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Am Freitag, den 01.03.2019 fand in Dettenheim die Jahreshauptversammlung der Rheinberufsfischer statt. Auch Vertreter des Anglerverein Linkenheim war dort anwesend.
Weitere geladene Gäste waren neben den Rheinberufsfischern u.a. sowohl Vertreter der Regierungspräsidien Freiburg und Karlsruhe, der Landsfischereiverbände Baden Württemberg und Rheinland Pfalz, sowie Vertreter aus der Vorstandschaft diverser anderer Anglervereine.

In seiner Eröffnungsrede berichtete der 1. Vorsitzende Dr. Götz Kuhn über die weiterhin bestehende Niedrigwassersituation am Rhein. Trotz des Rekordhitzesommers 2018 kam es durch einen ausreichender Sauerstoffgehalt im Rhein glücklicherweise zu keinem Fischsterben. Auch das Brutfischaufkommen, so G. Kuhn sei hervorragend. Laut Götz Kuhn seien 2018 sowohl die Zander – als auch die Aal- und Welsbestände im Rhein gut. Für Hechte sei der Bestand weiterhin nur „befriedigend“, für Karpfen „ausreichend“. Möglicherweise durch das Niedrigwasser verursacht, hätten die Rheinberufsfischer vor allem einen Rückgang an Flussbarschen bemerkt. Selten seien aktuell weiterhin Schleien, rückläufig seien die Brachsen und Rotaugen, dafür aber ingesamt größer. So seien den Rheinberufsfischern öfters Rotaugen mit über 1000 g ins Netz gegangen. Erfreulich sei jedoch eine Zunahme an „Nasen“. Vor allem in den Nebengewässern würde die Population des Fisches steigen.
Das Verhältnis Raubfisch zu Friedfisch, sei so Götz Kuhn, vermutlich aufgrund der abnehmenden Gewässereutrophierung aktuell positiv zugunsten der Raubfische. Nach wie vor erwarten auch die Rheinberufsfischer eine Verlängerung des Aalfangverbotes am Rhein. Warme Temperaturen und hohe Besatzmengen an Aalen lassen laut Kuhn wieder einen Aufwärtstrend im Aalbestand vergleichbar zu Zeiten der 70er/80er Jahre erkennen.

Erkenntnisse die der anschließende Dozent Dr. Jan Barr von der Fischereiforschungsstelle Langenargen in großen Teilen bestätigen konnte.
Die Entwicklungen der Blankaalabwanderung im Rhein, lägen aktuell mit ca. 230 Tonnen im Vergleich zu den Jahren vor 1980 (530 Tonnen) auf einem guten Stand im Rhein. Mit einer Quote von 42 % zu jener Zeit, liegt der Rhein ungefähr beim allgemeinen Durschschnitt von rund 43 %.
In der Elbe liegt die Quote derzeit bei rund 7 % , andere Gewässer erfüllen bereits die Quote von damals komplett.
Kurz gefasst, der Bestand an Aalen nehme zu, sei aber noch nicht da wo der Bestand sein sollte. Baer schätzte den Bestand der Aale in den nächsten Jahren wieder rückläufig sein. Als Gründe führte er eine geringere Zuwanderung und weniger Besatz durch höhere Preise auf. Aale so Baer, wachsen langsam. Erst nach 15-20 Jahren wandern die Fische ab.

Sowohl Baer als auch Kuhn verwiesen auf die weiterhin bestehende Problematik des illegalen Glasaalhandels! International agierende Gruppen, importieren unter fast schon mafiösen Strukturen Glasaale vorzugsweise Nach Asien. So läge der Preis in Asien für ein kg Glasaale bei umgerechnet 6000 Euro/kg, der Einkauf in Europa bei gerade mal rund 600 Euro. Die Glasaale werden in Asien als Delikatesse vermarktet. Eine konventionelle Züchtung von Aalen ist nicht möglich.

Ein weiteres Problem sah Baer im anstehenden Brexit und dem Problem wenn die EU-Verordnung nicht mehr in Großbritannien gilt.
Ebenfalls belastend seien so Baer, die Wasserkraftanlagen! Insgesamt 190-210 Tonnen an Aalen würden jedes Jahr im Rhein in den Wasserkraftanlagen zerhäckselt werden. Die EU-Verordnung zum Schutz der Aalbestände, so Baer greife nicht bei den Wasserkraftwerksbetreibern.

Die Masse an Aalen die durch Wasserkraftanlagen ihr Leben lassen würden, sei höher als die Menge die Berufsfischer, Angler und Kormorane gemeinsam entnehmen.
Kurzfristige Lösungen können sogenannte „Aal-Taxis“ sein, bei der Aale vor den Turbinen von Berufsfischern abgefangen und nach den Turbinen wieder eingesetzt werden. Immerhin ca. 12 Tonnen könnten aktuell damit gerettet werden. Langfristig sieht Baer die Lösung nur in einem vernünftigen Umbau der Wasserkraftanlagen.

Bei einem Monitoring 2017, wurden laut Baer rund 19 Aale zwischen 300-1200 g auf die Schadstoffbelastung untersucht. Insgesamt habe sich die Schadstoffbelastung des Aales nicht gebessert. Ernüchternde Worte. Doch nicht nur der Aal scheint vom aussterben bedroht zu sein. Auch der Beruf des Berufsfischers, aktuell allen voran der des Bodenseefischers sei, so Kuhn „vom aussterben bedroht“.

Laut Götz Kuhn breiten sich dafür sowohl Kaliko- als auch Signalkrebse aus. In der Elsenz und der Kraich, seien so Kuhn bereits zahlreiche Signalkrebse vorhanden. Der rote amerikanische Sumpfkrebs, welcher mittlerweile sogar auf den Straßen Berlins gesichtet wurde, existiere nun auch in Hessen. Dort konnte der Einsatz adulter Aale den Bestand eindämmen. Im Rhein seien die fremden Krebse derzeit noch nicht auf dem Vormarsch.

Interessant gestaltete sich auch der Vortrag über den Nachweis von Fischarten in Binnengewässern mithilfe eines e-DNA-Nachweises. Lena Kusanke von der Universität Koblenz-Landau referierte über eine bereits seit 10 Jahren bekannte Methode des eDNA-Nachweises von Fischen im Wasser. So sei es möglich die Präsenz von Fischarten mittels einer DNA-Analyse des Wassers nachzuweisen. Eine Methode die weder invasiv in das natürliche Habiat der Fische eingreife, wenig Zeitaufwand und keine Artenkenntnis voraussetzt.

Eine Möglichkeit die vom Anglerverein Linkenheim beim laufenden Projekt der Quappenansiedlung hilfreich sein könnte.

Die Veranstaltung endete schließlich nach einem Vortrag von Frans Komen aus Terwolde, Niederlande, der über den Stand der Berufsfischerei am holländischen Niederrhein referierte.
Insgesamt zeigten sich die Teilnehmer/innen wieder sehr zufrieden mit dem abwechslungs- und vor allem sehr lehrreichen Programm der Veranstaltung.

 Text und Foto Sandra Klingert für Anglerverein Linkenheim


 
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