Einige werden sich sicher fragen, warum man sich überhaupt die Arbeit macht um Haken selber zu binden. Bevor ich nun aber alle Vorteile aufzähle, möchte ich mit dem einzigen Nachteil anfangen:

Das selber binden nimmt mehr Zeit in Anspruch als fertig gebundene Haken zu kaufen.

Vorteile selbstgebundener Haken

Für mich ist der größte Vorteil an selbstgebundenen Haken, dass ich völlig frei entscheiden kann welche Hakengröße, Schnurstärke und Vorfachlänge miteinander kombiniert werden sollen! So lässt sich das Vorfach ganz exakt auf das beangelte Gewässer sowie die gewünschten Zielfische abstimmen, ohne irgendeinen Kompromiss eingehen zu müssen. Der zweite, auch nicht unwesentliche Vorteil besteht in der Qualität selbstgebundener Vorfächer. Ich weiß ganz exakt welche Schnur und welchen Haken ich "verbaut" habe und weiß was dem Material zuzumuten ist.

 

Natürlich ist das Selberbinden auch günstiger. Dazu ein kleines Rechenbeispiel:

 

Vorfächer kaufen:

Vorfachhaken (10 Stück) 2,00 € (durchschnittlicher Preis)

Preis pro Vorfach samt Haken: 0,20 €

 

Vorfächer selber binden:

Haken lose (gleicher Hakentyp wie bei Fertigvorfächern) 25 Stück: 2,80 €

Vorfachschnur: 300m , 0,18er hochwertige monofile Schnur: 9,50€ ergibt ca. 370 Vorfächer.

Preis pro Vorfach samt Haken: 0,14 €

 

Man sieht: Es lassen sich auf eine Angelsaison gerechnet durchaus ein paar Euro einsparen.

Richtig interessant wird es aber, wenn die Vorfächer die man selber baut komplexer werden. Naturködervorfächer zum Meeresangeln, Wallervorfächer, Doppelhaken-Systeme für Hecht, Haar-Vorfächer usw. Hier kann man dann wirklich deutlich sparen und hat immernoch den Vorteil, dass man wirklich hochwertiges Material verwenden kann.

 

Die richtige Vorfachschnur zum selberbinden

haken binden01

Vorweg erstmal eine gute Nachricht. Im Vergleich zu meiner Anfangszeit als Angler in den 1980er Jahren, sind die Schnüre heutzutage in der Breite viel besser geworden. Die Chance "voll daneben" zu greifen ist mittlerweile recht gering geworden. Tragkraft, UV-Beständigkeit, Abriebfestigkeit in all diesen Kategorien haben sich die Schnüre verbessert.

Monofil vs. Fluorocarbon vs. Geflechtschnur

  • Monfilschnur: In den allermeisten Fällen, eignet sich eine Monofilschnur sehr gut als Vorfachschnur. Entscheidend ist aber nicht nur die aufgedruckte, lineare Tragkraft sondern auch die Knotenfestigkeit. Monofile Schnüre haben eine gewisse Dehnung die sich beim Knotenbinden sehr positiv auswirkt. Die Knoten lassen sich dadurch  gut "anziehen" und halten auch gut. Grundsätzlich ist es empfehlenswert (nicht nur bei monofilen Schnüren) die Knoten vor dem Zusammenziehen etwas mit Spucke zu befeuchten, dies verhindert dass die Schnur durch die beim Zusammenziehen entstehende Reibung beschädigt wird. Es werden weichere und steifere monofile Schnüre angeboten, die weicheren haben meist etwas mehr Dehnung und lassen sich etwas schöner knoten - aus den etwas steiferen Schnüren lassen sich dafür Vorfächer bauen die weniger anfällig gegen Verwicklungen sind. Den richtigen Kompromiss muss jeder selber finden.

  • Fluorocarbon: Mittlerweile hat sich auch Fluorocarbon als Vorfachmaterial etabliert. Auf den ersten Blick ist es mit herkömmlichen Monofilschnüren vergleichbar. Es gibt aber doch ein paar entscheidende Unterschiede. Verkauft wird Fluorocarbon immer mit dem Argument es sei unter Wasser "unsichtbar". In der Praxis gibt es darüber geteilte Meinungen. Fakt ist, das Material hat einen ähnlichen Lichtbrechnungsfaktor wie Wasser, weshalb es unter Wasser weniger sichtbar ist. Fluorocarbon hat aber noch weitere Eigenschaften. Es ist vom Material her schwerer als gewöhnliche Monofilschnur und sinkt dadurch schneller ab. Gerade beim Friedfischangeln, wenn man Wert darauf legt, dass das Vorfach sauber auf dem Boden aufliegt kann das durchaus ein Vorteil sein. Außerdem ist das Material recht steif, wenn man Vorfächer haben möchte die formstabil sind wie z.B. beim sogenannten Stiff-Rig oder auch beim Welsangeln in stärkerer Strömung ist Fluorocarbon ein sehr interessanter Material. Ebenfalls sagt man dem Material nach, abriebfester zu sein als normale Monoschnur.
    Was aber auch zur Wahrheit gehört: Die Tragkraft von Fluorocarbon ist geringer als die von Monofilschnur. Auch die Knotenfestigkeit ist etwas schlechter. 

