meeresangeln england

Es dürfte nun fast 25 Jahre her sein. Damals stöberte man, noch weit entfernt vom digitalen Zeitalter, in Angelzeitschriften. Eines Tages stieß ich dabei auf ein Foto eines zentnerschweren Congers aus dem Ärmelkanal in England.

Jeder von uns war damals fasziniert vom nächtlichen Aalangeln in unseren Flüssen- nicht zuletzt aufgrund der enormen Kampfkraft der Fische. Wie musste man sich dann den Fight mit einem solchen Koloss vorstellen?

Damals als etwa 20-Jähriger hatte ich gerade mit dem Meeresangeln begonnen. Als „Südländer“, 7 Stunden entfernt von der Küste, ein gar nicht so einfaches Unterfangen. Gelegentliche Trips an die Ostsee erbrachten aber damals immerhin regelmäßig Dorsche und Platte in „Normalogrößen“. Das Traumland  als Meeresangler war für mich, damals wie heute, Norwegen.

Recht viel mehr Informationen, als eben jede kleine Anzeige in der Angelzeitschrift hatte ich zum Meeresangeln in England damals nicht. Dennoch versuchte ich meine Kumpels von einem solchen Trip nach England zu überzeugen.

meeresangeln england leuchtturmSeegang und schroffe Felsen! So stellt man sich Meeresangeln in England vor!

Das erste Mal zum Meeresangeln nach England

Ich brauchte dazu fast 2 Jahre, ehe wir uns zum ersten Mal 1998 nach England genauer gesagt nach Exmouth an der Südküste aufmachten.

Damals zu viert, mit einem ehrlich gesagt ungewissem Gefühl, denn keiner aus unserem Angelbekanntenkreis hatte jemals in England gefischt.

Telefonate vorab im besten Bavarian – English ergaben, dass wir an Wracks mitten im Ärmelkanal auf Conger und Leng fischen würden. Als Gerät hatten wir Glasfaser Pilkruten mit eine Wurfgewicht von 500 gr. dabei, von denen ich mich heute noch frage wie wir diese überhaupt halten konnten. Was wir aber damals bereit hatten, waren recht gute Multis bespult mit Geflochtener Schnur.

Mit eher mäßig geeignetem Angelgerät brachen wir dann also auf zu unserer ersten Ausfahrt.

Was ich dort erlebte, werde ich mein ganzes Anglerleben lang nicht mehr vergessen. Um es abzukürzen: Der erste Fisch der Ausfahrt war ein Conger mit 107 englischen Pfund. Ich stand sprachlos auf dem Deck als ich diesen Fisch sah. Und es kam sogar noch besser, auch ich fing einen Conger!

meeresangeln england conger aalEin gewaltiger Conger - einer meiner Anglerträume wurde im Ärmelkanal Wirklichkeit!

Von diesem Moment an hatte ich neben Norwegen noch ein eine zweite große Meeresangel- Liebe, nämlich England.


Einfach und unkompliziert: Anreise und Unterkünfte

Noch heute ist vielen Anglern dieses Revier völlig unbekannt. Dabei ist die Anreise kürzer und entspannter, zumindest für den südlichen und westlichen Teil Deutschlands, als ins gelobte Norwegen.

Meist geht es klassisch mit der Fähre in gerade mal 1,5 h von Calais in Frankreich nach Dover in England. Alternativ bietet sich der Tunnel unter dem Ärmelkanal an oder die Anreise über die zahlreichen Häfen in Holland an .Flugverbindungen gibt es natürlich auch.

Auf der Insel angekommen herrscht Linksverkehr!!! Aber keine Angst mit ein wenig Konzentration und Coolness, besonders an mehrspurigen Kreisverkehren, ist dies problemlos machbar.

Unterkünfte gibt es an der Südküste überall, man kann sich in unzähligen Bed and Breakfast Pensionen oder in Cottages einmieten. Das Angebot ist wirklich umfassend und bietet für jeden Geldbeutel etwas. Neben den klassischen Buchungsplattformen wie booking.com oder Airbnb gibt es auch englische Webseiten wie www.bedandbreakfasts.co.uk auf denen man nach einer passenden Unterkunft suchen kann.

meeresangeln england teatimeTeatime! Auch auf hoher See ist auf englischen Booten täglich 2x Teatime


Das Angeln: Kapitäne und Charterboote

Der grundlegende Unterschied zur Ostsee oder zu Norwegen ist, dass es in England kaum Leihboote gibt. Man bucht eine 8- 10 stündige Ausfahrt bei einem Skipper und ist dann mit 8 oder 10 Leuten an Bord. Die Boote sind größere Sportboote bis hin zu schicken geräumigen Katamaranen.

meeresangeln england charterbootTypisches Charterboot in Südengland! Seetüchtig und schnell!

