praxis für Angler die schnellste und effektivste Methode.

In der nachfolgenden Bildanleitung zeige ich euch, wie man Schritt für Schritt einen Aal tötet und küchenfertig ausnimmt.

Aal töten, schlachten und ausnehmen - Schritt für Schritt

02 aale toeten und ausnehmenEin prächtiger Aal liegt auf der Matte - jetzt gehts ans Schlachten und Ausnehmen.

 

Schritt 1: Aal fixieren

Einen "aalglatten" Aal festzuhalten ist gerade für Einsteiger häufig eine große Herausforderung. Der Aal windet sich und ist schleimig - wer hier nicht entschlossen zupackt tut sich schwer.
Im Lauf der Jahre haben Angler diverse Hilfsmittel und Techniken erfunden um einen quirligen Aal besser handlen zu können. Angefangen von einem einfachen Tuch, dass dabei hilft den Aal besser greifen zu können bis hin zu längsseitig aufgeschnittenen Abflussrohren in die man den Aal am Vorfach hineinziehen kann.
Im Rohr kann der Aal sich dann nicht mehr winden. Im Fachhandel werden manchmal auch sogenannte Aalzangen angeboten um den Aal damit festzuhalten.

17 aal festhalten tuchEin einfaches Tuch oder ein Lappen können helfen die Aale besser festzuhalten


Es geht aber auch ohne solche Hilfsmittel. Das Geheimnis liegt einfach im entschlossenen zupacken.

Wer richtig zupackt, kann den Aal auch ohne Hilfsmittel festhalten.

 03 aal festhaltenWenn man ordentlich zupackt, kann man auch Aale gut festhalten

 

Schritt 2: Aal mit dem Aaltöter töten

Wenn man den Aal dann zu packen bekommen hat, geht es an den Genickstich. Diesen kann man entweder mit einem Messer oder einem sogenannten Aaltöter ausführen. Aaltöter gibt es seit Jahrzehnten für ein paar Euro in jedem Angelgeschäft und sie erleichtern den Genickstich beim Aal doch erheblich.
Der Aal wird also auf den Boden gedrückt und man setzt den Aaltöter mittig, dicht am Kopf über dem Rückgrat an.

04 aal mit aaltoeter toetenAal fixieren und Aaltöter ansetzen

 

Dann drückt man den Aaltöter einfach nach unten, der Metallstift durchtrennt dann das Rückgrat und der Aal ist sofort tot. Auch hier gilt wieder: Nicht zimperlich sein, gerade bei großen Aalen muss man schon ordentlich Druck ausüben damit das Rückgrat durchtrennt wird. Man hört dabei ein regelrechtes Knacken. Wichtig ist es, den Aaltöter wirklich mittig anzusetzen, damit man das Rückgrat auch sauber durchtrennt. Wenn man "getroffen" hat bemerkt man sofort, dass die Körperspannung des Aals nachlässt.

05 aaltoeter anwendungSo sieht die Anwendung eines Aaltöters in der Praxis aus

05a aaltoeter falsche anwendungSo nicht! - Hier würde man das Rückgrat nicht treffen und den Aal somit auch nicht töten!

Der Vorteil eines Aaltöters ist neben der einfachen Handhabung vorallem auch die Effektivität. Mit einem kleinen Stich dicht hinter dem Kopf des Aals ist die Sache erledigt. Ein grobschlächtiges Messer hinterlässt da häufig deutlich größere Spuren.

05b vergleich aaltoeter messerEinstichlöcher von Aaltöter und Messer im Vergleich


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Schritt 3: Aal aufschneiden

Man kann nun damit beginnen die Bauchhöhle des Aals zu öffnen. Dazu setzt man am After an und schneidt an der Bauchunterseite in Richtung Kopf. Da der Aal kein hochrückiger Fisch ist, ist es besonders wichtig das Messer beim Schneiden immer leicht nach oben zu führen. So vermeidet man dass man beim Aufschneiden des Aals aus Versehen die Eingeweide trifft.

06 aal after waidlochDas Messer setzt man am After des Aals an und schneidet in Richtung Kopf

07 aal aufschneidenDas Messer sollte man beim Aufschneiden des Aals immer mit der Schneide nach oben führen

Achtung! Jetzt kommt DIE Besonderheit beim Aal.
Der Aal ist eine von wenigen Fischarten, die man nicht nur vom After in Richtung Kopf aufschneiden muss, sondern auch noch ein Stück vom After in Richtung Schwanz. Der Grund dafür ist, dass sich hinter dem After noch die sogenannte Schwanzniere befindet.

08 aal aufschneiden schwanzniereJetzt wird in die andere Richtung geschnitten - Vom After des Aals in Richtung Schwanz

09 aal schwanzniereNun kommt auch die sogenannte Schwanzniere des Aals zum Vorschein

Schritt 4: Aal ausnehmen

Wenn der Aal nun aufgeschnitten vor einem liegt, sucht man im Bereich der Schwanzniere zunächst nach dem sogenannten "Blutfaden". Dieser befindet sich entlang des Rückgrats und erstreckt sich bis zum Schwanz. Wenn man ihn gefunden hat, hebt man ihn leicht an und zieht vorsichtig daran. Man kann so dann den gesamten Blutfaden des Aals entfernen.

