001 teaser3 stefan angelbeginn

Es war eine lange Durststrecke, bevor ich 2021 wieder ans Wasser kam. Den halben Dezember und den ganzen Januar bis Anfang April hielt mich ein mehrwöchiger Sportwettkampf in Atem. Letztlich verlief der ganz erfolgreich, war aber zeitlich auch sehr aufwändig. Aber umso mehr zog es mich jetzt ans Wasser. Da kam mir ein alter Bekannter vom Renkenfischen ganz recht:

Er lud mich zum legendären Schleppfischen auf Seeforellen am Biggesee im Sauerland ein.

Was wurden in der Vergangenheit dort für tolle Fische gefangen, aus ganz Deutschland kamen die Angler früher Mitte März an den großen Stausee. Für mich persönlich immer noch Traumfische, trotz nun doch schon mehrjährigen Versuchen, unter anderem an einer anderen Trinkwassertalsperre 4 Jahre lang vom Ufer aus, habe ich noch keine Seeforelle über 50cm, geschweige denn einen der richtig großen Fische über 10 Pfund gefangen. Einer der wenigen Fische, die mir noch fehlen in der Fangstatistik. Und das, obwohl es mit den auch als schwierig geltenden Meerforellen und Lachsen schon beim ersten Versuch geklappt hatte.
Mittlerweile ist es allerdings allgemein im Sauerland auch sehr viel schwieriger geworden, die begehrten Groß-Salmoniden zu fangen. Wenn überhaupt, lohnt es auch nur im zeitigen Frühjahr, wenn die Fische bei noch kaltem Wasser flach ziehen. Und man braucht ohnehin ein Portion Anglerglück. Darüber aber später mehr.

Das erste mal richtig Schleppfischen auf Seeforellen

Früh fand ich mich an der Slipstelle ein, wo mein Freund das Boot bereits ins Wasser bugsiert hatte. Einfach Ruten mitbringen und einsteigen, das hatte schon was. Alles andere war an Bord. Und so begaben wir uns auf eine letztlich elfstündige Fahrt rund um und über die Bigge. Das Wetter war uns gnädig – vielleicht für die Fangaussichten zu gnädig - , es schien bei wenig Wind größtenteils die Sonne. Ich lernte erst mal viel über die richtige Schleppfischerei im Süßwasser.
Zwar hatte ich an meinem Hausgewässer immer mal wieder Wobbler geschleppt und durchaus einige gute Hechte erwischt, aber was mir hier präsentiert wurde, war schon professionell und das kannte ich zum Teil noch nicht. Es ist für mich immer wieder wichtig, mit Experten für eine Angelart ans Gewässer zu gehen, zu sehen, zu hören und alles aufzusaugen. So lernt man immer am meisten, da helfen mir auch alle Videos und Texte, Bücher etc. nichts. Und ich bin immer neugierig auf neue Arten zu Angeln.

Köderfisch am System: Toppköder zum Schleppen auf Seeforelle

So sah ich zum ersten mal live, wie tiefgefrorene Köderfische (Kleine Maränen) an einschlägigen Schleppsystemen befestigt werden und wie schön diese im Wasser laufen. Nach Aussagen meines Angelfreundes DER Top-Köder auf Seeforellen! Oder wie Sideplaner sinnvoll eingesetzt werden, vor allem, wenn man zu zweit in einem Boot mit den erlaubten vier Ruten fischen möchte.

1 stefan angelbeginn gefrorene maraene als koederAls Köder fürs Schleppsystem dienten gefrorene Kleine Maränen. Zwei unserer Ruten liefen außen mit Sideplaner und toten Kleinen Maränen am Stockersystem, mittig ließen wir kleine blaue Wobbler und Löffel spielen. Das ganze sehr flach angeboten im Bereich der Wasseroberfläche.

