geben nehmen teaser


Schon länger beschäftigt mich die Frage nach dem Nehmen und Geben beim Angeln. Ausgangspunkt waren in letzter Zeit äußerst positive Erfahrungen, die ich mit Angelfreunden machte, welche ich u. a. über ein Internetforum kennen gelernt hatte. Es war folgendes geschehen:
Ich habe ja schon eine Menge Angelarten durch und finde, alle haben ihren speziellen Reiz. Angefangen habe ich mit Stippfischen auf Rotaugen, Brassen, Ukelei, dann habe ich mit Kartoffeln auf dicke Karpfen angesessen, im Frühjahr auf Schleien am Baggersee geangelt. Hechte an der Köderfischmontage, am Blinker, Barsche am Zocker, Dorsche am Pilker, Forellen an der Fliege usw.

Apropos Fliegenrute. Zu Anfang meiner Versuche mit Fliege ging ich öfter mit einem Vereinskameraden. Er führte mich an gute Stellen, die ich vorher glatt ignoriert hatte und ließ mich immer zuerst fischen. Irgendwann, als ich nichts mehr fing, fragte er dann immer: „Ausgefischt?“ Auf mein bekräftigendes „Ja!“ hin zog er dann aus dem selbem Flussabschnitt noch mal mindestens genauso viel Fisch wie ich zuvor heraus. Für mich eine Lehrstunde und ich lernte daraus eine Menge, ihn und sein Equipment genau zu studieren. Zwischendurch war ich viele Jahre ausschließlich dem Fliegenfischen „verfallen“, fing mit selbst gebundener Fliege den ersten Lachs, den ersten Hecht den ersten Zander mit Fliegenrute.

Aber eines hatte ich bis vor ungefähr drei Jahren noch nicht gemacht: Renkenfischen mit Hegene!
Quasi stationäres vertikales Fliegenfischen. Für gehfaule alte Männer sozusagen …
Ich kam da drauf, weil hier in den Sauerlandtalsperren in meinem Umkreis tatsächlich Renken zu fangen sind. Dank des Engagements des Ruhrverbandes als Bewirtschafter schwimmen darin Kleine und Große Maränen und Blaufelchen sowie die auch mit Hegene fangbaren Alpinen Seesaiblinge.


Die Hegenen-Story

Ich versuchte, mir Wissen über diese Art zu fischen anzueignen und trat einem Felchen-Forum bei. Hier gab es schon mal eine Menge Information. Als ich zu dieser Zeit einmal in Österreich zu tun hatte, buchte ich mit bei Michael Bierbaumer am Attersee ein Guiding auf Renken (absolut empfehlenswert, auch seien Hechttouren). Ich begann, vom Ufer aus mit mäßigem Erfolg die Hegene einzusetzen, aber immer war ich darauf aus, vom Boot aus mit den speziellen leichten Ruten zu angeln. Ich überlegte hin und her, wie ich an ein Boot kommen könnte. Leider habe ich wegen Hanggrundstück keinen Stellplatz am Haus frei, alles kam mir zu aufwändig vor. Nachdem ich im Forum einige Beiträge verfasst hatte, kam plötzlich die Einladung eines anderen Forumsmitgliedes – ich nenne ihn mal Klaus - zum Fischen auf Maränen an einer Talsperre im Bergischen. Man, was freute ich mich! Und schon saßen wir zusammen im Boot und ich als Anfänger schlug mich nicht schlecht, staunte aber, wie mein Gastgeber doch einen Fisch nach anderen fing. Das war schon mal ein tolles Erlebnis und ich freute mich wirklich, dass es noch Angler gab, die ihr Wissen bereitwillig mit anderen teilten.


Einige Zeit später kam es aber noch besser: mein Gastgeber rief mich an und fragte, ob ich nicht ein Boot von ihm ausleihen wollte, er hätte ohnehin mehrere. Ich müsste mich dann aber um einen Liegeplatz kümmern. Ich war mittlerweile aktiv gewesen und hatte tatsächlich einen Stegplatz an einer Talsperre in meiner Nähe mit gutem Blaufelchenbestand organisiert, die mein „Hausgewässer“ werden sollte. Und schon legten wir los: das Boot holten wir im Bergischen ab, ließen es zu Wasser und fuhren erstmal raus angeln. Noch während ich meine Rute montierte fing mein Partner die ersten Fische, aber das nur am Rande. Als langjährig erfahrener Renkenfischer gab er mir wertvolle Tipps. Auch die Arbeit mit dem Echolot erklärte er mir.


Ja, so kam ich ans Renkenfischen, was mir schon zwei Jahre viel Freude bereitet. Immer wieder denke ich daran, wie es dazu kam. Ich fragte den Angelfreund später mal, warum er das alles für mich gemacht hatte. Er antwortete, er wäre aufmerksam geworden, weil ich immer „vernünftige“ Sachen ins Forum gestellt und vor allem mich aktiv auch mit Erlebnisberichten beteiligt hätte, anstatt Infos „abzugreifen“ und nur zu fragen, wo und wann man denn nun dicke Fische fangen könnte. Seine Einladung an seinen See sei dann quasi auch mit persönlichem „Abchecken“ verbunden gewesen. Natürlich hatte er sich damit auch eine Gelegenheit geschaffen, das Boot an „meinem“ See nutzen zu können. Für mich war es übrigens Ehrensache, ihm zum Geburtstag einen großzügig bemessenen Gutschein für Angelgerät zu schenken. Das war ich ihm als Anerkennung einfach schuldig.
Aber so geht es eben: Geben und Nehmen.

geben nehmen renkeOhne Unterstützung von anderen wär ich so schnell nicht an solche tollen Fische gekommen.