Es gibt in nahezu allen Häfen in Südengland Boote die zum Angeln auslaufen.

Auf der Webseite: www.charterboats-uk.co.uk   kann man sich komfortabel über die gesamte Flotte von Angelbooten im vereinigten Königreich informieren.

Ganz generell lässt sich feststellen, dass es eine über Jahrzehnte gewachsene, nahezu perfekte Infrastruktur für Meeresangler im Süden Englands gibt, was z.B: auch Angelgeschäfte umfasst. Das liegt daran, dass natürlich viele Engländer diese Angelmöglichkeiten nutzen und es deshalb ein entsprechend breites Angebot gibt.

Inshore fishing an der englischen Küste

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Inshore fishing bis ca. 5 Meilen vor der Küste oder dem Offshore fishing 20 bis 30 Meilen, mitten im Ärmelkanal an Wracks.

Beim Inshore fishing in Landnähe fängt man die gesamte Palette der Meeresfische. Die Zielfische unterscheiden sich, je nachdem, ob man auf Sandbänken oder Steinriffen angelt.

meeresangeln england steinbuttHäufige Beute beim Inshore-Angeln an der englischen Küste: Steinbutt!

Plattfische mit Schollen über 4 Pfund, 20!!! pfündige Seinbutts und nicht zuletzt schwere Rochen werden über Sandgrund gefangen. Dazu kommen viele verschiedene Haiarten, vom nervigen, aber hübschen „Dogfisch“ (Katzenhai), über wunderschöne Glatthaie und zuletzt der bis zu 80 Pfund schwer werdende Hundshai.

meeresangeln england bullhuss grossgefleckter katzenhaiEin "Bullhuss" (grossgefleckter Katzenhai) - eine von vielen Haiarten die man in England fangen kann

Angelt man auf Steinriffen kommen bis zu 5 Pfund schwere Meerbrassen, kleinere Conger oder Lengs und der großgefleckte Katzenhai englisch „Bullhuss“ hinzu.

Bei dieser Art Angelei wird überwiegend vom verankerten Boot aus mit 12 bis 20 lbs Gerät geangelt. Keine Angst wegen dem Gerät. Fast alle Boote haben vernünftiges Leihgerät an Bord.

Köder beim Inshore Angeln sind entweder Makrelenfetzen, Krebse oder Würmer, die es vor Ort in den Angelläden zu kaufen gibt. Viele Skipper bieten aber auch einen Köderservice an.

meeresangeln england gefleckter glatthaiGefleckter Glatthai: Einer der schönsten Fische die man beim Meeresangeln in England erwischen kann

Am begehrtesten ist dabei der sogenannte „Bass“ oder „Seabass“, also der Wolfsbarsch. In England ist diese Fischart gar nicht mal so selten, der Fang aber heißbegehrt. Das zeigt auch das hohe Mindestmaß von 42 cm und der Fangbeschränkung von einem Fisch pro Tag und Angler, was auch eingehalten wird.

In Ausnahmefällen erreichen die Wolfsbarsche Gewichte über 10 Pfund.

meeresangeln england wolfsbarschDer "Bass", bei uns Wolfsbarsch genannt, zählt auch bei den Engländern zu den begehrtesten Fischen!

Offshore-Angeln im Ärmelkanal auf Conger und Leng

meeresangeln england congerMehr als 2 Meter - solche Conger kommen bei fast jeder Ausfahrt an Bord!

Eine ganz andere Kategorie sind die Offshore- Fahrten. Hier fischt man meist mitten im „Kanal“ an den zahllosen Wracks der beiden Kriege. Die Anfahrt bis dahin dauert schon mal, wie am gelben Riff, bis zu 3 Stunden. Aber, gutes Wetter vorausgesetzt, es lohnt sich!

Die Angelei beginnt dort meist mit dem „Köderfischstippen“ auf Makrele, was sich meist in wenigen Minuten erledigt hat. Ist der Ködervorrat beisammen, driftet der Skipper mehrere Male über das Wrack. Mit speziellen Schleppbleien und bis zu vier Meter langen Vorfächern, fängt man mit Sandaalimitaten und Gummifischen zunächst Pollack und Dorsch.