  • Geflechtschnur: Typischerweise wird geflochtene Schnur fast ausschließlich als Hauptschnur verwendet. Im Bereich des Vorfachbaus gibt es gleich 3 Eigenschaften von Geflechtschnüren die gegen die Verwendung als Vorfachmaterial sprechen. Geflecht ist wenig abriebfest und reagiert entsprechend empfindlich auf "Kontakt" mit Steinen, Holz etc. Hinzukommt, dass es sich aufgrund des dünnen Durchmessers, der kaum vorhandenen Dehnung und des an sich weichen Materials nicht gut knoten lässt. Was weiterhin gegen die Verwendung als Vorfachmaterial spricht sind die Sinkeigenschaften von Geflechtschnur. Geflochtene Schnur schwimmt. Das Vorfach legt sich dann also nicht sauber auf den Grund sondern schwebt in Ködernähe. Nicht unbedingt ideal, wenn man es mit vorsichtigen Fischen zu tun hat. Meistens kommt Geflechtschnur also nicht als Vorfachmaterial infrage.

 

Exkurs: Das Kombi-Rig

Es gibt aber natürlich auch einen massiven Vorteil von Geflechtschnur. Gerade deshalb weil die Schnur so weich ist, lässt sich ein Köder damit sehr natürlich präsentieren. Die Waller- und Karpfenangler nutzen daher oft sogenannte Kombi-Rigs. Der Köder an sich (z.B. Boilie, Köderfisch) wird an einer Geflechtschnur angeboten um eine möglichst natürliche Köderpräsentation zu erreichen - direkt darauf folgt dann aber ein steifes Vorfachmaterial um alle "Nachteile" der Geflechtschnur direkt wieder auszugleichen. So lässt sich "das beste aus beiden Welten" vereinen und man hat an jeder Stelle des Vorfachs genau das richtige Material im Einsatz. Nicht dumm, oder? 

kombirig

 

Hakentypen

Wenn es um das selberbinden von Haken geht, gibt es zwei Kategorien in die man Haken einordnen kann: Öhrhaken und Plättchenhaken. Diese zwei grundsätzlichen Typen gibt es dann in allen nur vorstellbaren Formen und Ausführungen. mit gerader und geschränkter Spitze die dann noch in chemisch und mechanisch geschärfte Spitzen unterschieden werden können, oder lang- und kurzschenklig, vernickelt, vergoldet, brüniert, aus Edelstahl und so weiter. Für uns ist aber erstmal wichtig ob wir es mit Plättchen- oder Öhrhaken zu tun haben - denn daran entscheidet sich wie die Haken angebunden werden. 

haken binden02

 

Der richtige Knoten

Der Knoten ist das schwächste Glied in unserer Montage und damit auch das A und O einer sicheren Verbindung.

Welchen Knoten man nun verwendet ist abhängig davon was man anknoten möchte und mit welchen Schnurstärken wir es zu tun haben.

Hier mal eine kleine Übersicht welchen Knoten ich bei welchem Einsatzzweck verwende:

Verwendungszweck

Schnurstärke

Knoten

Wirbel an die Hauptschnur knoten

Bis 0,45 mm

Verbesserter Clinchknoten
Doppelt geschlaufter Clinchknoten

 

Ab 0,45 mm

Uniknoten
Palomarknoten

Öhrhaken an ein Vorfach knoten

Bis 0,45 mm

Verbesserter Clinchknoten
Doppelt geschlaufter Clinchknoten
George-Harvey-Knoten

 

Ab 0,45 mm

Uniknoten

Plättchenhaken an ein Vorfach knoten

Egal! (nur nicht zu dick!)

Plättchenknoten

2 Schnüre miteinander verbinden

Gleicher Durchmesser

Doppelter Uniknoten
Blutknoten

 

Ungleicher Durchmesser

Schlagschnurknoten
Albright-Knoten

Schlaufe ans Vorfach binden

Bis 0,45 mm Doppelte Achterschlaufe

 

Ab 0,45 mm

Einfache Achterschlaufe

 

 

Anbinden eines Öhrhakens

Nachdem ich mich dazu entschieden habe, an mein Vorfachmaterial einen Öhrhaken zu binden (Ziel meistens Raubfischsystem, Meeresangeln, Karpfenfischen) kann die "Fummelei" losgehen. Vorweg noch kurz ein Wort zur Geduld: Wer glaubt, er sei geschickt genug, sich an einem 8er Karpfenhaken sich versuchen zu müssen, der lasse sich nicht aufhalten ;-) . Wer anfangen will mit ausprobieren, sollte vielleicht zunächst einen größeren Meereshaken (Gr. 3/0) und 0,30 mm Schnur heranschaffen... Das Prinzip ist immer das selbe. Ich beschreibe übrigens die Technik als Rechtshänder. Linkshänder möchte ich bitten, das ganze dann umzukehren.