2 stefan angelbeginn wobbler und maraeneWobbler und Kleine Maräne am System - die Köder der Wahl
3 stefan angelbeginn schleppen sideplannerDer Sideplaner bei der Arbeit
Schleppangeln mit E-Motor ist nun eine geruhsame Angelei. Da ich auch nicht steuern brauchte, konnte ich das herrliche Panorama des großen Sees genießen. Wir fuhren nahezu alle erreichbaren Ecken ab, über tiefem, über flachem Wasser, an Büschen und Bäumen vorbei, ohne jedoch einen einzigen Biss zu haben. Spannend war es trotzdem, das Echolot zeigte uns die riesigen Fischvorkommen von Kleinen Maränen und die drumherum stehenden dicken Räuber. Unglaublich, wie viel Fisch dort in der Tiefe stand. Übrigens auch ein Grund, warum die Räuber zunehmend schlechter mit der Angel gefangen werden, sie haben genug zu fressen und das immer klarere Wasser macht u. a. das Kunstköderangeln immer schwieriger. Das gilt wohl für fast alle Talsperren im Sauerland.

4 stefan angelbeginn schlafende loreleiAuch an der – schlafenden - „Lorelei“ ging es vorbei

Eine Seeforelle wurde gefangen

Dann wurde es doch unruhig, als direkt vor uns jemand eine Seeforelle fing, die so um die 70cm war. Kurz sahen wir Drill und Kescher. Es war wohl der einzige Fisch an diesem Tag, obwohl doch eine Reihe Boote unterwegs waren.

Und dann wurde es auch schon Abend und mit dem Sonnenuntergang legten wir wieder an.

5 stefan angelbeginn sonnenuntergangEin herrlicher Sonnenuntergang


Schleppsystem selbst gebaut

Nach der Tour folgte gleich die Aufarbeitung und die Umsetzung. Mein Hausgewässer ist ja quasi eine der Vorsperren der Bigge und auch dort hausen große Seeforellen. Da will ich es auch noch einmal mit geschleppten Naturködern am System probieren. Da ich aber weder Sideplaner noch System besaß, mussten erstmal welche gesichtet und bestellt werden. Da ich aber auch gerne selber bastele und die Systeme doch teuer sind, habe ich mir ein Köderfischsystem selbst gebaut. Etwas Messing, Kupferblech, Edelstahldraht hartgelötet und mit Drillingen bestückt.

6 stefan angelbeginn selbstgebasteltes koederfischsystemStefans selbst gebasteltes Schleppsystm


Der Versuch, Kleine Maränen als Köderfische fangen

Dann waren da noch die Köderfische. Da ich keinen Vorrat aus dem letzten Jahr besitze, wie die Profis, musste ich mir erst welche fangen.
Als ich das erste mal dies Jahr im eigenen bzw. geliehenen Boot saß, ließen mich die Fische aber im Stich.
Dazu muss zunächst noch erwähnt werden, dass mein eigenes Boot noch auf dem Bootsplatz an Land ruht. Wegen der Pandemiebestimmungen dürfen wir vom Angelverein aus den Steg momentan nicht aufbauen. Die schweren Teile, die seit Herbst am Ufer liegen, bedürfen einer größeren Gruppe von mindestens zehn starken Männern, diese dürfen nicht zusammenkommen. Und das, wo wir dies Jahr eigentlich schon am 6. März starten wollten. Der Wasserstand ist auch so hoch, dass kein schweres Gerät eingesetzt werden kann. Glücklicherweise hat ein Angelfreund aber sein Boot am Nachbarsteg liegen und stellt mir sein Boot bei Bedarf zur Verfügung.

Ich hatte also gehofft, mit der Hegene Kleine Maränen zu fangen, aber an diesem ersten Angeltag auf meinem Hausgewässer biß es auch auf Hegene sehr schlecht. Das Wasser hatte um 8 Grad. Eine größere Maräne und viele kleine Barsche waren die magere Ausbeute.

