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In der Nacht vom 19. 10. 2020 hat der EU-Ministerrat über das Baglimit 2021 und die Fangquoten der Berufsfischrei entschieden:
Beim Westdorsch 5 Dorsche pro Angler pro Tag im Jahr 2021. Es bleibt auch bei 2 Dorschen in Februar/März.
5 % mehr Quote für Berfufsfischerei beim Westdorsch. Beim Ostdorsch bleibt das Fangverbot bestehen.
Für Deutschland führte die Verhandlungen das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit Ministerin Julia Klöckner.

Fakten: Das Dorsch-Baglimit 2021 im Detail!

Das Baglimit 2021 für Dorsche in der westlichen Ostsee (ICES 22 - 24, das betrifft Angler und Angeltourismus in Deutschland) wurde am 19/20. Oktober 2020 vom EU-Ministerrat festgelegt auf:

5 Dorsche pro Angler pro Tag
(im Februar und März nur 2 Dorsche pro Angler pro Tag, in ICES 24 angeln nur bis 6 sm von der Basislinie)
Beim Ostdorsch bleibt es bei den bisherigen Fangverboten.

Quotentabelle ohne Angler/Freizeitfischerei: Council agreement on 2021 catch limits in the Baltic Sea

Aus der Pressemeldung der EU:

"Maintain the ban on recreational fisheries of Eastern Baltic cod, and maintain the reduced bag limit for Western Baltic cod recreational fisheries."
=
Fortführung des Verbotes der Freizeitfisherei (Angeln) beim Ostdorsch, Fortführung des Baglimits beim Westdorsch

Das ist die erste mir übermittelte Pressemeldung von heute Nacht.

Sobald weitere Details oder Statements vorliegen, werde ich euch informierern.

Die 5 wichtigsten Fragen und Antworten zum Baglimit auf einen Blick.

FrageAntwort
Wie hoch ist das Baglimit 2021 für Dorsche in der Ostsee?Das Tagesfanglimit für die Freizeitfischerei (Angler) beträgt 5 Dorsche pro Angler pro Tag. Im Februar und März dürfen nur 2 Dorsche pro Angler pro Tag gefangen werden.
Wo ist das Baglimit 2021 gültig?Das Baglimit für Westdorsch ist gültig in den ICES Gebieten 22, 23 und 24. Das betrifft die westliche Ostsee und damit im Wesentlichen nahezu alle von deutschen Anglern angesteuerten Angelplätze an der deutschen Ostsee sowie in Dänemark ( siehe auch untenstehende Karte ).  Beispielsweise:
Heiligenhafen, Fehmarn, Rügen, Kieler Bucht, Als, Fünen, Kleiner Belt, Kadettrinne, Öresund, Langeland, Eckernförder Bucht, Flensburger Bucht usw.
Ab wann ist das Baglimit 2021 gültig?Das im Oktober 2020 beschlossene Baglimit für Dorsche in der Ostsee ist ab dem 01.01.2021 gültig.
Das Baglimit bezieht sich immer auf einen Kalendertag, das ist vor allem für Brandungsangler relevant, da nach 0.00 Uhr ein neuer Kalendertag beginnt.
Wird das Baglimit kontrolliert?Ja, das Baglimit wird von den einzelnen Mitgliedsstaaten stichprobenartig kontrolliert.
Gibt es auch für andere Fischarten ein Baglimit in der Ostsee?Nein, in der Ostsee gibt es aktuell kein Baglimit für andere Fischarten. Ggf. kann es aber spezielle oder verschärfte Fangeschränkungen durch Mitgliedsstaaten geben. Ein Beispiel dafür ist z.B. das Fanglimit für Lachse und Meerforellen in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns.



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Einordnung: Wie sind Fangquoten und Baglimit für 2021 zu bewerten?

Wegen der weiterhin positiven Entwicklung beim Dorschmanagement in der westlichen Ostsee wurde für die Fischerei auf Grundlage der wissenschaftlichen Zahlen des  Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) Erhöhung der Fangmengen bei  Dorsch um 21,8% vorgeschlagen. Die EU-Kommission hat demgegenüber eine weitere Quotensenkung vorgeschlagen.