Der doppelte Clinchknoten

  • Den Haken in die linke Hand nehmen, Das Öhr zeigt dabei nach rechts
  • Die Schnur nun 2 mal durch das Öhr führen, so dass eine große doppelte Schlaufe entsteht
  • Diese Schlaufe mit Zeigefinger und Daumen fixieren
  • Das kurze Ende der Schnur wickelt man nun ca. 5 mal um das lange Ende der Schnur
  • Anschließend wird das kurze Ende wieder durch die Doppelschlaufe geführt
  • Nun kurz die Schnur befeuchten
  • Knoten langsam und unter gleichmäßigem Zug zusammenziehen

Der Uniknoten

  • Den Haken in die linke Hand nehmen, das Öhr zeigt dabei nach rechts
  • Die Schnur wird nun durch das Öhr geführt und ca. 15 cm an das lange Ende angelegt.
  • Beide Schnüre ca. 5 cm vor dem Öhr festhalten
  • Kurzes Ende nach unten führen und über beide Stränge legen
  • Nun bber beide Stränge nach oben wickeln (ca. 5 Windungen)
  • Knoten befeuchten und gleichmäßig zuziehen
  • Knoten abschließend ganz an das Öhr heranschieben

 

Plättchenknoten mit einem Hakenbinder anbinden

Das Anbinden der Plättchenhaken schreckt viele Angler etwas ab. Es ist aber, dank Hakenbindegeräten, eigentlich gar nicht schwer - es erfordert lediglich eine gewisse Übung. Selbstverständlich muß man auch wissen, wie man einen Hakenbinder richtig benutzt.

In der nachfolgenden Anleitung verwende ich einen Matchman Hakenbinder, dieser kostet keine 3€ und ist im Fachhandel erhältlich.

haken binden05 

Nachfolgend habe ich in 9 Schritten ganz genau erläutert, wie man Schritt für Schritt zu einem perfekten Plättchenknoten kommt.  Der entscheidende Trick ist, dass die Schnur immer gespannt sein muss. Am besten lässt man das lange Ende der Schnur noch auf der Spule und fixiert diese irgendwo, am schnellsten und einfachsten kann man das machen in dem man sich die Spule einfach zwischen die Knie klemmt.

Schritt 1: Haken einspannen

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Der Haken ist eingespannt. Die Schraube sollte fest, aber nicht zu fest gedreht werden, damit die Backen nicht brechen.

 

Schritt 2: Schnur anlegen

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Die Schnur wird an den Schenkel und um die Klammer herum gelegt. Unbedingt darauf achten, dass die Schnur exakt so verläuft, wie gezeigt, damit der Knoten perfekt sitzt.

 

Schritt 3: Wicklungen anlegen

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7 - 12 enge Wicklungen (entgegen Uhrzeigersinn), je nach Schnurstärke, mit dem kurzen Ende um den Schenkel sichern einen guten Halt.

 

Schritt 4: Anlegen an die vordere Klammer

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Einleiten des Knotens: Die Schnur (kurzes Ende) wird vor die vordere Klammer gelegt. Sie liegt damit über der Schlaufe, die noch von der hinteren Klammer gehalten wird.

 

Schritt 5: Herunterdrücken der Klammer

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Der Knoten ist fast fertig. Die Schraube muss etwas gelöst werden, um den Haken zu befreien. Am "langen Ende" wird gezogen; das kurze Ende sollte etwas befeuchtet werden (Spucke/Silikonfett), damit es durch das Ziehen am langen Ende besser durch den entstehenden Knoten rutscht.

 

Schritt 6: Straffen der Schnur

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Am langen Ende wird die Schnur straff gezogen. Dadurch "rutscht" die Schlaufe über die vordere Klammer und das kurze Ende an den Hakenschenkel. Das kurze Ende wird damit am Schenkel fixiert.

 

Schritt 7: Haken Herausnehmen

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Der Knoten ist fast fertig. Die Schraube muss etwas gelöst werden, um den Haken zu befreien. Am "langen Ende" wird gezogen; das kurze Ende sollte etwas befeuchtet werden (Spucke/Silikonfett), damit es durch das Ziehen am langen Ende besser durch den entstehenden Knoten rutscht.

 

Schritt 8: Knoten fixieren

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Die Schnur ist jetzt frei und kann noch einmal richtig straff gezogen werden. Nur vollkommen bekniffene Knoten nehmen maximalen Zug auf und gewährleisten ein Maximum an Tragkraft!

 

Schritt 9: Knoten zurechtrichten

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Nun muss der Knoten nur noch am Plättchen getrimmt werden. Wichtig hier: die Schnur muß vor dem Plättchen laufen, damit sie nicht beschädigt wird.

 

haken binden15

So sieht er aus, ein perfekt gebundener Plättchenhaken.

Viel Spaß beim Hakenbinden!

Frank Völkle

www.weserstrand-bremen.de

 

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