gezielt graskarpfen angeln

Der ursprünglich aus Asien kommende Graskarpfen, auch Weißer Amur oder Grasfisch genannt, ist mittlerweile in Deutschland durch Besatz weit verbreitet.
Immer wieder liest man zwar davon, dass Grasfische bei hohen Wassertemperaturen, also in den Sommermonaten, ihr eigenes Körpergewicht an Nahrung zu sich nehmen, dennoch sind Graser oft gar nicht so einfach zu fangen. Das liegt hauptsächlich am Beuteschema der Grasfische: Sie sind in der Regel eben auf Wasserpflanzen konditioniert.

Graskarpfen nebenbei

Ich angle eigentlich nicht gezielt auf Graskarpfen, da der Bestand in meinen Hausgewässern für ein gezieltes Beangeln von Graskarpfen eher überschaubar ist. Doch auch wenn es weit weniger Graser als "normale Karpfen" gibt,  lege ich häufig eine Rute mit dem Hintergedanken, einen „Beifang-Asiaten“ beim Karpfenangeln zu erwischen, aus. In der Vergangenheit konnte ich so mitterweile doch schon eine ganze Reihe an schönen Grasern erwischen.

graskarpfen angeln 1

Eine Methode hat sich dabei als besonders fängig herausgestellt: Das Angeln mit dem Methodfeeder.
Auch um den Köder muss man kein Geheimnis machen. Besser noch als sämtliche Boilies (selbstgerollte und gekaufte), Pellets, Dumbles usw. sind bei mir 2 einfache Hartmais-Körner die ich am Haar anbiete und in den Methodfeeder drücke.

Das Methodfeedern ist mittlerweile ja recht bekannt und weit verbreitet, wer sich damit noch nicht beschäftigt hat dem empfehle ich meinen Artikel bei Angeln mit Stil der auf die Grundlagen des Method Feederns eingeht.

Graskarpfen angeln: Die richtige Platzwahl

Sobald das Wasser im späten Frühjahr wärmer wird und mindestens 16°C erreicht, kann es gezielt auf Graskarpfen losgehen. Wie immer beim Angeln, sollte man sich auch beim Angeln auf Graskarpfen vorher Gedanken um den richtigen Angelplatz machen.  Die besten Erfolge hatte ich an den flacheren Gewässerbereichen mit viel Krautbewuchs und hartem Gewässerboden. Ein harter Gewässergrund ist deshalb von Vorteil, weil Graskarpfen nicht "gründeln" wie man das etwa von Brassen oder Karpfen kennt, sondern die Nahrung direkt vom Grund aufnehmen. Achtet also nach Möglichkeit darauf, euren Köder nicht im Schlamm zu versenken.

Das richtige Futter für Graskarpfen

Graskarpfen fressen viel, richtig viel. Unter anderem kommt das daher, dass sie nur einen geringen Teil der Pflanzen verwerten können und deswegen große Mengen fressen müssen, um ihren Energiebedarf zu decken. Der für die Graskarpfen unverdauliche Teil der Pflanzen wird wieder ausgeschieden. Wer die Augen offen hält, kann so recht schnell in Erfahrung bringen was die Hauptnahrung für den Graskarpfen am jeweiligen Gewässer darstellt. Wenn man dann mal einen Graskarpfen erwischt hat, lohnt es sich immer auch mal einen Blick auf die Abhakmatte zu werfen. Häufig hinterlassen die Fische dort Ausscheidungen. Wenn der Graskarpfen viel natürliche Nahrung aufgenommen hat, sieht das "Endprodukt" fast wie Spinat aus. Sind die Ausscheidung hingegen gelblich und etwas körniger deutet das auf "künstliches" Futter wie Hartmais oder Tigernüsse hin.

Aufgrund des hohen Nahrungsbedarfs der Graskarpfen ist es auch wichtig entsprechend viel Futter bereitzuhalten.
Ich persönlich verzichte auf lange Futterkampagnen. Meistens reichen schon zwei oder drei Tage bis sich die Fische auf einem Futterplatz einstellen. An meinen Futtertagen dürfen es aber pro Tag schon mal gut und gerne zehn und mehr Kilogramm Futter sein. Als Futter bietet sich natürlich Mais an. Er ist günstig und wird von den Graskarpfen gut angenommen. Was noch nicht so häufig zum Anfüttern verwendet wird, womit ich aber sehr gute Erfahrungen gemacht habe sind pflanzliche Pellets. Weizenpellets, Maispellets, Tigernusspellets aber auch Melassepellets eignen sich hervorragend als Beifutter. 

Auch am Angetag selber füttere ich das gleiche Futter, die Futtermenge reduziere ich dann aber um ungefähr ein Drittel. Auf dem so angelegten Futterteppich präsentiere ich dann auch meine Köder.

Die bereits erwähnten pflanzlichen Pellets sind dann übrigens auch die Grundzutat für das Methodfeederfutter. Ein paar Stunden vor dem Angeln bedecke ich die Pellets komplett mit Wasser und lasse sie einfach stehen. Achtung, nicht zu viel einweichen, die Pellets gehen auf wie ein Hefeteig und man hat am Ende zu viel des Guten angerührt! Meiner Grundmischung füge ich dann solange Betainfutter bei ( zum Beispiel von der Firma Angelhaack), bis das Futter gut im Methodkorb hält.

graskarpfen angeln 2


Methodfeeder als DIE Montage für Graskarpfen

Das Methodfeedern speziell auf Graskarpfen ist nicht so weit verbreitet. Eigentlich verwunderlich, denn einige Vorteile des Methodfeeder passen recht gut den Verhaltensweisen der Grasfische zusammen.
Um auch härtere Wasserpflanzen fressen zu können, haben Graskarpfen eine ziemlich harte Maulpartie. Zu große und zu grobe Karpfenhaken sind hier oft ein Nachteil, weil sie nicht sicher ins Fischmaul eindringen.
Beim Methodfeedern hingegen verwendet man deutlich kleinere Haken, der Hakengröße 8 oder 10. Diese dringen viel leichter in des harte Maul des Graskarpfens ein. Man muss aber, wenn man kleine Haken verwendet noch mehr auf absolute Qualtät achten als ohnehin schon nötig. Auch die kleinen Haken müssen absolut stabil sein. Nehmt also besser Karpfenhaken in kleinen Größen als Forellen- oder Weißfischhaken.