Eine Abschaffung des Baglimit, aber mindestens ein ganzjähriges Baglimit von 7 Dorschen pro Tag und Angler bei gleichzeitigem Verbot der Schleppnetzfischerei um die Laichzeit war für den ökologisch wie ökonomisch nachhaltigen Angeltourismus die Forderung.

Dass es keine Bewegung beim Baglimit gab sondern nur das sogenannte "Rollover" (Fortführung des Baglimits wie im Jahr zuvor) ist genauso bedauerlich , wie die weitere Möglichkeit des Fischens mit Schleppnetzen für die Berufsfischerei rund um die Laichzeit der Dorsche.

Dass die ökonomisch gegenüber dem Angeltourismus unwichtige und ökologisch bedenkliche Berufs- und Schleppnetzfischerei eine Quotenerhöhung um 5%  bekommt, während beim ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Angeln und Angeltourismus alles bei den bisherigen Einschränkungen bleibt, ist weder aus fachlicher noch aus politischer Sicht nachvollziehbar.

Nachhaltigkeit unerwünscht - keine Förderung des schonenden Angeltourismus!

verteilung FängeAngler entehmen deutlich weniger Fisch als die Berufsfischerei
Die Gesamtfänge der Freizeitfischerei auf Dorsch betragen im Mittel der letzten 3 Jahre (2017-2019) lediglich 27,5% der Gesamtanlandungen (kommerzielle Fischerei und Freizeitfischerei. (Quelle WiSH "Baglimit Dorsch Ostsee 2021: Gemeinsame Forderung der Angeltouristiker an Berlin und EU", Dr. Zimmermann vom Thünen Institut spricht aktuell von nur "22%").

Zahlen zu unerlaubten Rückwürfen der Berufsfischerei an untermaßigen Dorschen sind dabei weder überliefert noch berücksichtigt. Ursache könnte da auch die von Dr. Zimmermann vom Thünen Institut angemerkte zu geringe Kotrolldichte sein.

Ein Problem sei die unzureichende Kontrolle der Fangquoten, sagt Zimmermann. So kämen in Mecklenburg-Vorpommern auf 340 Fischer und über 110 Anlandeorte nur 35 Inspektoren. Größere Schiffe würden per Satellitentechnik überwacht und müssten über jeden Fang Logbuch führen, bei den kleineren Booten unter acht Meter Länge sei der Kontrolldruck aber minimal, weil sie nur einmal im Monat angeben müssten, wann sie wo und was gefangen haben.

»Für eine zukunftsfähige Fischerei brauchen wir dringend bessere Daten, auch von den kleineren Booten«, sagt Zimmermann.
Quelle Spektrum.de, "Wider den letzten Fisch im Netz"

Obwohl die Angler nur für einen kleinen Teil am Fang beim Dorsch verantwortlich sind, erwirtschaften sie deutlich mehr volkswirtschaftlichen Umsatz und ernähren somit deutlich mehr Arbeitnehmer und deren Familien. Die verbliebenen Fischer erzielen beim Verkauf ihre Fanges (bei fast 80 % des Dorschfanges gesamt momentan) nicht einmal einen zweistelligen Millionenbetrag jeweils in der schleswig-holsteinischen Ostsee und der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern
(Quellen: Jahresbericht des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) Schleswig Holstein und Fangstatistik der Kl. Hochsee- und Küstenfischerei M-V 2019 Fanggebiete: Küstengewässer und Ostsee).

Hinzu kommt, dass es immer weniger Fischer mit immer weniger Mitarbeitern gibt, welche die erlaubte Quote unter sich aufteilen.

Dagegen würde der Angeltourismus bei vernünftiger Förderung großes wirtschaftliches Potential mit vielen Arbeitsplätzen bei gleichzeitig nachhaltiger Nutzung der Dorschbestände durch geringe Fangmengen (natürliches Baglimit) bieten. Das Umsatzvolumen des Angeltourismus an der Ostsee wird bereits bei den jetzt schlechten Bedingungen auf ca. 200 Millionen pro Jahr bei ungefähr 4.000 Arbeitsplätzen geschätzt (Hochrechnungen und Schätzungen laut WiSH e.V./ Thünen Institut).

