Mit meinem Netzwerker Kollegen Jean Fertig war ich mittlerweile schon recht oft gemeinsam am Wasser unterwegs. Zusammen geangelt, hatten wir aber noch nie. Klingt komisch – ist aber so. Wie kommt sowas?

Nunja, der Grund für unsere gemeinsamen Angelausflüge waren stets Filmprojekte bei denen ich Jean mit der Kamera begleitet hatte. Wenn am Ende ein schöner Angelfilm herasukommen soll, konzentriere ich mich ganz aufs filmen und darauf einen für den Zuschauer nachvollziehbaren Handlungsstrang in die Aufnahmen zu bekommen. Selber „mitangeln“ ist dann meistens nicht drin. Das würde mich stark vom „Film machen“ ablenken. Ich kann da halt auch nicht aus meiner Haut, wenn ich eine Angelrute in der Hand habe will ich Fisch fangen. Leicht ist das wahrlich nicht immer, wenn man als Vollblutangler zum zuschauen verdammt ist.

Deshalb hatte mich mein Kumpel und Netzwerker Kollege Jean eingeladen, mal einfach zusammen angeln zu gehen. Neben großen Friedfischen wie etwa Barben, Döbel, Aland oder Brassen bin ich vor allem zum Barschangeln immer zu haben. Das liegt vorrangig daran, dass ich mich an meinen Hausgewässern ziemlich schwer tue, regelmäßig Barsche zu fangen. Die Bestände sind meistens einfach überschaubar. Da Jean ein ganz passables Barschgewässer vor der Haustür hat, und wir gerade Spätherbst hatten war der Zielfisch für unsere Angeltour dann also schnell gefunden. Es sollte auf Barsch gehen!

Mit dem Boot zum Barsch

Pünktlich um 08.00 Uhr erreichte ich dann den vereinbarten Treffpunkt. Bevor es losgehen konnte, galt es aber erstmal das Boot klar zu machen. Als ich unser Boot für den heutigen Tag erstmals erblickte musste ich schon kurz schmunzeln. Ich bin beim Angeln recht schmerzfrei, aber mit dieser Schüssel auf einen großen Fluss? Naja, wird schon gehen.

1 barschangeln kleinesuenden bootUnser Boot zum Barschangeln hatte die besten Tage wohl auch schon hinter sich!

Der erste Spot den wir ansteuerten lag unterhalb eines Kraftwerks. Recht ordentliche Strömung über flachem Wasser und dazu ein sehr unreiner Untergrund machten das Angeln hier nicht leicht. Mit Bleikopf und Gummifisch suchten wir großflächig nach beisswilligen Fischen. Faulenzen und jiggen wurde wohl definitiv nicht für stark strömendes Flachwasser erfunden – ich brauchte ein paar Würfe um ein Gefühl für das Gewässer zu entwickeln. Nach gut einer halben Stunde platzierte ich einen Wurf nahe an die Uferkante und bekam beim dritten oder vierten absinken des Köders einen knallharten Biss. Erfreut verkündete ich „Fisch!!!“ - und musste nur Sekunden später ein frustriertes „Ausgestiegen“ hinterherschieben. Tja, das ist Angeln. Ein echtes Wechselbad der Gefühle.

Dennoch – wir hatten nach einer halben Stunde den ersten Fischkontakt. So ganz falsch, war das was wir hier veranstalteten also wohl nicht.

 

Mit fremden Ruten!

Wenn man mit einem Angelpartner unterwegs ist, der die gleichen Angelmethoden betreibt wie man selbst, ist das auch immer eine gute Gelegenheit sich über Angelgerät auszutauschen. Dabei stellte sich heraus, dass Jean beim Spinnfischen auf wesentlich weichere Ruten setzt als ich. Nachdem wir ein paar Würfe über die Vor- und Nachteile der entsprechenden Ruten debattiert hatten tauschten wir einfach mal die Stecken. Ich angelte nun mit Jeans Sportex Black Arrow und er übernahm meine Greys Prowla Specialist. Direkt beim ersten Wurf bekam Jean dann einen Biss, und beim Blick auf meine Greys dämmerte mir schon, dass da nichts kleines zugepackt hatte. Als der Fisch das erste Mal schemenhaft knapp unter der Wasseroberfläche zu sehen war, war die Freude groß:

Ein astreiner Zander hatte sich den Gummifisch reingezogen. Klasse! Damit war der Angeltag doch mal wirklich mustergültig eröffnet.

2 barschangeln kleinesuenden zanderEin Auftakt nach Maß. Jean mit einem prächtigen Fluss-Zander! 

Trotz des tollen Zanders entschieden wir uns schon kurz darauf eine neue Stelle anzufahren. Für Jeans Geschmack hatten wir zu wenig Fischkontakte. Wir fuhren also stromabwärts und platzierten das Boot in etwa 25 Meter Abstand zu einer Spundwand. Meter für Meter angelten wir den Uferbereich direkt an der Spundwand ab – ohne einen einzigen Fischkontakt. Tja, das war ernüchternd. Jean meinte: „Lass uns noch 3 Würfe in den Strom hinaus machen, dann fahren wir weiter“.

