750 jean angelanfangen teaser

Meinen Werdegang zum Angler könnte man in der Anfangsphase als typisch beschreiben. Mein Großvater mütterlicherseits war nebenberuflich Fischer an einem Mainabschnitt.

So war ich folgerichtig also oft als Kleinkind mit meiner Mutter, ihrem Vater sowie einem Onkel beim Angeln. Die Platzwahl damals war sehr einfach. An einem nicht mehr genutzten Fähranleger, an dem auch Opas Schelch (Boot) lag, war die Standardstelle.

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Über den Berufsfischer zum Angler

Viel interessanter als der Main waren aber Opas Forellenseen. Schlichte Betonbecken, wie man sie aus jeder Fischzucht kennt. Außerdem ein flaches Becken in einem GFK-Häusschen – darin wurden die mit der Reuse gefischten Aale bis zu ihrer Räucherung gehältert.

Irgendwann bekam ich dann mein erstes, eigenes Angelset. Eine knallgelbe, quasi unzerstörbare Glasfaserrute, von Werk ab bestückt mit Rolle und Schnur. Letztere hielt sich nicht sonderlich lang, denn aus unerfindlichen Gründen ließ man mich sehr oft mit Schwimmer fischen. Die feine Schrotbebleiung führte regelmäßig zu kapitalen Perücken, die dann vom Großvater in langer, mühseliger Kleinarbeit entwirrt wurden.

Auch zum Reusen heben durfte ich schon als Vorschulkind dabei sein. Legendär geworden ist eine Videoaufnahme, in der ich einem gleichaltrigen Freund auf dem Schelch erkläre, was außer den Aalen noch so in der Reuse hängt.
„Das ist ein sogenannter Stinkfisch.“
Heute weiß ich, der Stinkfisch war ein Kaulbarsch.

Auch durfte ich bei Opa und Oma übernachten um gleich am nächsten Morgen angeln zu gehen. Natürlich konnte ich vor Aufregung nicht schlafen und nahm irgendwann an es müsste ja jetzt morgen sein. Also weckte ich die Großeltern auf:
„Opa, aufstehen, angeln.“
„Du spinnst wohl, es ist 10 Uhr!“

Nach dem Berufsfischer Opa kamen angelnde Onkel

Rund 20 Jahre ist das her. Die Aale und Stinkfische wurden weniger, der Opa älter und die Häufigkeit der Besuche bei den Großeltern weniger.

Mit zehn durfte ich dann die ersten Male mit dem Onkel mit. Die Techniken waren etwas feiner und ausgereifter als beim Opa, aber ich war nun auch schon etwas älter. Während der Onkel mit Köderfisch auf Raubfisch angelte oder feederte wurde ich den ganzen Tag mit Rotaugenstippen beschäftigt. Unvergessen der Moment, als ich auf eine unglaublich kurze Stippe eine dicke Brasse fing.

Ein anderer Onkel, der nur sehr sporadisch angelt nahm mich einmal mit zum abendlichen Zanderangeln. Der weithin bekannte Fischfetzen, aber nur das Schwanzstück, verhalf mir zum Erfolg und mein jahrelang größer Zander mit 70cm sorgte noch tagelang für stolzgeschwellte Brust.
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Kunstköder können auch gefährlich sein

Dann durfte ich das erste Mal zum Spinnfischen mit aufs Boot, die Technik war denkbar einfach. Mittels eines kleinen Pilkers wurde weit in die Strömung geworfen und dieser dann durch schnelles Einkurbeln auf der Wasseroberfläche springen gelassen. Rapfen, Barsche und Hechte an einem Tag, ich war begeistert von diesen Massenfängen großer Fische.

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Zumindest so lange, bis ich am gegenüberliegenden Ufer in einem Baum warf. Beim abreißen schoss der Pilker dann zurück, der Drilling mir durch die Hose ins Knie. Damit war das Angeln mit dem Onkel dann für die nächsten Jahre erledigt, da ich ihm die Schuld gab. Schließlich versuchte ja er den Hänger aus dem Baum zu lösen. Außerdem war seltsamerweise meine Angelbegeisterung nun generell nicht mehr so groß.