  Angler unterliegen einem natürlichen Baglimit!

Angler können nur vorhandene UND aktive Fische fangen, die mit ineffektiven Methoden und Ködern zudem erst überlistet werden müssen.
Ein natürliches Baglimit, das automatisch jeglicher Überfischung vorbeugt.
Angler können daher niemals einen Dorschschwarm komplett vernichten, wie es die Berufsfischerei mit den Schleppnetzen und der modernen Technik gerade um die Laichzeit herum problemlos schafft.

Angeltourismus leidet weiter

Schon 2020 hatte der Angeltourismus durch rigide Maßnahmen während der Corona-Maßnahmen im Frühjahr schwer gelitten - daraus resultieren auch ca. 500 Tonnen Minderfänge der Angler (Schätzungen WiSH e.V.). Schon alleine nur der Ausgleich dieser Mindermenge aus 2020 für 2021 würde ungefähr einem Baglimit von ganzjährig 6 Dorschen pro Angler und Tag entsprechen.

Die Forderungen seitens des Angeltourismus an der Ostseeküste waren daher klar. Netzwerker Lars Wernicke hat für und mit WiSH e.V. , dem Verband der Hochseeangel- und Bäderschiffe, EGOH und angeltouristischen Betrieben aus Mecklenburg dazu Forderungen für Angler, Angeln und Angeltourismus erarbeitet, die Argumente dargelegt, veröffentlicht und sich auch damit an die Politik gewandt :

  • Baglimit für Angler abschaffen, mindestens aber für 2021: 7 Dorsche pro Angler und Tag ganzjährig

  • Stopp der Schleppnetzfischerei mindestens von 01. Januar bis 31. März jeden Jahres zur Vermeidung von Störungen des Laichgeschäftes der Dorsche


Baglimit Dorsch Ostsee 2021: Gemeinsame Forderung der Angeltouristiker an Berlin und EU

Was hat die Politik getan?

Da Deutschland aktuell die Präsidentschaft beim EU-Rat innehat, würden sich hier viele Möglichkeiten bieten, den Angeltourismus an der deutschen Ostsee zu stützen und zu fördern. Ich fragte daher bereits im Vorfeld der EU-Verhandlungen beim für die Verhandlungen zuständigen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft von Ministerin Klöckner (CDU) nach.

Leider war die Antwort so klar wie eindeutig und zeigte, dass das Ministerium anscheinend die Fakten zu Fangzahlen und Wirtschaftlichkeit von Berufsfischerei und dem nachhahltigen Angeltourismus nicht kennt.

Das Ministerium stellt klar, dass deren Interesse der Fischerei gilt - darunter zählen sie aber auch den Angeltourismus, der als okölogisch und ökonomisch nachhaltige Nutzung nichts mit der normalen Berufsfischerei oder gar mit der Schleppnetzfischerei zu tun hat.

Das Ministerium meint trotz der klaren Fakten und Hinweise in meinen Anschreiben über die ökologischen und ökonomischen Vorteile des Angelns und der bisherigen Benachteiligung der Angler und des Angeltourismus gegenüber der Fischerei, dass Angler noch weitere Einschränkungen hinnehmen müssten. Dabei hält das Ministierum für Angler auch an der Laichschonzeit fest, obwohl es dafür keine wissenschaftliche Grundlage gibt.

Der Vorschlag der EU-Kommission, die Tagesfangmenge der Freizeitfischerei („bag limit“) auf fünf Dorsche außerhalb und zwei Dorsche während der Schonzeit zu begrenzen, ist vor diesem Hintergrund angemessen, da auch die Freizeitfischerei ihren Beitrag für eine Bestandserholung leisten muss.

Eine Fortführung der Laichschonzeiten für Dorsche halten wir als Ministerium ebenso für angemessen. 

Gleichzeitig sprechen sie beim Thema Schleppnetze nur über die Nordsee und einzelne Schutzzonen in der Ostsee, statt sich für das so dringend für den Dorschbestand notwendigen generellen Verbotes der Schleppnetzfischerei rund um die Laichzeit der Dorsche in der Ostsee einzusetzen.