Mittlere Feederruten (irgendwas mit WG um die 100g) die man typischerweise zum Methodfeedern einsetzt, sind ideal zum Angeln auf Graskarpfen geeignet. Viele Graskarpfen gehen im Drill verloren, weil man zu stark "dagegenhält". Herkömmliche Karpfenruten können die dann oft explosiven Fluchten der Graskarpfen manchmal nicht gut genug abfangen was zu "Ausschlitzern" führt. 
Die etwas sensibleren Feederruten hingegen sorgen automatisch dafür, dass man etwas vorsichtiger drillt und nicht zu stark dagegenhält. Gerade bei den heftigen Fluchten kurz vor dem Ufer ist das ein großer Vorteil.

Als Hakenköder setze ich auf 2 Maiskörner am Haar. Große Maisketten wären zwar auffälliger, aber ich vertraue einer natürlichen Köderpräsentation da mehr. Schließlich sammeln die Fische die Partikel am Futterplatz ja auch einzeln auf.

montage graskarpfen

Natürlich bringt das auch viele Beifänge, besonders Brassen - sobald die "Weißfisch-Bisse" recht rasch nachlassen kann man sich fast sicher sein, dass die Graskarpfen auf dem Platz sind. Meistens dauert es dann nicht mehr lange bis zum Biss. Apropos Biss: An der Feederrute fallen die Bisse sehr unterschiedlich aus. Oft ist nur ein recht Verhaltenes Wackeln an der Rutenspitze auszumachen, gelegentlich kommt es aber auch zu so starken Vollruns dass man Angst um seine Rollen bekommt.

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Angeln auf Graskarpfen: Drill und Landung

Anfangs unterscheidet sich der Drill eines Graskarpfens oftmals gar nicht so sehr von dem einer Brachse. Man kurbelt den Fisch einfach zu sich heran. Sobald die Graskarpfen jedoch bemerken was gespielt wird, reagieren sie mit brachialen Fluchten wie man sie von kaum einem anderen Süßwasserfisch kennt. Das ist wirklich heftig!

Deshalb ganz wichtig: Beim Angeln auf Graskarpfen die Bremse immer so einstellen, dass der Fisch jederzeit Schnur nehmen kann.

Nachfolgend mal ein kurzer Zusammenschnitt. Man sieht den recht unspektakulären Biss und den ausdauernden Drill den die Graskarpfen liefern.

Und dann heißt es Geduld bewahren. Graskarpfen haben eine unglaubliche Power und Ausdauer. Den Fisch mit dem Kescher zu "fangen" ist meistens keine gute Idee. Einen Graskarpfen der nicht richtig ausgedrillt ist, ist auf der Abhakmatte kaum zu handlen - gerade der sichere und schnelle Umgang mit dem Graskarpfen ist aber wichtig. Denn auch wenn es große, massive Fische sind - außerhalb des Wassers sind sie weniger robust. Ich richte mir alles was ich zum Versorgen der Graskarpfen nach dem Fang benötige direkt bei Angelbeginn zurecht. Abhakmatte, Hakenlöser, ein Eimer mit Wasser usw.

graskarpfen abhakmatte

Angeln auf Graskarpfen: Unvergleichliche Angelerlebnisse

Ich hoffe dieser Artikel hat euch Lust gemacht, es mal mit dem gezielten Angeln auf Graskarpfen zu versuchen.
Wenn es euch gelingt einen solchen Torpedo an den Haken zu kriegen sind Adrenalin und Aufregung garantiert.

Den ersten Graskarpfen-Drill vergisst man nie!

Namen, Herkunft und Hintergrundwissen zu Graskarpfen

Graskarpfen, Grasfisch oder Weißer Amur - gemeint ist in Anglerkreisen immer die gleiche Fischart mit dem lateinischen Namen: Ctenopharyngodon idella

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet wird in der Literatur häufig mit dem östlichen Teil Chinas und Ostsibirien angegeben, eben dort findet sich auch das Amur-Flusssystem.
Die exakte Herkunft lässt sich heute aber nicht mehr zuverlässig bestimmen, denn bereits seit über 1000 Jahren wird der Graskarpfen besetzt und gezüchtet.

In Deutschland haben Teichwirte den Graskarpfen seit den 1960er Jahren vor allem zur Bekämpfung von Wasserpflanzen eingesetzt. Sinn und Nutzen dieser Besatzmaßnahmen werden mittlerweile sehr kritisch betrachtet. Die Grasfische zählen in Deutschland zu den "invasiven Arten".
Eine natürliche Reproduktion gilt in heimischen Gewässern als unwahrscheinlich. Der Graskarpfen laicht in stark strömenden, warmen Flüssen über Kiesgrund.

Bei idealen Bedingungen erreichen Graskarpfen eine Größe von bis zu 150cm und ein Gewicht von bis zu 50kg.

 

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Text und Bilder


Jean  Fertig


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Kommentare  

Geil!
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Ein toller Artikel, der reales Grundlagenwissen fürs praktische Angeln auf Graser vermittelt!
Danke Jean!
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