Dann geht´s ans Ankern. Am Wrack beißen Lengs um 10 bis 20 Pfund und arm- bis „schenkeldicke“ Conger, von denen die kleinen 10 bis 20 Pfund wiegen. Bei jeder speziellen Congerausfahrt sind aber auch Fische von 40 bis über 50 Pfund dabei.

meeresangeln england lengAuch schöne Lengs stehen an den Wracks im Ärmelkanal

Gefischt wird beim Ankern mit 30 lbs Gerät, 25 bis 30er geflochtenen und starken Multis.

Conger und Leng nehmen entweder ganze Makrelen oder sogenannte „Flattermakrelen“.

Ein Biss macht sich durch kurzes Ruckeln in der Rutenspitze bemerkbar- dann geduldig bleiben und ein Paar Sekunden mit dem Anschlag warten.

Hat man dann einen Conger gehakt, beginnt ein Drill den man nicht so schnell vergisst.

Das Meeresangeln in England ist stark gezeitenabhängig, dabei kann der Gezeitenstrom eine ungeheuere Unterströmung entwickeln, was Bleigewichte über 1000 Gramm und mehr nötig macht. Daher sollte man z.B. bei einer geplanten Congertour darauf achten, dass man in keiner Voll- oder Neumondphase bucht. Die Skipper geben darüber aber genaue Auskunft, auch über die zu erwartenden Fischarten.

Lizenzen zum Meeresangeln in England

meeresangeln england windparkWindpark Voraus! - Wer draußen vor der Küste Englands angelt benötigt keinen Angelschein!

Für die Angeltouren im Meer vor England, benötigt man keinerlei Lizenzen. Also weder einen Angelschein, noch einen Erlaubnisschein oder ähnliches. Rauf aufs Boot und angeln. Fertig!

Aber Vorsicht: Fleischmacher sind in England fehl am Platz. Alle Rochen, Hai und Conger werden ausnahmslos zurückgesetzt, da verstehen die Engländer keinen Spaß.

Dorsch, Leng und Pollack, sowie Plattfisch kann man zum Verzehr mitnehmen.

Grundsätzlich ist man wie überall im Ausland Gast und sollte sich auch so verhalten. Man ist mit fremden Leuten an Bord und das erfordert ein gewisses Maß an Rücksicht, was die Engländer auch vorleben. Die Hilfsbereitschaft unter den Anglern und eine nette, lustige Grundstimmung an Bord der Charterboote sind auch einer der Gründe, warum ich mich so für das Meeresangeln in England begeistern kann. Von den englischen Angelkollegen auf den Charterbooten haben ich über die Jahre extrem viel über das Meeresangeln lernen dürfen und so mancher Tipp hat mich auch an der Ostsee oder in Norwegen ein ganzes Stück weitergebracht.

Wenn jemand an Bord einen schönen Fisch erwischt, wird auf dem Boot übrigens mit einem „well done“ gratuliert.

Englische Zeitschriften zum Meeresangeln

Ein Tipp für jeden der sich umfassend für das Meeresangeln interessiert sind die englischen Zeitschriften für Meeresangler. Dort werden Zielfische und Methoden sehr gut und tiefgängig erläutert. Der Kauf des aktuellen „Sea Angler Magazine“ gehört für mich zu jedem England-Trip dazu.

meeresangeln seaanglerGute Informationsquelle: Meeresangelmagazine aus England sind immer einen Blick wert!

Ich kann jedem der einmal etwas anderes Meeresangeln erleben möchte, empfehlen das Fischen an der Südküste Englands einmal auszuprobieren, ihr werdet nirgends in Europa eine professionellere Bootsflotte finden.

In diesem Sinne- tight lines wie der Engländer sagt .

Patrick Legien

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Kommentare  

Abseits dessen, was man allüberall vom Meeresangeln liest. Toller Artikel! Danke Patrick Legien! Super!
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Sehr schön geschriebener Artikel! Bin selber dieses Jahr Anfang September an der Südküste für 14 Tage und schon irre gespannt, was mich erwartet... Habe meine Erfahrungen vor der Küste nur während meiner Seefahrtszeit erlangt. Das war aber kein gezieltes Fischen auf eine spezielle Art. Mit einem norwegischen Paternoster Makrelen und Schellfisch gefangen. Hat aber sehr viel Spaß gemacht...
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Danke für den wundervollen Bericht.
Da bekommt man richtig Lust, einmal gen Westen zu reisen.
Würde mich gern einer Truppe anschließen, weil....
ich der englischen Sprache nicht mächtig bin
und mit dem Linksverkehr dort nicht zurecht komme.
Mich würde das Inshore fishing auf Plattfische ganz besonders interessieren.

Hoffe, daß sich jemand melden wird und so eine Reise organisiert.
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