Driften mit dem Boot (Andrift und Abdrift)

Einer der Vorteile beim Bootsangeln ist die Möglichkeit große Bereiche nach aktiven Fisch abzusuchen. Wir lassen uns dabei mit dem Boot über die Wasserfläche treiben, diesen Vorgang nennt man auch "Driften". 

Man unterscheidet beim Driften grundsätzlich in An- und Abdrift. Andrift bedeutet, man treibt (oder driftet) auf seinen Köder zu, bei der Abdrift vom Köder weg. Beeinflussende Faktoren sind zum einen der Wind, zum anderen die Strömungsverhältnisse. Generell ist aber der Wind für die Richtung entscheidender, so dass man beim Angeln in Andrift auf der dem Wind abgekehrten Seite des Bootes (Lee) sitzt. Angeln in Abdrift findet auf der dem Wind zugewandten Seite (Luv) statt.

pilken ostsee 1 andrift abdrift

Die Strömung beeinflusst eher die Geschwindigkeit oder Stärke, mit der das Boot driftet. Wirken Wind- und Strömungsrichtung in die gleiche Richtung, driftet das Boot stärker, als wenn sie gegenläufig sind. So kann es passieren, dass Wind und Strömung sich aufheben und man auf der Stelle steht.

Pilken

Eine der mit am häufigsten beim Bootsangeln auf der Ostsee eingesetzten Techniken ist das Pilken. Zielfisch ist primär Dorsch, aber auch Wittling aber auch Meerforelle und Steinbutt werden gelegentlich beim Pilken gefangen. Beim Pilken geht es darum, einen Beutefische (Hering, Tobiasfisch etc.) zu imitieren. Durch Heben und Senken der Rute wird der Pilker zunächst nach oben beschleunigt und sackt anschließend wieder zurück auf Grund, von wo aus er dann wieder beschleunigt wird - dieses Spiel wird solange betrieben, bis entweder der Pilker wieder am Boot ist, oder eben ein Fisch den Köder genommen hat. Das schwierige dabei ist unter anderem die Bisserkennung. Bei der Verwendung geflochtener, fast dehnungsfreier Schnur, bemerkt man normalerweise jedes Zuppeln - egal ob der Pilker beschleunigt wird, oder absackt. Für die Bisserkennung mit monofiler Schnur ist schon ein gewisses Fingerspitzengefühl nötig, besonders in der Absinkphase, wo Bisse nicht selten erfolgen. Wie letztendlich das Heben und Senken ausgeführt wird, ist neben Geschmacksfrage auch Situationsabhängig; ein Patentrezept gibt es nicht!!! Variiert werden sollten Geschwindigkeit, Abstufung und Weg, um eine variable Köderführung zu gewährleisten. Was auf jeden Fall berücksichtigt werden sollte, ist dass die Beschleunigung bei geflochtenen Schnüren 1:1 umgesetzt wird, während die erste Beschleunigungsphase mit monofilen Schnüren sanfter erfolgt.

Pilken in der Andrift

Die Pilkerei auf der Andriftseite (also in Lee) ist etwas anders als das Pilken in Abdrift (also Luv). Dadurch, dass das Boot dem Köder entgegengeht, sind leichtere Köder mit mehr Spiel möglich, um den Grund zu erreichen. Die Pilkphase ist kürzer als die auf der Abdriftseite; der Köder muß öfter und weiter geworfen werden, um länger pilken zu können.

Pilken in der Abdrift

Für das Pilken auf der Abdriftseite des Bootes sind durchaus schwerere Köder, bzw. anders geformte (mit weniger Spiel/Aktion) nötig, da das Boot sich vom Pilker wegbewegt. Diese Bewegung muß ausgeglichen werden, um grundnahes Angeln zu ermöglichen. Da sich das Boot vom Köder entfernt, braucht weniger häufig geworfen werden - teilweise reichen die Hebe-Senk-Bewegungen aus, ohne dass der Pilker das Boot erreicht, so dass er nur mit Fisch ans und ins Boot kommen muss.

Montagen zum Pilken

Der Phantasie, wie und womit man seinen Köder ins Wasser bringt, sind keine Grenzen gesetzt. Fraglich ist immer, was sich als halbwegs sinnvoll herausgestellt hat, und was nicht. Meiner Erfahrung nach ist weniger meistens mehr, weshalb ich gerne mit dem Solo-Pilker angel. Ich versuche mich grundsätzlich auf zwei Anbißstellen zu beschränken, denn jedes weitere Teil behindert den Lauf und das Spiel des Pilkers, so dass ich da maximal einen zusätzlichen Beifänger (Twister, Streamer ("Dorschfliege") etc.) vorschalte. Sollten die Dorsche nur auf Beifänger gefangen werden, kann man auch auf den Drilling am Pilker verzichten und einen zweiten Beifänger montieren. Wieder sind maximal zwei Anbißstellen bereit den Dorsch zu verführen.

