raubaale

Es gibt sie noch, die fetten Raubaale in den klaren Bächen Mecklenburgs.

Ich meine die Aale, die unproportional dick sind im Vergleich zu ihrer Länge.
Ich habe diese Fische vor 15 Jahren gezielt mit einfachen Montagen beangelt. Die Monate Juni und Juli, sowie der späte September waren dabei am produktivsten. In so einer Saison fing ich im Durchschnitt 5-6 dieser äusserst fetten Schlängler.

Irgendwann gab es kaum noch Fänge und ich dachte an einen Zusammenbruch der Population wie es zu dieser Zeit üblich war. Denn schließlich habe auch ich Fische entnommen. Dann traf ich Johannes und erzählte ihm von "goldenen Nächten" und der Misere die daraus folgte. Man muss wissen, je kürzer "Hannes" sich fasst, umso tiefer ist die Bedeutung. Jedenfalls sagte er "Wenn Aal nix zu dir gommen, du gommen musst zu Aal." Beiläufig erzählte er mir von Beobachtungen, wo er die Aale im Schilf senkrecht stehen gesehen hat. Sie sollen sich sogar mit den anderen Schilfhalmen im Wind bewegt haben. Ich tat das als Anglerlatein ab und veräppelte ihn höhnisch in dem ich den Fischen noch eine Rohrkolben Krone aufsetzte.

Jedenfalls erinnerte ich mich bei meiner letzten UL Tour an dem besagten Bach an diesen Wortwechsel und machte eine Stelle aus. Als heute dann die Bedingungen dafür perfekt schienen, fasste ich den Entschluss, noch einmal anzugreifen....15 Jahre später.

15 Jahre später – Aalansitz am Bach

Ich entstaubte meine alte 390er Barbenrute, spulte neue Schnur auf die Centerpin und stippte mir stromabwärts eine Handvoll Ukis und begab mich an den verheißungsvollen Platz. Ein Loch in einem kleinen Seerosenfeld mit angrenzenden Schilfgürtel sollte es heute Nacht sein.

Davor verläuft eine Sandbank an dessen Flanke sich noch ein Paar junge Barsche eingestellt haben. Ein 1er Haken wird direkt an die Hauptschnur gebunden, 80 cm darüber hänge ich eine kleine Wasserkugel ein. Der Ukelei wird mehrmals eingestochen und kurz hinter der Rückenflosse eingehakt. Die Wasserkugel lege ich auf ein Seerosenblatt, der Ukelei hängt seitlich darunter. Perfekt dachte ich mir und lege die Rute auf eine Astgabel. Das hintere Teil wird von meinem Rucksack gestützt.

Ich nutze heute bewusst nur eine Rute. Der Platz ist ziemlich eng und kein weiterer Spot in unmittelbarer Nähe, außerdem wollte ich ja anders sein, anders als vor 15 Jahren.

Die Dämmerung bricht ein und ich lege zur besseren Bisserkennung ein 20cent Stück auf die Centerpin, darunter liegt mein Gerätekasten. Sollte sich jemand mitten in der Nacht heimlich an meinem Ukelei vergehen, wird mir das durch ein deutliches "Klock" signalisiert. Die eintretende Windstille spielt mir dabei in die Karten.

Im allerletzten Licht baue ich mir aus altem Schilf ein Sitzkissen und mache es mir unter einer alten Weide gemütlich. Während ich mein Abendbrot esse und den nächtlichen Horizont betrachte, werde ich etwas melancholisch. Noch nie habe ich die roten Leuchten der Windkraftanlagen so sehr wahrgenommen wie heute. Nützlich und grottenhässlich in einem.

Jedenfalls ist es zappenduster und ich kämpfe mit der Müdigkeit. In der ferne hört man noch die Rohrdommel und ein Reh bahnt sich den Weg langsam in meine Richtung. Das "Hörspiel" bei Nacht ist für mich immer ein Highlight und erdet mich auch nach Stressigen Tagen.
Die Müdigkeit fordert ihren Tribut und ich knacke kurz weg.

"Klock"

Plötzlich werde ich vom einem „Klock“ geweckt. Das wars, sofort Hellwach schleiche ich zur Rute und nehm fühlung auf.
"KnackKnack" der Fisch nimmt Schnur, ich Folge ihn mit der Rutenspitze und setze einen knackigen Anhieb. Nach einem kurzen und heftigen Drill hab ich ihn im Kescher.
Meine Freude war zu diesem Zeitpunkt schon unermesslich gross. Ich versorgte den Fisch und beschloss noch eine halbe Stunde zu bleiben. Die Rute habe ich neu bestückt und wieder ausgelegt.
Ich war grade dabei einzupacken und meine Spuren zu verwischen, als es wieder ertönte.

"Klock"! Wie ein Wachhund stand ich sofort an der Rute und beobachtete die Dinge die da so passieren mögen. Doch nix, rein gar nix tat sich. Nach 5 min wollte ich dann nach schauen und stieß auf heftige Gegenwehr. Der Aal hat sich den Köder geschnappt und hat sich einfach nicht weiter bewegt. Was für ein fauler Hund, dachte ich.
Als auch ihn meine Keschermaschen umklammern kommt in mir wohliges Gefühl der Glückseligkeit auf. So wie ich es vor 15 Jahren empfand.

Ich packte den Rest zusammen und trat den Heimweg an. In der langen Allee kam mir so ein Gedanke, dass es beim Angeln manchmal wie im Rest des Lebens ist. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten, wer sich ernsthaft mit den Sachen beschäftigt und mit den Dingen auseinandersetzt, der wird immer wieder Möglichkeiten und Wege finden um an sein Ziel zu kommen.

In diesem Sinne

Petri Heil und eine schöne Zeit am Wasser

Peter Möller

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Kommentare  

Richtig stark geschrieben! Petri Heil zu den fetten Aalen und Petri Heil auch zu diesem tollen Angelerlebnis!
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Tolle Story und wieder der Beweis ,Klasse setzt sich durch .
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