„Das gibt’s doch nicht! Jetzt sind hier auch schon die Grundeln“ schimpfte ein Angelkollege als er diesen etwas seltsam anmutenden Fisch auf dem Kescher des Elektrofischers liegen sah.

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Doch bei genauem hinsehen entpuppte sich die vermeintliche Grundel als eine völlig andere Fischart.


Gestatten: Die Mühlkoppe!


Mühlkoppen sind Fische die nicht sehr auffällig sind, sie leben dicht am Gewässergrund und bewegen sich unter Wasser nur mühsam und ruckartig. Ihre gute Tarnung macht es selbst in klaren Bächen schwer sie wahrzunehmen. Aus vielen Gewässern sind diese tollen Fische mittlerweile verschwunden – an diesem Forellenbach jedoch nicht. Der Elektrofischer hatte Mühlkoppe um Mühlkoppe auf seinem Kescher.  

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Dass wir Angler oft gar nichts von den Mühlkoppen in unseren Gewässern mitbekommen, liegt daran dass man sie mit der Angel nur sehr schwer fangen kann. Und wenn dann, wie an dem von mir beangelten Forellenbach, ausschließlich mit Kunstködern geangelt werden darf ist die Chance beinahe Null.

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Ganz anders sieht es bei den Forellen und Saiblingen aus. Gerade für die starken Exemplare hauen sich gerne mal ein Mühlkoppe hinter die Kiemen. Genau das war auch der Grund weshalb ich mir einige Gummiköder im Mühlkoppen-Design bestellte um herauszufinden ob diese hier am Forellenbach zum Erfolg führen.

3 verschiedene Mühlkoppen Gummifische stehen zum Test bereit!

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Der erste Versuche gehörte dem Modell mit dem angedeuteten Curly-Tail (Twisterschwanz) und den auffällig großen Brustflossen (ganz rechts im Bild).

Nach den ersten Würfe machte sich eher Ernüchterung breit, sobald Bewuchs am Gewässergrund vorhanden ist, lassen sich kaum kleine Sprünge machen, weil man ständig hängen bleibt. Rein vom Laufverhalten her, sah der Köder aber sehr interessant aus.

Für einen etwas intensiveren Test musste ich nun einen Bereich suchen der weniger Bewuchs und mehr Kiesgrund aufweist. Hier sah das schon besser aus. Da hier die Strömung aber auch stärker war, mussten die über die Rutenspitze animiert Sprünge etwas vorsichtiger ausfallen damit der Köder nicht vom Grund weggerissen wird.

Es dauerte nicht lange, da hatte ich den Dreh raus und konnte bald darauf einen wunderschönen Bachsaibling keschern.

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Hier zeigte sich dann aber auch die Schwäche dieses Modells: Die Gummimischung ist sehr weich – das sorgt für ein schönes Laufverhalten, Haltbarkeit ist aber definitiv etwas anderes.

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Der nächste Proband war dann der, zumindest optisch, schönste Nachbau (ganz links im Bild). Leider ist der Köder für stark strömende Abschnitte viel zu leicht, und wird von der Strömung sofort nach oben gedrückt.  In den etwas ruhigeren Bereich mit Bewuchs konnte er aber dann seine Stärken durchaus ausspielen. Gerade weil der Köder so leicht ist, kann man ihn mit angehobener Rutenspitze wunderbar über die Krautfahnen führen. Der Köder arbeitet dann dezent, aber zuverlässig. Auch hier dauerte es nicht lang, bis sich eine Bachforelle nicht beherrschen konnte.

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Besonders schön: Bei Köderführung in Oberflächennähe sind die Bisse gut vorhersehbar – meistens gibt es kurz vorm Einschlag einen deutlich sichtbaren Schwall an der Oberfläche.

Unter Forellenanglern ist es kein Geheimnis, dass ein mit der Strömung geführter Köder oftmals mehr Bisse bringt.  

Auch hier muss man aber wieder auf die Strömung achten, ist diese zu stark werden die Sprünge viel zu lang weil der Köder zu lange braucht um wieder auf dem Grund aufzusetzen. Mir gefiel das nicht so gut – einem fetten Saibling hingegen aber schon, er schoss auf das „vorbeifliegende“ Koppenimtat. Warum sich der Saibling von dem eher ungünstig präsentierten Köder locken ließ? Keine Ahnung – ist halt angeln.
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Was auch gut klappt ist das „driften lassen“ des Köders mit der Strömung. Dabei wirft man ans gegenüberliegende Ufer und hält einfach Spannung zum Köder. Den Rest erledigt die Strömung in dem sie den Köder langsam aber stetig ans eigene Ufer drückt.

Auch einfache Modelle fangen!

Der letzte Gummiköder im Bunde war ein sehr gewöhnliches Modell in bewährter Form und schöner „Koppenfarbe“ (im Bild in der Mitte zu sehen) .  

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Aufgrund der kompakten Form lässt sich dieser Köder wunderbar in kleinen Sprüngen über den Grund führen. Das wussten auch die Bewohner des Forellenbachs zu schätzen und ich konnte einen stattlichen Saibling verhaften.

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Doch auch „hoch geführt“ fing der simple Gummifisch sehr sehr zuverlässig. An manchen Stellen konnte man die Bisser direkt „vorausahnen“. Als kleinen Beweis habe ich mein Handy ans Ufer gelegt und mal eine Videoaufnahme mitlaufen lassen.

Schaut es euch selber an:


Fazit:

Mit Gummifischen die Mühlkoppen imitieren kann man am Forellenbach sehr erfolgreich sein. Es kommt gar nicht so sehr darauf an wie das Modell im Detail aussieht – wichtiger ist, dass man eine kontrollierte Köderführung hinbekommt.

Welches Modell ich empfehle? Natürlich alle drei, denn bei Gummiködern gilt immer:
Man hat nie zu viele davon, aber immer einen zu wenig!

Petri Heil und viel Erfolg beim Forellenangeln


Franz Hollweck

 


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Kommentare  

Toller Bericht Franz.....
Ich werde mir schleunigst so ein paar Mühlkoppenimitate besorgen und am heimischen Bach testen. Ab heute sind Kunstköder ja frei.....bin mal gespannt ob's bei mir auch so gut funzt.

Bis denn....
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Danke! Ich drücke die Daumen, Marco! Es gibt ja mittlerweile viele Grundelimitate aus Gummi auf dem Markt, da kann man sich natürlich auch bedienen - die Forellen werden sooo genau nicht hinschauen ;)
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