Im Rahmen der Meeresschutzgebiete wird dabei ein Verbot der bodenberührenden Schleppnetze ins Auge gefasst.

Das Statement aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium ist darüber hinaus besonders bemerkenswert, weil ein Großteil der Zahlen zu den Dorschfängen und den damit erzielten Umsätzen auch vom Thünen Institut kommen, welches auch vom Ministerium finanziert wird (80 - 90 Millionen Euro jährlich laut BMEL). Das Ministerium scheint also die Zahlen des Thünen Instituts zu ignorieren, aus welchen man die ökologische Nachhaltigkeit und die wirtschaftlichen Vorteile des Angelns und des Angeltourismus gegenüber der Berufs- und Schleppnetzfischerei deutlich ableiten kann.

CDU-Politiker eingebunden

Aufgrund der negativen Antwort des Ministeriums habe ich dem Angeln positiv gegenüberstehende Politiker der CDU angeschrieben. In der Hoffnung, dass diese bei ihrer Parteifreundin und Ministerin bzw. deren Mitarbeitern etwas Einsicht bei Fakten und Dringlichkeit zur Förderung des Angelns und Angeltourismus erreichen zu können. Auch wenn es schon spät war, war das die Hoffnung, bei der Ministerium und ihren Mitarbeitern noch etwas zugunsten des ökologisch und ökonomisch so nachhaltigen Angeltourismus erreichen zu können. 

Dazu dann die Politiker.

Niklas Herbst, CDU, Europaabgeordneter und Mitglied des Fischereiausschusses des EU-Parlamentes :

Niclas Herbst sagte zu, sich bei der Ministerin nochmal einzusetzen, insbesondere im Hinblick auf die Minderfänge der Angelr wegen Corona in 2020

Durch die COVID-19 Krise ist viel an Wassertourismus- und Angeltätigkeiten in diesem Jahr ausgefallen. Eine moderate Erhöhung des Baglimits ist daher verantwortbar.

Ingo Gädechens, CDU, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Ostholstein:

Das Büro von Ingo Gädechens hat sich umgehend gemeldet und Hilfe zugesagt und wollte Fischereipolitiker der Union informieren und um Hilfe bitten.
Das alles, obwohl er momentan voll im Verteidigungsausschuss des Bundestages eingespannt ist.
Fischerei und damit auch die Dorschquote ist zudem nicht das Fachgebiet von Ingo Gädechens.
Aber wenn wie hier die Angler und der so wichtige Angeltourismus seiner Heimat Ostholstein betroffen sind, steht er dennoch sofort zur Verfügung.
Das hat Ingo Gädechens schon bei der ersten Anglerdemo auf Fehmarn bewiesen, wo ich ihn kennen lernen durfte.

Dr. Michael von Abercron, CDU, fischereipolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion:

Herr Dr. von Abercron antwortete per Mail:

Sehr geehrter Herr Finkbeiner!

Ihre Anfrage kommt etwas spät, denn unser Ausschuss hat bereits am 7.10. getagt, danach sind auch die Parlamentarier und auch ich in den Herbstferien, so dass mich Ihre Anfrage erst heute erreicht hat!

Unser MdEP und ich haben mit den betroffenen Verbänden bereits vor vier Wochen die Positionen erörtert und versucht die bestmöglichen und realistischen Lösungen herauszuarbeiten. Ein Bag-Limit von 7 wäre zwar wünschenswert, ist aber auch unter den aktuellen Gegebenheiten nur schwer umsetzbar, nachdem die letzten Laichjahrgänge wohl vollständig ausgefallen sind.

Eine Variante wäre ganzjährig 6 außerhalb der Schonzeiten, würde man den Angelkutterbetreibern gleiche Stilllegungsprämien bezahlen wie der Berufsfischerei. Dazu müsste der Europäische Fischereifonds geändert werden, was eher als schwierig eingeschätzt wurde.

