PRESSEMELDUNG
750 fischereitag magdeburg

Der Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes, Dr. Gero Hocker, eröffnet am 20.08.2019, um 17:00 Uhr, den Deutschen Fischereitag in Magdeburg. Bei der Eröffnungs­veranstaltung gibt es ein Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundes­ministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Michael Stübgen, des gastgebenden Landes Sachsen-Anhalt durch die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Prof. Dr. Claudia Dalbert, sowie des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Magde­burg, Dr. Lutz Trümper.

Der Verbandstag gibt rund 220 angemeldeten Teilnehmern aus Politik, Verwaltung und der gesamten deutschen Fischerei die Gelegenheit, Informationen auszutauschen, eine fischerei­politische Lagebewertung vorzunehmen und gemeinsame Forderungen an die Entscheidungs­träger aus Politik und Verwaltung zu richten.

Während der dreitägigen Veranstaltung gibt es verschiedene Vortragsveranstaltungen. Der Wissenschaftliche Beirat des Deutschen Fischerei-Verbands wird sich mit dem Thema: Klimawandel und Fischerei: Auswirkungen, Risiken, Chancen und Handlungsfelder beschäftigen. Daneben behandeln verschiedene Arbeitsausschüsse und Fachgruppen des Verbandes aktuelle Fachthemen.

Für die Fluss- und Seenfischerei stehen die Lösung der Probleme mit Prädatoren wie Kormoran, Reiher und Otter im Vordergrund der Beratungen. Des Weiteren ist die Erhaltung der Aalbestände für die Binnenfischer ein wichtiges Thema. In Deutschland ist Besatz für die Erreichung der Ziele der EU-Aalverordnung von entscheidender Bedeutung. Hier müssen noch mehr Anstrengungen unternommen werden, die erforderlichen Mengen in die Gewässer zu bringen.

Die Aquakultur kann in Deutschland und in Europa nicht am weltweiten Wachstum der Branche teilhaben. Das Ziel, im Jahre 2020 in Deutschland 52.000 Tonnen in Aquakultur zu produzieren, scheint nicht erreichbar. Ungleiche Bedingungen bei der Erzeugung und am Markt beeinträchtigen hierzulande die Entwicklung der Betriebe. Wie auch in der Binnenfischerei spielen die Probleme mit Prädatoren eine erhebliche Rolle und verhindern derzeit Steigerungen in der Produktion. Für die Aquakultur wird es zukünftig von entscheidender Bedeutung sein, die Ressourcen Fläche und Wasser dauerhaft sicherzustellen. Auch die Erzeugung von Miesmuscheln in den Küstengewässern kann die vorhandenen naturräumlichen Potenziale nicht ausschöpfen. Aquakultur-Einrichtungen sind perspektivisch unverzichtbare Bestandteile der Ökosysteme und erfüllen wichtige Aufgaben bei der Erhaltung der Biodiversität in der Kulturlandschaft.

Angeln ist eine sehr Natur- und Umwelt schonende Form des Fischens. Derzeit ist es unsere zentrale Aufgabe, Angelverbote und unbegründete Einschränkungen des Angelns z. B. in Naturschutzgebieten der Nord- und Ostsee, ebenso wie im Binnenland, abzuwenden. Die Verbesserung der Lebensgrundlage von Fischbeständen in den Gewässern und die Sicherung der aquatischen Biodiversität ist eine wichtige Aufgabe der Angler. Ein weiteres Thema ist die Einbeziehung der Freizeitfischerei in das Management von Meeresfischbeständen und in die Kontrollregelungen durch die EU.

Die Kutterfischer bewerten die Erfolge bei der Umsetzung der Reform der europäischen Fischereipolitik durch nachhaltige Bestandsbewirtschaftung. Auch wenn die Nachhaltigkeits­wende zu einer Zunahme der Fischvorkommen um 36 % in den letzten 10 Jahren geführt hat, werden bis zum Zieljahr 2020 nicht alle Reformziele erreichbar sein. Nach der Sicherung der Bestände ist jetzt die Erhaltung von Fanggebieten die drängendste Existenzfrage. Im Moment drohen den Fischern erhebliche Fanggebietsverluste durch die Natura 2000-Gesetzgebung der EU. Die Ostseefischer haben spezifische Probleme bei der Bewirtschaftung der Dorsch­bestände und des westlichen Herings. Die Situation ist mittlerweile existenzbedrohend und die Fischerei wird diese schwierige Zeit nur durch Liquiditätshilfen durch EU und Bund bzw. Länder überstehen können. Dazu wird es sicher Gespräche mit dem Bundesministerium und den zuständigen Landesbehörden geben. Die Krabbenfischer haben trotz gutem Absatz und günstigen Preisen noch ein Problem durch Rekordfänge im 2. Halbjahr 2018. Dadurch sind große Lagerbestände entstanden. Hier haben die Fischer bereits Zwangspausen gemacht, um die Vernichtung von Lebensmitteln zu vermeiden.

Die Hochseefischer befassen sich immer noch mit den möglichen Auswirkungen des Brexit auf die Branche. Da die Frist für den Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU verlängert wurde, gibt es immer noch keine konkreten Erkenntnisse darüber, wie die Zusammenarbeit in der Fischerei zukünftig geregelt werden wird.

Die Arbeitsausschüsse und Fachgruppen des Verbandes bearbeiten u.a. folgende Themen:
Die Aalkommission informiert in einer Vortragsveranstaltung über die aktuellen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zum Aal. Dabei wird es unter anderem um die HVA-Problematik in Verbindung mit Aalbesatzmaßnahmen aus wissenschaftlicher und behördlicher Sicht gehen.

Die Kormorankommission diskutiert Fragen im Zusammenhang mit dem Management der europäischen Kormoran-Population zur Umsetzung der Beschlüsse des Europäischen Parlamentes sowie Möglichkeiten zur Überwindung der Untätigkeit staatlicher Stellen. Sowohl für den Wiederaufbau der Aalbestände als auch für die Weiterentwicklung der Aquakultur in Deutschland stellen die übergroßen Kormoranbestände ebenso wie Fischotter und Biber ein wesentliches Problem dar.

Der Deutsche Fischerei-Verband vertritt die Interessen von bis zu 1 Million organisierter Fischer und Angler aus allen Sparten der deutschen Fischerei unter einem Dach.

Der Umsatz der Fangwirtschaft in der Meeresfischerei (Kutter und Hochsee) betrug im Jahr 2018 insgesamt 283 Millionen Euro (+ 9,5 %). Bei Anlandungen von 280.000 t (+ 4,3 %). Die Umsätze der Binnenfischerei und Fischzucht werden auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. In der Erzeugung von Fisch und Meeresfrüchten sind in Deutschland rund 6.000 Menschen beschäftigt. Weitere 15–20.000 Beschäftigte sind von der einheimischen Erzeugung abhängig.


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