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Wegen Haken ins Krankenhaus und dann in den Verein

Im darauffolgenden Jahr im Sommer meldete mich meine Mutter zu einem Ferienprogrammangeln an. Hätte sie gewusst, was sie sich damit selbst auferlegt, sie würde es sicher nicht wieder tun.
Zwar konnte ich dabei keinen Fisch landen, aber die Barben, die auf Käse und Fleischwurst als Köder einstiegen sorgten dafür, dass ich baldmöglichst wieder Angeln gehen wollte.

So zog ich kurz darauf mit ein paar anderen Halbstarken los und wir versuchten mit dem Angelset vom Opa Fische in den Teichen eines nahegelegenen Golfplatzes zu fangen. Es kam wie es kommen musste, Fische fingen wir keine, aber ein Junge lief durch die Schnur, als ich gerade den Haken neu beköderte.

Da meine Mutter der Meinung war, dass es ausreichend ist zweimal wegen Haken ins Krankenhaus zu fahren, entschied sie, dass ich das Angeln nun wohl endlich lernen sollte.

So kam es, dass ich über die Veranstalter des Ferienangelns Mitglied eines Vereins wurde, in dem ich noch heute Mitglied bin.

Zuerst Jugendangeln – dann Angelschein

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Die regelmäßig veranstalteten Jugendangeln nutze ich dazu, statt dem Zielfisch Karpfen nachzustellen, um auf jede Fischart zu angeln, die Köderfische frisst. Erfolgreich war ich dabei meistens nicht, aber die Gruppendynamik der Jugendabteilung sowie die Zeltlager führten dazu, dass ich mich zusammen mit zwei anderen gleich nach dem 14. Geburtstag für den Erwachsenenangelschein anmeldete.

Auch heute noch ist der Verein von Jean aktiv in der Jugendarbeit: Aktives Angeln für Kinder – Vorbildliche Arbeit des Sportfischereivereines Trennfeld e. V.
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Ab jetzt durfte meine Mutter mich nicht nur zu Terminen der Angeljugend fahren, sondern zusätzlich quasi jedes Wochenende zweimal auch noch an den vereinseigenen See. Einmal, um mich Freitags abzuliefern und dann um mich im Laufe der nächsten Tage abzuholen.
Während andere in meinem Alter mit dem Weggehen und Feiern anfingen verbrachte ich quasi meine gesamte Freizeit am Wasser.
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Neue Angelfreunde

Schnell fanden sich auch wechselnde Angelpartner in meinem Alter, mit denen ich in teils abenteuerlichen Unterkünften auch bei schlechtestem Wetter unterwegs war.

Besonders erfolgreich waren wir nie, aber irgendwas biss immer. Im Gegensatz zu anderen, die durch „feste Mentoren“ das Angeln lernten, probierten wir sehr viel aus. Heute auf Karpfen, am nächsten Morgen mit den Karpfenruten zum Spinnfischen und drei Stunden später einen Köderfisch auf die selben Ruten montieren. Jeder von uns schnappte immer irgendwo etwas anderes auf und wir probierten alles durch.

Viele Methoden, die ich noch heute in „professionalisierter“ Form anwende hatten ihren Ursprung in dieser Zeit, die zwar nicht von überragenden Fängen, aber von wertvollen Erfahrungen geprägt war.
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Andere gaben das Angeln auf – ich gehe immer öfter angeln

Bei den meisten Angelpartnern aus dieser Zeit lies die Begeisterung nach – weswegen ich häufiger auch alleine unterwegs war. Dank Volljährigkeit nun aber auch zeitlich flexibel und experimentierfreudiger, was die Stellenwahl anging.

Seitdem versuche ich weiterhin so viel wie möglich ans Wasser zu kommen und bin, im Gegensatz zu vielen anderen, der absolute Allrounder geblieben, der wenn er Lust hat sogar gezielt auf Stinkefische angelt.



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