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Angelverbote statt Rückbau Wasserkraft

In der Schweiz kommt es nach Zeitungsberichten zu Angelverboten und vorgezogenen Schonzeiten für Äschen. Als Grund wird vorgegeben, es sei wegen des heissen Sommers und der damit verbundenen Auswirkungen auf Gewässer und Bestände (Quellen mit Links siehe unten).

So wurde wieder einmal Angeln verboten. Viele Angler finden das auch gut. In so einem Fall ist das sicher auch eher diskutabel als in "normalen" Jahren.

Klasse finde ich den Biologen und Angler, der zu diesem Thema zum Artikel in der Luzerner Zeitung einen Leserbrief schreibt.

Er macht die Angel-Verbieter vom Staat darauf aufmerksam, dass der Staat hier mit seiner "grünen Ökoenergie" der Hauptverursacher des Äschenrückganges ist.

Und nicht der trockene Sommer, das heiße Wasser und der Kormoran/Präddatoren alleine - oder gar Angler!

Quelle Luzerner Zeitung


Nur, die Bestände der Äsche sind nicht durch die hohen Temperaturen oder die Ausübung der Fischerei auf einem sehr tiefen Niveau – oder wie in der Oberen Reuss in der Stadt Luzern – ausgerottet worden. Sondern, weil Stadt und Kanton Luzern durch den Betrieb des Kraftwerks am Mühlenplatz und die Optimierung des Reussabflusses wegen des Hochwasserschutzes (Erhöhung der Fliessgeschwindigkeit und Zerstörung der Laichplätze) ihre Lebensgrundlage weitgehend zerstört haben.

Den Schwarzen Peter nun den Fischern zuschieben zu wollen, ist gelinde gesagt, eine Schweinerei. Dieses Fangverbot ist sofort aufzuheben. Will der Kanton tatsächlich etwas für die Äschen tun, dann soll er endlich deren Lebensgrundlage verbessern. Aber das kostet.


Und die Äschenbestände (und weitere Arten) in Deutschland?

Auch der Staat in Deutschland, vom Bund über Länder bis in die Gemeinden, müsste ja eigentlich laut EU-Wasserrahmenrichtlinie für gesunde und fischreiche Gewässer mit nutzbaren Fischebeständen sorgen.

Und auch in Deutschland wird da seitens des Staates gerne mit Einschränkungen der Angler und Verboten des Angelns gearbeitet (unter anderem auch im Rahmen der Natura2000 Vorgaben, obwohl es da seitens der EU KEINE Forderung nach Angelverboten gibt).

Aber auch in Deutschland sind nicht Angler schuld am weniger werden nutzbarer Fischestände. Auch hier sind es die Flussverbauungen, die Wasserkraft und der übermäßige Schutz von Prädatoren.

Wie in der Schweiz schiebt aber der Staat in Deutschland für sein eigenes Versagen den Anglern den schwarzen Peter zu. Obwohl er selber an den Zuständen die Schuld hat.

Dass dazu der Naturschutzverband der organisierten Sport- und Angelfischer, der DAFV und viele seiner Mitgliedsverbände, im vorauseilenden „Schützer“-Gehorsam gerne auch mal Angelverbote und Einschränkungen mittragen, statt offensiv gegen den Staat vorzugehen und das Recht auf gesunde Flüsse mit einem nutzbaren Fischbestand konsequent vom Staat einzufordern, macht es dem Staat umso leichter, mittels Angelverboten und Einschränkungen der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen über sein Versagen.

Vielleicht gibt ja dieser Leserbrief des Schweizer Biologen den Naturschutzverbänden der organisierten Sport- und Angelfischerei ein Deutschland einmal Anlass darüber nachzudenken, lieber aktiver vom Staat Verbesserungen zu fordern als von Anglern Einschränkungen.

 

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Thomas Finkbeiner

 

Anhang

Quellen Berichte zu Angelverboten/vorgezogenen Schonzeiten in der Schweiz

Luzerner Zeitung: "Wegen Hitzesommer: Äschen in Luzerner Flüssen werden früher geschützt"

Blick Schweiz: "Jetzt darf man Äschen und Forellen nicht mehr fischen"

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Kommentare  

In drei Sätzen auf den Punkt gebracht! Ein sehr gutes Statement, Danke!
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