Ebenfalls eine mögliche Montage ist der nachgeschaltete Beifänger. Vom Pilker wird der Drilling entfernt und ein Beifänger mit einem 15 - 20 cm langem Stückchen Schnur angeknüpft.

 

Beispiel für eine fängige Pilkmontage

 pilken ostsee 2 pilkmontage

Als Beispiel hier eine einfache Beifängermontage, wie sie häufig verwendet wird.
Anstatt eines bleibeschwerten Jigkopfes wird ein Einzelhaken mit vorgeschalteter Auftriebsperle angeknüpft. So ist ein lebendiges Spiel des Beifängers gewährleistet.

 

Ein BeifängerZwei BeifängerBeifänger als Nachläufer
 pilken ostsee 3 beifaenger pilken ostsee 4 zwei beifaenger pilken ostsee 5 nachlaeufer
Die Zeichnung zeigt eine einfache Montage mit einem Beifänger.
Als Beifänger kann man zum Beispiel Twister, kleine Gummifische oder auch Streamer einsetzen.

 

Die Zeichnung zeigt eine Möglichkeit, zwei Beifänger zu montieren.
Man sollte allerdings darauf achten, dass die "Springer" sich nicht berühren.
Ein Drilling am Pilker ist eher unnötig.

Der Beifänger als Nachläufer - ebenfalls eine wirksame Montage.
Weiterer Vorteil: durch den Einzelhaken ist die Gefahr eines Aushebelns relativ gering geworden.


Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Seitenarm für den Beifänger (der manchmal auch als Springer bezeichnet wird) zu montieren. Wer auf zusätzliche Hilfsmittel verzichten möchte, kann das mit einem Knoten, der sogenannten Springerschlaufe, machen. Schlaue Köpfe haben aber auch wirklich praktische Hilfsmittel zur Beifänger-Montage wie etwa Rotationsperlen erfunden. Die Beifänger sind, wenn man mit Rotationsperlen arbeitet, in ihrer Bewegung wesentlich weniger eingeschränkt. 

Wer keine Rotationsperlen zur Hand hat, kann die Beifänger auch an einen kleinen Wirbel knoten, der mittels zweier Perlen (sogenannte "Indianerperlen" im Bastelladen) fixiert wird. Das funktioniert ähnlich gut.

pilken ostsee 6 springer

 

Pilker - Die Qual der Wahl

pilken ostsee 7 pilker 

Eine kleine Auswahl aus meinem Pilkersammelsourium. Die Gewichte liegen zwischen 35 g und 65 g - max. 100 g sind vom kleinen Boot sinnvoll. Danach wird das Wetter/der Wind einfach zu stark für eine sichere Angelei.

Was für alle Kunstköder gilt, gilt natürlich auch für Pilker. Mannigfaltige Hersteller, viele Farbvariationen bei einer einigermaßen übersichtlichen Modellpalette in unterschiedlichster Qualität bei diversen Gewichtsabstufungen. Jetzt weiß jeder bescheid, und ich kann dieses Kapitel schließen! Nein, natürlich nicht - so einfach will ich mir das absolut nicht machen und einen kleinen Einblick bringen; schließlich handelt es sich hierbei um einen der am Häufigsten eingesetzten Kunstköder auf Dorsch.

Pilker imitieren verletzte und kranke, bzw. flüchtende Fische am Grund und werden von Dorschen, und auch anderen Meeresräubern, als Beute angesehen. Generelle Unterschiede bei der Qualität des gesamten Produkts "Pilker" kann man beim Korpus, den Ösen, Sprengring, Haken (Drilling/Einzelhaken) und Lackierung/Versiegelung finden. Hochwertige Pilker bestehen aus hochwertigen Einzelteilen und guten Laufeigenschaften, die hauptächlich von der Formgebung des Korpus abhängig sind. Hochwertig heißt, dass Ösen und Sprengringe aus Edelstahl bestehen, Haken scharf und haltbar (Vanadium/Carbonstahl) sind und die Farbgebung mit hartem, fast unzerstörbarem Epoxydharz versiegelt ist. Die Sprengringe sollten nicht nur rostfrei sein, sondern auch stark genug dimensioniert. Es wäre zu ärgerlich, den Fisch des Lebens aufgrund eines aufgebogenen oder gebrochenen Sprengrings zu verlieren. Gleiches gilt für den Haken, der nicht nur groß genug, sondern eben auch stabil und scharf sein muss. Ob das nun ein Einzelhaken oder Drilling ist, bleibt den Geschmack und der Erfahrung des Anglers überlassen. Viele schwören auf den Drilling, einige auf Einzelhaken, die zusätzlich noch mit einem Twister garniert werden können (nur mal so als kleine "Anregung" nebenher). Einzelhaken bieten, neben der "Beilagenmöglichkeit", dem Fisch weniger Möglichkeit, sich selbst im Drill auszuhebeln.