Trotzdem würde ich eine solche Variante bevorzugen, was ich auch in der Ausschusssitzung zum Ausdruck gebracht habe. Insbesondere das Bag-Limit von 2 während der Wintermonate halte ich für problematisch!

Für die Berufsfischerei halte ich eine moderate Senkung der der Westdorsch-Quoten bei Einhaltung der Schonzeiten für angemessen.

Mit besten Grüßen Dr. Michael von Abercron

Hintergründe zu Baglimit und Fangquoten in der Ostsee

Das Ringen um die Fangquoten in den europäischen Gewässern ist ein komplexes Verfahren welches wir nachfolgend versuchen zu erläutern.

Wie wird das Baglimit für Angler festgelegt?

Die Festlegung des Baglimit beim Dorsch für Angler folgt einem immer gleichen Prozedere. Der ICES gibt auf Grund der Zahlen, welche wissenschaftliche Institute wie z. B. das Thünen-Institut für Ostseefischerei ermitteln, eine Empfehlung für die Fangmengen an die EU-Kommission und die DG MARE.

Ziel ist es, die durch die EU festgelegten mehrjährigen Bewirtschaftungsplanes beim Dorsch in der Ostsee einzuhalten. Die Kommission macht daraus einen Vorschlag an den Ministerrat der EU, wie hoch die Quote der Fischerei sein sollte und in welchem Umfang Angler und Angeltourismus berücksichtigt werden sollten.

Sobald der Vorschlag im Raum steht, versuchen Verbände und Lobbyisten für ihre jeweilige Klientel das beste Ergebnis zu erreichen. Das sind z. B. der VDKK e.V. für die Kutterfischer oder Netzwerker Lars Wernicke für den Angeltourismus über WiSH e.V. oder der DAFV (der für Angler darüber hinaus noch zusätzliche Beschränkungen fordert).

Mitte Oktober wird dann auf den Tagungen des Ministerrates sowohl die Quote für die Berufsfischerei wie auch das Baglimit für Angler für das Folgejahr festgelegt.

Geschichte des Baglimits für Dorsche

Jahrzehntelang spielten die Angler und ihre Fänge beim Management der gewerblich genutzten Fischbestände in den Meeren der EU keine Rolle – auch der Dorsch in der Ostsee nicht. Dann wurden auf Grund der Schätzungen und Hochrechnungen der Dorschbestände in der Ostsee die Quoten der Berufsfischerei immer mehr eingeschränkt. Vom Bundeslandwirtschaftsministerium wurde auf Grundlage einer EU-Vorgabe das Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock beauftragt, die Anglerfänge zu definieren und verschiedene Managementoptionen auszuarbeiten.

Mit daraus resultierte dann, dass 2016 das erste Baglimit für Dorsch von der EU für das Jahr 2017 beschlossen wurde.

Das Baglimit für Angler im Vergleich zu den Vorjahren:

Baglimit 20175 Dorsche pro Tag, 3 Dorsche pro Tag in den Monaten Februar und März
Baglimit 20185 Dorsche pro Tag (die Schonzeit für Berufsfischer wurde wegen der guten Bestände aufgehoben, es gab es auch kein geringeres Limit in Februar/März für Angler)
Baglimit 20197 Dorsche pro Tag
Baglimit 2020

5 Dorsche pro Tag, 2 Dorsche pro Tag in den Monaten Februar und März

Baglimit 20215 Dorsche pro Tag, 2 Dorsche pro Tag in den Monaten Februar und März

Anhänge, Quellen, Begriffserklärungen

ICES

Der International Council for the Exploration of the Sea wurde am 22. Juli 1902 in Kopenhagen von acht europäischen Ländern gegründet: Dänemark, Finnland, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Russland und Großbritannien. Erster Präsident des Rates war 1902–1908 der Deutsche Walther Herwig. 

