750 teaser so wurde ich angler dennis knoll

Es gibt so viele tolle und unterschiedliche Geschichten, wie ein Angler zum Angler wurde. Hier erzählt euch Dennis Knoll seine Geschichte, wie er zum Angler wurde.

So wurde ich Angler - Dennis Knoll, oder "weil ich den Hecht fangen wollte"..

Die meisten Geschichten um die Frage „Wie wurde ich ein Angler“ fangen in etwas gleich an. In der Regel war es der Vater oder Großvater, der einem das Angeln gelehrt und damit infiziert hat. Bei mir hätte es ähnlich laufen können, doch es brauchte fast 30 Jahre, den Verlust zweier Generationen innerhalb meiner Familie und zwei Anläufe, bis ich zum Angler geworden bin. Diese Geschichte möchte ich euch erzählen!

3 Generationen zusammen

750 großvaterMein Großvater. Weit vor meiner Zeit mit einem Hecht aus der Ems
Bei meiner frühesten Kindheitserinnerung handelt es sich um einen wunderschönen Angeltag mit meinen Eltern. Ich muss zwischen 5 und 8 Jahre alt gewesen sein. An einem sonnigen Tag saßen wir zusammen mit vielen anderen Junganglern und deren Eltern an einem abgetrennten Altarm des Küstenkanals. An diesem Tag fand ein Angel-Wettkampf statt - auch Königsangeln genannt - und die Kids fischten um die Wette auf die besetzten Forellen. Damals war das Königsangeln noch erlaubt und erfreute sich großer Beliebtheit. Noch heute habe ich das Bild vor Augen, wie meine Mutter auf einem Stuhl saß und mir und meinem Vater zuschaute, während mein Papa mir erklärte wie ich mit Pose, Haken und Wurm die Forellen fange. Am Ende des Tages habe ich 12 Forellen gefangen und damit ganz stolz den zweiten Platz belegt. Zuhause angekommen hat mein Opa mir gezeigt, wie man die Forellen ausnimmt und danach ein herzhaftes Abendessen für uns zubereitet. Später am Abend saßen meine Eltern, Geschwister, mein Opa und ich am Essenstisch und haben in gemütlicher Runde den gefangenen Fisch gegessen und über den erfolgreichen Angeltag gequatscht. Unser liebstes Hobby hat es geschafft drei Generationen an einen Tisch zu versammeln. Und mittendrin der kleine Dennis, der stolz auf seine Fänge war. Infiziert war ich ab diesem Moment, doch bevor ich meinen ersten Versuch wagen durfte, ein echter Angler zu werden, brauchte es noch ein paar Jahre. Denn in diesem Alter war es mir nicht möglich, alleine zu angeln und die gemeinsamen Angeltage mit meinem Vater waren auf ein paar wenige Tage im Jahr begrenzt.

Endlich Fischereischein und der Hecht mit den 5-Mark -Stück großen Augen!

750 auch zander kann erDamals nur Rotaugen - heute klappen auch Zander
In dem Alter von 12 Jahren war ich es dann endlich soweit. Als Vorbereitung zur Fischerprüfung durfte ich in den Fischereiverein Esterwegen eintreten. Über einige Wochen hinweg, bin ich den Großteil meiner Freizeit mit dem Fahrrad und einem Bollerwagen voller Angelausrüstung bewaffnet, die Strecke zu einem unserer Angelseen gefahren. Von der Materie keinerlei Ahnung, habe ich versucht Karpfen, Hechte oder Forellen zu fangen. Die großen Fische haben es mir angetan. Vor allem von den großen Hechten – wovon es laut Geschichten der erfahrenen Angler Exemplare in dem See geben soll, die Augen wie 5 Mark Stücke haben – wollte ich einen fangen. Das hatte schon eine gewisse Mystik, die mich in den Bann gezogen hat. Aber bis auf einige Rotaugen, die ich der langweile wegen mit einer abgebrochenen Rutenspitze(ich war schon immer ein Tollpatsch), etwas Schnur und einer Made oder einem Stück Brot gefangen habe, blieb ich erfolglos.