 

Die Gummifisch-Geschichte

Ein weiteres, sehr aktuelles Beispiel. Mich juckte es nach vielen Jahren „Abstinenz“, mal wieder Zander zu fangen. Früher auf dem Edersee, in dessen Nähe ich lange wohnte, hatte ich regelmäßig welche erwischt. Nun nahe des Ruhrgebietes beheimatet, hatte ich natürlich schon den Rhein im Auge und ich wusste von den guten Fängen mit Gummifisch. Von einem Bekannten, mit dem ich vor langer Zeit beruflich zu tun hatte, bekam ich über Facebook mit , dass er eben auch angelt, was ich damals aber gar nicht gewusst hatte!
Nun war ich es, der ihn zum Renkenfischen in mein Boot einlud.
Für ihn war es das erste mal mit Heberute. Ein schöner Tag war das und wir hatten auch guten Erfolg.

Ja und was soll ich sagen: im Herbst diesen Jahres lud er mich im Gegenzug zum Zanderangeln ein! Wie ich mich freute. Wir zogen zu dritt los und freigebig erklärte man mir, worauf es beim GuFi-Angeln so ankommt. Die ersten Stunden stand ich staunend daneben, als die zwei Fisch auf Fisch fingen. Aber ich holte auf, kam hinter die Technik und fing sogar am Ende noch den Fisch des Tages. Ich war völlig glücklich. Und möglich war das, weil mich die Angelkollegen mitgenommen haben, an ihre Spots und mir ihr Gerät gezeigt und sogar Shads überließen. Und wieder stelle ich fest: Geben und Nehmen!

geben nehmen zander Prachtfisch, weil andere mich mitgenommen haben!


Probleme mit dem Geben?

Ich will aber auch nicht verhehlen, dass ich auch schon auf die Nase gefallen bin, weil das Prinzip nur einseitig funktioniert hat. Ich also gegeben habe, der andere nur genommen hat. Es ist dann immer das Gleiche, ungefähr so: „Ja, sag mal, wie/wo/womit fängst du denn da, ja hochinteressant, ja da würde ich gerne mal mitfahren - ich lade dich auch mal ein zum Aalangeln bei uns ein, was für dicke Aale /wir gehen auch mal zusammen an meine Stellen, ich habe da Zugang zu einem ganz tollen Fliegengewässer …“ usw. Wobei außer wortreichen Schilderungen außer Abgreifen von Infos nie weiter was passiert. Es gibt eine Menge „Nehmer“, die leider keine „Geber“ sind. Dieselben, die auch als Fangneider unterwegs sind (Video hierzu bei Uli Beyer )?


Aber deshalb generell auf das Geben verzichten? Machen wir uns mal klar, wie wir zu dem Wissen gekommen sind, was wir heute besitzen! Wenn ich es für mich betrachte, habe ich wie oben geschildert schon enorm viel vom Wissen und Erfahrung anderer profitiert. Und oft ist man sich dessen gar nicht so bewusst! So waren meine ersten spontanen Gedanken nach dem supergeilen Zanderangeln schon „ … na das darf aber jetzt aber gar keiner wissen, wo und wie wir da die vielen Fische gefangen haben!“. Aber schon begann ich zu zweifeln: „Ja, wenn die Jungs auch so gedacht hätten, wärst du zuhause geblieben!“


Klar wurmt es mich, wenn ich jemanden mitnehme und am nächsten Tag schleppt der seine ganze Bekanntschaft an meine Spots. Man muss eben auch einen Vertrauensvorschuss gewähren. Ich wiederum gehe vertrauensvoll mit dem um, was mir anvertraut wurde. Das ist die Kehrseite. So fragten verschiedene Angelfreunde schon mal an, wo genau ich denn nun die schönen Zander fing, aber ich würde das nie ohne das Einverständnis derer, die mir die Spots gezeigt haben, einfach weitergeben.


Wem „Geben“?

Vielleicht ist eine gute Idee, sein Gegenüber vorher abzuchecken, wie es Klaus seinerzeit mit mir getan hatte? Zu schauen, ob auch etwas gegeben wird? Ich glaube, darin liegt eine lohnende Strategie. Geben wir denen, die auch uns geben. Und wenn sie noch nicht so erfahren und bewandert sind, schauen wir auf Zeichen. Leuten, die immer nur reden und nicht handeln, nun mit denen sollten wir genauso umgehen.
Reden OK? Aber nicht handeln?
Sie können es sich aussuchen!

Ich habe jedenfalls vor allem in letzter Zeit tolle Angler kennen gelernt und sowohl meinen Horizont anglerisch und auch von den Locations her sehr erweitern können.

In diesem Sinne für ein mehr an „Miteinander und Füreinander!“.


Stefan Weigelt


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