10 aal schlachten blutfaden entfernenMit dem Finger fährt man vorsichtig unter den Blutfaden des Aals

11 aal ausnehmen blutfadenDer Blutfaden erstreckt sich bis zum Schwanz des Aales - wer vorsichtig zieht, kann ihn komplett in einem Stück herausziehen.

Manchmal kommt es auch vor, dass der Blutfaden abreißt und man ihn nicht vollständig herausziehen kann, das ist kein Grund zur Panik - es ist dann halt so. Man stirbt nicht daran.

Nun kann es mit dem Entfernen der Innereien losgehen. Ich versuche dabei mit den Fingern zunächst unter die Schwanzniere zu greifen und diese vorsichtig zu lösen. So hat man dann einen Ansatzpunkt an dem man die verwachsenen Eingeweide gut greifen und in einem Zug entfernen kann.

12 aal ausnehmenGut im Griff - beginnend ab der Schwanzniere des Aals kann man die gesamten Innereien in einem Zug entfernen.

13 aal ausgenommenDer Aal ist fertig ausgenommen

Schritt 5: Aal säubern

Das Wesentliche, nämlich das waidgemäße und vorschriftsmäßige Töten sowie das Ausnehmen des Aals wäre damit geschafft. Nun gilt es noch die verbliebenen Reste aus der Bauchhöhle sauber zu entfernen. Das geht am besten wenn man Fingernägel hat.
Wie genau und gründlich man dabei vorgeht, muss jeder für sich entscheiden. Meine Aale sehen wenn ich sie als "sauber ausgenommen" bezeichne im Normalfall so aus:

13a aal sauber ausgenommensauber ausgenommener Aal

Schritt 6: Aal entschleimen

Wer möchte, kann den Aal nun auch noch entschleimen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder man nimmt z.B. altes Zeitungspapier und streift damit dem Aal den Schleim ab, oder man nimmt eine Hand voll Salz oder Sand und reibt dem Aal damit den Schleim ab.
Wenn man den Aal einfrieren und erst zu einem späteren Zeitpunkt verarbeiten möchte, kann man den Schleim auch nach dem Auftauen einfach mit einem Wasserstrahl abspülen.

16 aal raeucherkammerGleich wird der Aal in den Rauch gehängt

 

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Was man sonst noch zum Aale schlachten wissen sollte:

Aalblut ist giftig!

Bereits im 19. Jahrhundert konnte man nachweisen, dass Aalblut giftige Bestandteile (Eiweise) enthält. In Versuchen hatte man damals verschiedenen Säugetieren Aalblut injiziert, was jeweils zum raschen Tod der Tiere führte.
Das hört sich jetzt erstmal ziemlich heftig an, in der Praxis reicht es aber, wenn man beim Schlachten von Aalen einfach etwas Sorgfalt im Umgang mit dem Blut des Aals walten lässt. Konkret bedeutet das:

  • Aalblut von Augen fernhalten
  • Aalblut von offenen Wunden fernhalten
  • Kein rohes Aalblut verzehren.

Wer also etwas aufpasst, dem wird das Aalblut nichts anhaben. Auch beim Verzehr des Aals muss man keine Angst haben, das Aalgift ist nicht "hitzestabil" sobald der Aal also gegart wird, ist das Gift unschädlich.
Auch beim bloßen Kontakt mit unserer Haut zeigt das Aalgift offensichtlich keine Wirkung beim Menschen.
Zumindest hatte ich in über 25 Jahren Aalangeln noch nie ein Problem mit Aalblut. In diesem Sinne: ruhig Blut!

Den Mageninhalt der Aale untersuchen!

Wenn man schon die Innereien des Aals vor sich liegen hat, kann man auchmal einen Blick in den Magen riskieren und schauen ob sich herausfinden lässt was der Aal zuletzt gefressen hat. Oftmals kommen dort recht interessante Nahrungsbestandteile zum Vorschein, die dem Aalangler durchaus bei der richtigen Köderwahl helfen können.

14 aal krebseDieser Aal hatte sich 2 Krebse einverleibt. 

15 aal grundelnBei diesen halbverdauten Fischchen handelt es sich um kleine Grundeln die sich ein dicker Aal schmecken lies.

Bei Youtube gibt es übrigens einige Videos, die das Ausnehmen von Aalen beschreiben. Relativ gut wird es in diesem Video erklärt:

 

 

Ich wünsche euch viel Erfolg beim Aalangeln und hoffe diese Anleitung hilft dem ein oder anderen Leser beim Töten, Schlachten und Ausnehmen des nächsten Aals.

Franz Hollweck

 


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Kommentare  

Ich habe heute Nacht meinen ersten Aal gefangen, dank dieser Anleitung hat das mit dem ausnehmen super geklappt. Echt super! Vielen Dank!
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