Eine der Hauptunterschiede liegen aber in der Formgebung des Körpers. Man unterscheidet, unabhängig vom Hersteller, nach folgenden Modellen:

  • Fischform (Spitzkopf/Holsteiner/ProSelect...)
  • Dickbäuchige (Kieler Blitz/Langeland/PearlSelect...)
  • Schlanke (Danmark/Sprotte/Fehmarn/Hering/(Power)Select...)
  • Bergmann-Form (Taumel-Pilker/Dorsch-Taumler)

Hinzu kommen unzählige Varianten weiterer Hersteller, die davon nur unwesentlich abweichen.

Grundsätzlich gilt, je weniger Drift, desto leichter der Köder. Neben dem Gewicht entscheidet allerdings auch die Form über Sinkgeschwindigkeit. Nebenbei ist wichtig, ob man in Luv (Abdrift) oder Lee (Andrift) pilkt. Vielleicht als Faustregel: je schneller die Abdrift, desto schwerer muss der Pilker sein, um auf den Grund zu kommen. Für die Andrift sind dann leichtere Pilker möglich, allerdings: zu leicht kann heißen, dass man nur 4 - 5 Pilkbewegungen je Wurf machen kann. Dass heißt, dass häufig geworfen werden muss, und der Köder länger außerhalb des Wassers ist und sinkt, als dass er am Fisch geführt werden kann. Die dickbäuchigen Modelle sinken schneller als ihre schlanken Kollegen. Es kann also sein, dass ein 65 g "Dickbauch" eher am Grund ist, als ein 75 g "Fischform" oder schlankes Modell. Diese Erfahrung habe ich machen dürfen, als wir bei recht starker Drift auf 18 m herunter mussten, und sich mein dickbäuchiges Modell nach einigen Versuchen durchaus besser führen ließ, als ein schwereres Fischform-Modell. Generell kommen Pilker zwischen 30 g bis 100 g in Frage. Sollten schwerere Pilker nötig sein, sollte man sich überlegen, ob das Boot noch für vorherrschende Verhältnisse geeignet ist.

Jedoch ist nicht nur die "Seitenansicht" des Pilkers wichtig. Vielmehr entscheidet die "Frontsicht" über Laufeigenschaften. Als "fängig" hat sich da eine leichte S-förmige Form herausgestellt. Aber auch unterschliche Stärke des Körpers (z.B. dicker "Kopf", schlankes "Heck", tailliert etc.) beeinflusst die Laufeigenschaft. Vollkommen grade Modelle sind eher schnellsinkende "Tieftaucher" und relativ "unbedeutend" für die Zonen bis 20 m Wassertiefe.

Neben der Form ist die Farbgebung ein Faktor, an dem sich die Geister scheiden. Meiner Erfahrung nach, die sich in etwa mit dem deckt, was damals im Physikunterricht gelehrt wurde, spielen diese im Bereich bis 20 m Wassertiefe durchaus noch eine Rolle. In größeren Tiefen ist die Form, und damit die Durckwellen, die der Köder durch sein Spiel aussendet, ein wichtigerer Faktor. Wichtig ist, dass die Farben in einem Kontrast zueinander stehen.

Beliebte Farben sind Kombinationen aus

  • rot/gelb/(silber)
  • grün/rot
  • blau(Violett)/(gelb)/silber
  • grün/(gelb)/silber
  • rot/schwarz

Während rot/gelb/(silber) eigentlich das ganze Jahr über eine "fängige" Farbe ist, ist grün/rot eher im Winter zu empfehlen. Die letzteren Kombinationen imitieren Heringe und sind nicht zu verachten, wenn Dorsche unter Heringsschwärmen lauern. Als eine Überraschung stellte sich allerdings ein komplett schwarzer Pilker mit ein wenig Silberglitter heraus. Während andere Farben fischlos wieder an Board kamen, gingen doch der eine oder andere Dorsch auf den schwarzen Pilker.

 

Petri Heil und viel Erfolg beim Pilken wünscht

Frank Völkle

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Kommentare  

Hallo. Tolle Sache. Wo bekomme ich die Pilker her? Was muss ich beachten.
Antworten
Moin Herbert,

ich habe meine Blitz-Pilker in Schwerin bzw. Berlin gekauft. Online kannst Du https://blitz-pilker.lima-city.de/pilker/spitzkopf/spitzkopf.html hier mal schauen. Das sollten die "Originalen" sein...
Worauf achten? Was genau meinst Du?
Generell - die Haken sollten scharf und spitz sein (keine Schutzkappen drauf lassen ;-) und der Pilker so schwer wie eben nötig, um Grundkontakt zu halten. Die Modellwahl ist bei mir abhängig von der Drift. Starke Drift -> Kiel, mittlere Drift -> Spitzkopf, wenig Drift -> Sprotte/Danmark... Farben: 01, 04, 08... ;-)
Bei Fragen - einfach melden!
Viele Grüße
Frank
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