Mehrjahresplan

Es gibt für verschiedene Meeregebiete mehrjährige Bewirtschaftungspläne für gewerblich genutzte Fischbetsände in den Meeren der EU
Der Ministerat hat am 6. Juli 2016 den mehrjährigen Bewirtschaftungsplan für Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee angenommen. Dieser Bewirtschaftungsplan ist der erste Mehrjahresplan, der im Rahmen der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) angenommen wurde. 
VERORDNUNG (EU) 2016/1139 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES zur Aufstellung eines Mehrjahresplans für die Bestände an Kabeljau, Hering und Sprotte in der Ostsee sowie für die Fischerei auf diese Bestände zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1098/2007 des Rates

EU-Kommision, DG Mare

Die Europäische Kommission, kurz EU-Kommission, ist ein supranationales Organ der Europäischen Union. Im politischen System der EU nimmt sie vor allem Aufgaben der Exekutive wahr und entspricht damit ungefähr der Regierung in einem staatlichen System.
Die Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei (DG MARE oder GD MARE) ist eine Generaldirektion der Europäischen Kommission. Sie ist dem Kommissar für Umwelt, Maritime Angelegenheiten und Fischerei zugeordnet.

Mailverkehr mit dem Ministerium

Meine Fragen an das Ministerium und die Ministerin:

Sehr geehrte Frau Ministerin Klöckner,

die Gespräche zu den Dorschquoten in der Ostsee und des Baglimits für Angler bei der EU (Rat für Landwirtschaft und Fischerei, 19. und 20. 10. 2020) stehen laut Pressemeldung der EU wieder an.

Die Bewirtschaftung der Bestände durch Angeln und Angeltourismus stellt die einzig nicht bestandsgefährdende und wirklich nachhaltige Nutzung der Dorschbestände dar. Laut Thünen Institut tragen die Angler nur einen geringen Teil zur fischereilichen Sterblichkeit bei. Dennoch wurden in den vergangenen Jahren immer die Angler und der Angeltourismus zugunsten der Berufsfischerei bei den Verhandlungen mit der EU stark benachteiligt.

Die Erträge der Berufsfischerei in der Ostsee liegen im eher einstelligen Millionen-Bereich für vergleichsweise wenige Betriebe und Mitarbeiter bei einer immer noch exorbitanten Fangmenge. Beim Angeltourismus sind es für unzählige Betriebe und ca. 4.000 Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen laut Thünen Institut um die 200 Millionen Euro volkswirtschaftlicher Ertrag jährlich bei vergleichsweise wenig Fangmenge.

Verbände und Vertreter des Angeltourismus (WiSH, Erlebnis Meer, Verband der Hochseeangel- und Bäderschiffe e.V.) setzen sich daher für eine Aufhebung des Baglimits ein, fordern gleichzeitig die Anhebung des Baglimits pro Tag und Angler auf mindestens 7 Dorsche ganzjährig.

Ursächlich für den Großteil der fischereilichen Sterblichkeit ist in erster Linie die Berufsfischerei, insbesondere die auch von vielen Umwelt- und Naturschutzverbänden kritisierte Schleppnetzfischerei. Zudem stört die Schleppnetzfischerei laut verschiedenen internationalen Studien das Laichgeschäft der Dorsche. Daher sollte seitens der Politik über ein Verbot der Schleppnetzfischerei in der westlichen Ostsee entschieden werden, mindestens jedoch ein Verbot der Schleppnetzfischerei vom 01. Januar bis 31. Mai eines jeden Jahres. Nur so ist ungestörtes Laichen der Dorsche zu ermöglichen.

Zudem können Angler nur aktive Fische fangen und haben so immer ein natürliches Baglimit und der Anteil an der fischereilichen Sterblichkeit ist eher zu vernachlässigen. Die Schleppnetzfischerei kann hingegen einen Bestand an den Rand des Zusammenbruchs bringen.

Die aus der COVID19 resultierenden Minderfänge der Angler (alleine 2020 ca. 500 Tonnen) dürfen keinesfalls der nachgewiesen nicht nachhaltigen Berufsfischerei, gerade nicht der schädlichen Schleppnetzfischerei zugeschlagen, werden.

Dazu unsere Fragen:

Mit welchen Forderungen/ Zielen geht die Bundesrepublik (BMEL) in die Gespräche bei der EU?

 

Werden Sie sich für die Abschaffung des Baglimits zur Stärkung des ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Angelns und des Angeltourismus und für ein Schleppnetzverbot rund um die Laichzeit der Dorsche zur Bestandssicherung (01. Januar bis 31. Mai jeden Jahres mindestens) einsetzen?