7 stefan angelbeginn grosse maraeneEine etwas größere Maräne
8 stefan angelbeginn barschAuch ein kleinerer Barsch widerstand der Nymphe an der Hegene nicht
9 stefan angelbeginn hegeneNymphen an der Hegene

Hecht statt Seeforelle

Das Schleppen musste also mit Kunstköder erfolgen. Auf meinem See ist der E-Motor verboten, und so ruderte ich ausdauernd mit meinen zwei flachlaufenden, kleinen blauen Wobblern. Und dann kam tatsächlich noch der Einschlag! In einem Meter Wassertiefe über 17m über Grund stiegt ein schöner Fisch ein. Ich war sofort sicher: dies ist meine erste große Seeforelle! Der Drill fühlte sich gut an, aber was dann ans Boot kam, war wieder mal ein dicker Hecht. Schon im letzten Jahr hatte ich auf Spinner direkt unter der Oberfläche und im zwanzig Meter tiefen Seeteil einen 11-Pfünder an der Schnur und auch da zunächst von der dicken Seeforelle geträumt… Ich konnte den Fisch, der ja noch Schonzeit hatte, direkt im Wasser abhaken und schwimmen lassen.

10 stefan angelbeginn hechtEin dicker Hecht statt der erhofften Seeforelle

Tag 3: Schleppen und Angeln mit der Hegene

Der dritte Angeltag sollte also mangels Köderfischen dann noch einmal mit Kunstköder stattfinden. Es war wieder Winter geworden, auf dem Steg lagen ca. zehn Zentimeter Neuschnee.

11 stefan angelbeginn boot mit schneeEs gab nochmal Schnee

Die Wassertemperatur war auf 6,1 Grad gefallen. Vermutlich durch Schmelzwassereintrag wurde es entgegen sonstiger Verhältnisse zur Sperrmauer hin wärmer.
Ich schleppte ab dem frühen Morgen wieder meine zwei kleinen Wobbler dicht unter der Wasseroberfläche und ruderte, und ruderte und ruderte. Dann suchte ich erst einmal die Maränen. Leider waren die Fische trotz Echolot fast unauffindbar. Ein Freund hatte mir schon berichtet, wie auch er vergeblich die Renken gesucht hatte. Ein einziger zaghafter Biss, das war die Ausbeute einiger Stunden. Dafür wurde ich von zwei Enten und zwei richtig aufdringlichen Schwänen belagert. Irgendein Angler wird die ordentlich angefüttert haben. Ich hatte ja schon vor vier Jahren mal eine Ente als Gast, die bisweilen sogar ins Boot kam und sich auf dem Bug ausruhte.

12 stefan angelbeginn schwaeneSchwäne......13 stefan angelbeginn stockenten... und Enten begleiteten die Schleppangler
Mittag war schon lange vorbei, da verzweifelt ich schon. Sollte ich zum allerersten Mal in den 5 Jahren hier an diesem See Schneider bleiben?? Schon hatte ich mich damit abgefunden, als ich es ganz in der Nähe des Bootsstegs doch noch einmal probierte und es in 10 Metern Tiefe mit der Hegene und Zupfrute versuchte. Und man glaubt es kaum: ohne ein richtiges Echo gesehen zu haben, plötzlich ein Biss. Kurzer, präziser Anhieb und ein guter Fisch zog seine Kreise. Plötzlich und unerwartet konnte ich dann ein dickes Blaufelchen keschern. Und dabei bleib es nicht. Obwohl kein Schwarm zu sehen war, kamen immer wieder in Abständen Fische vorbei und der eine oder andere nahm die Nymphe. So konnte ich noch 9 gute Fische fangen, von denen alle über 30cm groß waren. Leider musste ich aufhören, als es am besten war, denn ich hatte zuhause eigentlich versprochen, früh wieder da zu sein. Allerdings waren wieder keine geeigneten Köderfische an Bord gekommen. Und so gab es seit langem mal wieder Felchen Müllerin gebraten.

14 stefan angelbeginn grosse maraenen am steg
Stefan freut sich über tolle Renken15 stefan angelbeginn grosse maraene vorbereitetGeschuppt und vorbereitet für die Pfanne
16 stefan angelbeginn grosse maraenen fertig zum essenEine prächtige Renke fertig zum Essen!

 


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