750 angelnmitkidsDamals mit Jugendfreunden das Angeln gelernt - und heute noch gehe ich gerne mit Kids angeln!
Da ich keine Verwendung für die Friedfische hatte, habe ich diese schon damals zurückgesetzt. Schon damals habe ich unter anderem auch des Spaßes und der Faszination wegen geangelt. Ob es an dem fehlenden Wissen und den wirklich bescheidenen Montagen lag, die ich ohne jeglichen Schnall ausprobiert habe… wer weiß? Versuche auf Karpfen mit Kartoffeln auf einem Drilling, Forelle mit einer schweren Hechtpose und 65 Stücke Schrotblei, damit diese überhaupt steht… das waren alles Dinge, die ich als Kind ausprobiert habe. Nur ein einziges Mal hat es geklappt und eine Forelle am Erikasee hat die Hechtpose zum wandern gebracht. Auch ein blindes Huhn finde Mal ein Korn. Diese hat mein Opa mir damals mit Panade in der Pfanne gebraten. Dies war mein erster und leider auch einziger richtiger Fang eines Zielfisches für viele Jahre.

Das erste Mal Prüfung nicht bestanden...

Kurz darauf verstarb leider mein Großvater. Dieser war kurz vor der Fischerprüfung gestorben und ich habe mich für Tage in mein Zimmer eingeschlossen. Auf drängeln meines Vaters hin, musste ich dann doch noch zur Fischerprüfung antreten. Da ich weder den Kopf dafür hatte, noch geübt habe, war dies die einzige Prüfung in meinem Leben, die ich nicht bestanden habe. Und damit war das Thema Angeln für mich für einige Jahre Ad Acta gelegt.
..und mit 18 Jahren dann das Angeln wieder entdeckt.

750 stoerWe rdas Angeln mit Brassen Rotaugen und Barschen lernt und schätzt, wird auch mit solchen Stören fertig
Erst mit 18 Jahren habe ich für einige Monate die Leidenschaft zum Angeln für mich wiederentdeckt. Obwohl ich schon mein ganzes Leben lang eine ausgeprägte Faszination für alles gehabt habe, was sich unter oder auf dem Wasser abspielt, habe ich mich nicht weiter mit dem Angeln beschäftigt. Wie es der Zufall so will, habe ich mit 18 Jahren beim Skateboard fahren auf dem Skatepark (der am Erikasee steht) zwei Freunde (Tobias und Torsten Noffz) aus Sedelsberg kennengelernt, mit denen ich nicht nur die Leidenschaft für das Skateboard ausgelebt, sondern auch die Angelei wiederentdeckt habe. Neben der Zeit beim Skaten und dem Austausch über unsere Aquarien, haben wir seinerzeit sehr häufig geangelt. Während die Beiden ihre Fischereierlaubnis hatten, habe ich in dieser Zeit immer schwarz mitgeangelt. Wir haben viele tolle Tage und Nächte an der Sagter-Ems, der Ohe oder dem Küstenkanal verbracht. Das war schon eine spannende und faszinierende Zeit. Auch in dieser Zeit war der Hecht ein Fisch, den wir unbedingt fangen wollten. Doch am Ende war es wieder nur die Stipprute, mit der wir unsere Fische gefangen haben. Viele Rotaugen, Brassen, hin und wieder ein Barsch und an einem legendären Abend sogar unzählige Aale! Richtig gelesen, Aale an der Stipprute. Denn die haben an einem Abend auf alles gebissen. Nach gefühlt 50 schmalen Aalen, haben wir schon um 21 Uhr das Nachtangeln abgebrochen, da es nur noch in Stress ausgeartet ist.

Und endlich die Prüfung bestanden!

In dieser Zeit habe ich dann meine Anglerprüfung in Scharrel beim Fischereiverein Saterland e.V. gemacht. Ich war seinerzeit so fasziniert von der Angelei, dass ich zum Üben der Fragen mir ein Computer-Programm programmiert habe, nach dessen Fertigstellung ich alle Frage komplett Auswendig konnte. Nach der schriftlichen Prüfung musste ich nicht Mal die praktische Prüfung absolvieren, da mein Prüfer Herr Thole auch mein Lehrer gewesen ist, der von meiner Begeisterung und meinem Wissensstand wusste. Aber anscheinend hat die Begeisterung nicht ausgereicht, denn innerhalb dieser spannenden Monate habe ich es noch immer nicht geschafft, einen der großen Fische zu fangen und hing das Angeln erneut für mehrere Jahre an den Haken.