Fragen wie Antworten sind zur Veröffentlichung gedacht.

Wir würden uns freuen, wenn sie die Fragen bis 16. 10. 2020 beantworten könnten.

Mit freundlichen Grüßen und bleiben Sie gesund,

 

Thomas Finkbeiner

Die Antwort aus dem Ministerium

Sehr geehrter Herr Finkbeiner,

recht herzlichen Dank für Ihre Anfrage zum Thema Fischereiquoten. Sehr gern will ich Ihnen Ihre Fragen zusammenfassend beantworten.

Bei den Verhandlungen über die Quoten und die zulässigen Gesamtfangmengen 2021 ist es Ziel der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, eine vernünftige Balance zwischen nachhaltiger Bewirtschaftung und Bedürfnissen unserer Fischer zu finden. Das schließt selbstverständlich auch die Freizeitfischerei mit ein – gerade an der Ostsee spielt der Angeltourismus eine wichtige Rolle.

Der Zustand einiger Fischbestände in der Ostsee ist dabei leider noch immer besorgniserregend – was nicht in erster Linie am Fischfang, sondern in großem Maße am Klimawandel und der Eutrophierung der Ostsee liegt. Beim westlichen Dorsch gibt es erste Zeichen einer Erholung der Bestände. Um diese positive Entwicklung nicht zu gefährden, ist aus wissenschaftlicher Sicht aber weiterhin eine Festsetzung der Gesamtfangmenge mit Augenmaß notwendig. Hierüber wird in der kommenden Sitzung der EU-Agrar- und Fischereiminister in Luxemburg zu entscheiden sein.

Der Vorschlag der EU-Kommission, die Tagesfangmenge der Freizeitfischerei („bag limit“) auf fünf Dorsche außerhalb und zwei Dorsche während der Schonzeit zu begrenzen, ist vor diesem Hintergrund angemessen, da auch die Freizeitfischerei ihren Beitrag für eine Bestandserholung leisten muss. Eine Fortführung der Laichschonzeiten für Dorsche halten wir als Ministerium ebenso für angemessen. Wir setzen uns allerdings dafür ein, den Beginn der Schonzeit des westlichen Dorschs nicht auf den Januar zu legen, sondern – so wie bisher – auf die Monate Februar und März zu begrenzen.

Sie sprechen zudem das Thema Schleppnetze an. Hier ist unser Ministerium (BMEL) tätig geworden: Für die Nordsee bestehen bereits zwischen dem BMEL und dem Bundesumweltministerium (BMU) abgestimmte konkrete Pläne, um in bestimmten Schutzgebieten der ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands den Einsatz von bodenberührenden Fanggeräten gänzlich zu verbieten. Dazu zählen auch bodenberührende Schleppnetze. Nach Durchführung der Verbändeanhörung befinden sich diese Pläne derzeit in der Abstimmung mit den EU-Nachbarländern. Wegen der ausschließlichen Zuständigkeit der EU für die Gemeinsamen Fischereipolitik kann Deutschland nicht einseitig Fischereiregelungen ergreifen. Die betroffenen Mitgliedstaaten müssen vielmehr eine gemeinsame Empfehlung an die EU-Kommission übermitteln, die auf deren Grundlage einen Delegierten Rechtsakt mit einschlägigen EU-Regeln erlassen kann. Im Rahmen eines solchen Delegierten Rechtsakt werden für alle EU-Mitgliedstaaten verbindliche Maßnahmen für die Schutzgebiete festgelegt.

In der Ostsee hat die Bundesregierung unter der Federführung von BMU und Beteiligung des BMEL Managementpläne für die dortigen Naturschutzgebiete auf den Weg gebracht. Diese beinhalten ein ökosystemgerechtes Fischereimanagement im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik. Im Rahmen der Meeresschutzgebiete wird dabei ein Verbot der bodenberührenden Schleppnetze ins Auge gefasst.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.



Mit freundlichen Grüßen

im Auftrag


Referat MK 1

Pressestelle


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