 

Beisszeit!

Also, einmal Richtungswechsel. Mein Gummifisch flog jetzt nicht mehr in Richtung Ufer, sondern direkt hinaus in den Strom. Sekunden nach dem ersten Grundkontakt plötzlich ein Rucken in der Schnur – sofort setzte ich einen Anhieb und bemerkte schon am „zappeln“ dass es ein mittlerer Barsch sein musste. Während ich mit dem Drill beschäftigt war, flog Jeans Gummifisch direkt in die gleiche Richtung. Nach wenigen Sekunden vermeldete auch er einen Fisch. Wir hatten die Barsche gefunden!

10 barschangeln kleinesuenden franzDer Anfang war gemacht: Ein Flussbarsch wie gemalt!

Was nun folgte, habe ich beim Angeln selten erlebt. Es folgte Biss auf Biss. Zeitweise war tatsächlich jeder Wurf ein Treffer. Unsere 7-9cm langen Köder an 12g Bleiköpfen standen bei den Barschen ganz oben auf dem Speiseplan. Versuche mit dem Drop-Shot Rig brachten zwar auch Fische, auf die klassischen Gummifische am Bleikopf lief es an diesem Tag jedoch besser.

3 barschangeln kleinesuenden jean

Als am Horizont plötzlich ein Kreuzfahrtschiff, oder wie Jean es nennt „Mumiendampfer“ auftauchte, entschieden wir uns angesichts unseres doch eher kleinen Boots mal kurz am Ufer festzumachen und den zu erwartenden Wellengang dort sicher zu überstehen.

Beim erneuten anfahren der Stelle, ließen wir uns ein paar Meter weiter abtreiben um auch neue Bereiche beangeln und zu können. Und was soll man sagen? Hier biss es gleich noch verrückter.
Es folgte Doppeldrill auf Doppeldrill – und nicht nur das, häufig wurden die Barsche die wir im Drill an die Wasseroberfläche beförderten von zahlreichen Artgenossen begleitet.

7 barschangeln suenden doppeldrill
 

Nur weil es gut beißt, heißt das nicht automatisch dass sich die Fische auf alles stürzen. Auch wenn es schwer fällt einen Erfolgsköder abzumontieren:

Wenn man Köder testen will, dann in Phasen in denen es gut beißt!

So fingen wir an Köderfarben und Köder durchzuprobieren. Jean hatte dabei das glücklichere Händchen. Während er weiter konstant gut fing, wurde es bei mir deutlich ruhiger und Jean war mir mittlerweile doch schon einige Barsche voraus.

5 barschangeln kleinesuenden

Teuflischer Plan!

Bei der Suche nach einem Köder der mich zurück auf die Erfolgsspur bringen konnte, fiel mit dann plötzlich ein „alter Bekannter“ in die Hände. Ein nicht genau zu definierender Köder in grellstem chartreuse den ich schon viele Jahre in der Barschbox rumschleppe. Ich hatte ihn schon oft probiert, mit unterirdischem Erfolg: Bislang hatte ich auf diesen Köder noch nie einen Fisch gefangen.

11 barschangeln suenden koederlEin etwas kurioser Barschköder.

„Na mit dem wird’s bestimmt nichts“ dachte ich gerade als ein kleines Teufelchen auf meiner Schulter mit einen bösen Plan ins Ohr flüsterte.
Sekunden später präsentierte ich den Köder Jean und empfahl ihm: „Probier doch mal den hier“.
Jean beäugte den Köder zunächst kritisch, montierte ihn dann aber doch und feuerte den Köder wieder hinaus in den Strom.
Noch während ich in meiner Box nach einem neuen Köder suchte sah ich im Augenwinkel wie Jean einen Anschlag setzte.

 

„Ohhh… das ist ein Besserer“

… und tatsächlich: Vor uns tauchte ein wunderschöner Barsch auf. Der Barsch war tatsächlich der bislang größte des Tages. Und hatte noch dazu diesen seltsamen, grünen Köder im Maul.

 8 barschangeln kleinesuenden barsch jeanEin super Barsch, gefangen auf den seltsamen Köder!

Jetzt war ich sprachlos. So kanns laufen. Wieder einmal hat es sich bewahrheitet:

Kleine Sünden werden sofort bestraft.

Glücklicherweise blieb es die einzige Strafe für mein verwerfliches Verhalten an diesem Tag und wir konnten bis zum Anbruch der Abenddämmerung noch unzählige weitere Barsche fangen.

Als wir im letzten Tageslicht das Boot wieder in den „Hafen“ steuerten ließen wir nicht nur den majestätischen Fluss, sondern auch einen unvergesslichen Angeltag hinter uns.

 

netzwerkerfranzklein 

Franz Hollweck

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Kommentare  

Ja, so kann es manchmal laufen beim Angeln. Aber schön, dass ihr immer mit einem Augenzwinkern unterwegs seid! Toller Bericht!
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