Immer wieder gemeinsam mit dem Vater

Mein Vater und ich haben seit meiner Kindheit jedes Jahr unser Glück an einem der Forellen- oder Vereinsseen probiert. Jedes Jahr an Vatertag war dieser Tag für uns reserviert. Wir gingen angeln. In den Ferien waren wir beim Ferienpass-Angeln. Beim Königsangeln des Vereins haben wir auch gerne mitgemacht. Und hin und wieder auch an einem Wochenende mit schönem Wetter. In den ganzen Jahren haben wir es nie wieder geschafft, einen Fisch gemeinsam an Band zu bekommen und ich war jedes Mal wieder enttäuscht. Mein Bruder (13 Jahre älter) hingegen hatte das Angeln im Blut und war jedes Mal erfolgreich. Er fing die großen Hechte, die Welse im Forellensee und ging fast nie leer aus. Ob es daran lag, dass er entspannter an die Sache ging und ich einfach nur zu verbissen war?
Ich weiß es nicht!
Als ich dann 25 Jahre alt war, verstarb auch mein Vater viel zu früh. Wir haben es in den ganzen Jahren nie wieder geschafft, zusammen einen Fisch zu fangen. So gesehen war unser letzter gemeinsamer Zielfisch im Kindesalter gewesen. Und damit war dann auch das Thema Angeln, was in diesen Jahren eh nur sehr selten gewesen ist, endgültig bei Seite gelegt worden. Am Vatertag gab es keinen Grund mehr für mich, zum Angeln zu fahren.

Erneut das Angeln angepackt

Ein paar Jahre später hat es dann doch wieder in den Fingern gejuckt. Was der ausschlaggebende Grund dafür war? Ich weiß es nicht. Es kribbelte wieder im Bauch und ich hatte das Gefühl, dass ich unbedingt ans Wasser muss. Seinerzeit mit einer schweren Depression zu kämpfen, habe ich nichts mehr im Leben gehabt, was mir noch großartig Spaß gemacht hat. In dieser Phase waren einfache Gefühle wie Freude, Vorfreude oder Spaß, die für fast jeden Menschen normal und wichtig sind, nicht mehr vorhanden. Doch irgendwie hat es mich noch immer gereizt, was sich unter der Wasseroberfläche befindet. Ich habe wieder einen Antrieb bekommen, der mir in dieser Zeit komplett im Leben gefehlt hat. Wieder bei null angefangen, habe ich mir zuerst eine Stipprute, Forellen-Equipment, einige Hecht- und Feederruten besorgt. Aber eben alles günstig, sporadisch und halbherzig. Bis auf die obligatorischen Rotaugen und diverser kleine Brassen, konnte ich lange keine wirklichen Erfolge erzielen und die erste Saison musste ich ohne richtigen Zielfisch beenden.
Doch im darauffolgenden Jahr wollte ich es endlich wissen, habe etwas mehr Geld in die Hand genommen und mir eine Raubfisch Kombo zum Spinnfischen besorgt. Wenn nicht jetzt, dann vermutlich nie! Nach über 25 Jahren wollte ich endlich meinen langgewünschten Hecht fangen. Ein Fisch, von dem ich seit meiner Kindheit träume. Mit der Spinnrute bewaffnet, bin ich jetzt jeden Tag ans Wasser gefahren und habe meine Köder in den Flüssen und Kanälen des Fischereiverein Meppen gebadet. Es hat ganze 32 Tage am Stück gebraucht, bis ich meinen ersten Biss und damit auch meinen ersten Hecht fangen konnte.

750 muddiLange hat es bis zum ersten Hecht gedauert - und noch heute freue ich mich über jeden, den ich fange
Dieser Tag ist es letztendlich gewesen, von dem ich behaupten würde, dass ich ein Angler geworden bin. Denn ab diesem Moment war ich der Angelei so sehr verfallen, dass ich seit Jahren nicht mehr ohne kann und will. Es begleitet mich jeden Tag und gehört mit zu dem besten, was mir je passiert ist. Es ist nur schade, dass mein Vater und mein Großvater nie meine Erfolge miterleben durften. Doch immer, wenn ich dieser Tage am Wasser bin und einen Hecht fange, denke ich an die Beiden und wie sehr sie sich für mich freuen würden. Sie haben mir die Faszination mit in die Wiege gelegt.

750 dennis vaterNicht nur beim Angeln, auch musisch (Schreiben und Filmen) hatte Dennis in seinem Vater ein Vorbild


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Kommentare  

Das ist ein sehr sehr schöner und auch gleichzeitig sehr emotionaler Text der uns allen aufzeigt das es halt nicht immer nur geradeaus geht.
Mein größten Respekt dafür das du so offen über all das schreibst!!!
Antworten
Danke dir für die Worte :)
Antworten
Ein toller, inspirierender Text, danke dafür. Ich kann aufgrund eigener Erfahrung nachvollziehen, wie das Angeln mit dazu beigetragen hat, dir aus dem emotionalen Loch zu helfen. Angeln ist für mich Hobby, Naturgenuss und Therapie in einem - und es ist m.E. auch eine Lebenseinstellung.
Antworten
Da hast du recht.
Danke dir für deinen netten Kommentar :)
Antworten

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